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Auch wenn die Situation schwierig ist, Personell wird es erstmal keine Kürzungen mehr geben, sagt Superintendent Christian Cordes. Foto: A/t6w
Auch wenn die Situation schwierig ist, Personell wird es erstmal keine Kürzungen mehr geben, sagt Superintendent Christian Cordes. Foto: A/t6w

„Trend, dem wir uns stellen müssen“

off Bleckede. Die Zahlen sind ernüchternd, die Herausforderungen für die Zukunft groß. Mehr als 3000 Mitglieder hat der Kirchenkreis Bleckede in den vergangenen zehn Jahren verloren, Kirchengemeinden mussten sich ihren Pastor teilen, Pfarrstellen eingespart werden. Eine Entwicklung, die bereits eingesetzt hatte, als Christian Cordes vor vier Jahren das Amt des Superintendenten übernahm. Und die auch er nicht umkehren kann. Bei der Kirchenkreistagssitzung am Freitagnachmittag wird Cordes nun erneut über Zahlen sprechen. Illusionen macht er sich dabei nicht. „Wir müssen uns darauf einstellen, noch mehr Mitglieder zu verlieren“, sagt er.

Die Gründe für den Mitgliederrückgang von 28219 (2003) auf 25123 (2013) sind vielseitig. „Eine große Rolle spielt neben dem demografischen Wandel der Wegzug vieler Mitglieder aus dem eher strukturschwachen Lüneburger Ostkreis“, sagt Cordes. Pro Jahr stehen rund 60 Eintritten etwa 150 Austritte gegenüber, gleichzeitig sinkt die Zahl der Taufen, kirchlichen Hochzeiten und Beerdigungen zwischen Tripkau und St. Dionys. „Getauft wurden 2001 noch 422 Gemeindemitglieder pro Jahr“, sagt Cordes, „jetzt sind es nur noch 248.“ Die Zahl der kirchlichen Trauungen sank in demselben Zeitraum von 107 auf 69, die der Beerdigungen von 389 auf 306. Hintergrund sind einerseits die zurückgegangenen Mitgliederzahlen. „An-drerseits spiegeln diese Zahlen auch eine gesellschaftliche Veränderung“, sagt Cordes.

Gottes Segen verliert für immer mehr Menschen an Bedeutung. „Statt kirchlich heiraten viele nur noch standesamtlich“, sagt der Superintendent, „Beerdigungen werden immer häufiger auch ohne Pastor gefeiert.“ Ein Trend, der schmerzt, „dem wir uns aber trotzdem stellen müssen“, betont Cordes. Seit Jahren schon arbeitet der Kirchenkreis Bleckede deshalb daran, auch mit weniger Geld, weniger Personal und weniger Mitgliedern Zukunft zu gestalten. Ein Schritt ist die Fusion mit dem Kirchenkreis Lüneburg. Ein anderer die Stärkung der Jugendarbeit. „Und ein weiterer ganz entscheidender die Förderung des Ehrenamtes.“

Mehr als 30 Lektoren und vier Prädikanten engagieren sich im Kirchenkreis Bleckede, halten Gottesdienste in Kirchen, die ohne sie geschlossen geblieben wären. „So können wir zumindest den Großteil unserer Kirchen auch mit weniger Pastoren weiterhin mit Leben füllen“, sagt Cordes. Fest steht für den Superintendenten allerdings auch: Das wird nicht immer und überall gelingen.

Positiv hingegen: „Personell wird es erstmal keine Kürzungen mehr geben.“ Schon vor Jahren hat der Kirchenkreis den Leitsatz ausgegeben „Menschen statt Mauern“, unter anderem das Gemeindehaus in Garlstorf an die Stadt Bleckede verkauft und den Betrieb der Jugendbildungsstätte (Jubi) in Neetze eingestellt. „Für die Jubi suchen wir nach wie vor nach einem guten Käufer“, sagt Cordes, „leider kein einfaches Unterfangen.“

Für den Superintendenten wird es wohl nicht die letzte Käufersuche sein. „Alle Gebäude des Kirchenkreises werden wir nicht behalten können“, sagt er. In einem Katalog sind inzwischen alle Kirchen, Pfarr- und Gemeindehäuser des Kirchenkreises aufgeführt worden, „mit Baujahr, Gebäudesubstanz, wenn möglich Energieverbrauch und Sanierungsstau“. Ziel des Katalogs, den Cordes am Freitagnachmittag zum ersten Mal öffentlich vorstellen wird: „Er soll uns helfen zu entscheiden, welche Gebäude wir unbedingt behalten wollen und von welchen wir uns trennen können oder sollten.“

Die Zukunft bleibt für den Kirchenkreis Bleckede damit auch 2014 eine Herausforderung. Und trotzdem kann der Superintendent den Mitgliedern des Kirchenkreistages am Freitag auch noch eine gute Nachricht überbringen. Aufgrund der guten Konjunkturlage 2013 erhält der Kirchenkreis eine Sonderzuweisung der Landeskirche von rund 140000 Euro. „Geld, von dem wir 80000 Euro an die Kirchengemeinden weitergeben wollen“, sagt Cordes. Vorausgesetzt der Kirchenkreistag stimmt am Freitag zu.

Die Sitzung des Kirchenkreistages Bleckede beginnt am Freitag, 14. März, um 16 Uhr im Gemeindehaus Bleckede (Gartenstraße2). Hauptthema neben dem Bericht des Superintenden und dem Beschluss über die Sonderzuweisung ist die Diakonie in der Region.