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Noch passen die Hoffnungsträger für die nächste Aal-Generation in ein Einmachglas. In der Elbe und im Ozean sollen sie bis zur Geschlechtsreife he­ranwachsen. Bevor die Tiere in die Elbe gesetzt werden, wird die Temperatur gemessen.
Noch passen die Hoffnungsträger für die nächste Aal-Generation in ein Einmachglas. In der Elbe und im Ozean sollen sie bis zur Geschlechtsreife he­ranwachsen. Bevor die Tiere in die Elbe gesetzt werden, wird die Temperatur gemessen.

470000 Aale haben ein neues Zuhause +++ Mit LZplay-Video

pet Bleckede. Gerade einmal fünf bis zehn Zentimeter sind sie lang, spindeldürr, federleichte 0,3 bis 0,4 Gramm schwer, bei vielen der durchsichtigen Tierchen sind Herz und Rückgrat zu erkennen. Mehrere Tausend Glasaale entließ gestern Vormittag Volkmar Hinz von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) in Bleckede in die Elbe es waren die ersten von insgesamt 470000 Baby-Aalen, die im Laufe des Tages ihre Freiheit zurückbekamen. Lebendgewicht der Tiere: 157 Kilogramm. Ziel der Aktion: den Aalbestand in der Elbe zu stabilisieren.

Anfang der 1980er-Jahre hatte Elbfischer Wilhelm Grube aus Hoopte letztmals Glasaale gesehen, die den Weg aus der Sargassosee bis in den Fluss hinein aus eigener Kraft gefunden hatten: ,,In einem langen, dicken Strang sind sie die Elbe hinaufgeschwommen.“ Ungefähr seit dieser Zeit sind die Bestände in ganz Europa dramatisch zurückgegangen die Ursache ist nicht bekannt, es gibt aber Vermutungen, etwa die Verschiebung atlantischer Strömungen, Vogelfraß, verbaute Gewässer, Parasiten oder Fischerei.

Seit 2006 wird durch Besatzmaßnahmen versucht, die Entwicklung umzudrehen, indem Jungaale, die vor Frankreichs Küste gefangen werden, unter anderem in die Elbe und ihre Nebengewässer eingesetzt werden. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen koordiniert das Projekt, das in diesem Jahr 43000 Euro kostet. 60 Prozent der Kosten übernimmt die Europäische Union, den restlichen Teil Fischer, Angler, Fischereirechtsinhaber und weitere Förderer, die sich in der Gemeinschaftsinitiative Elbfischerei zusammengeschlossen haben.

Die winzigen Glasaale, die gestern in der Elbe ausgesetzt wurden, haben schon eine weite Reise hinter sich: Vor etwa zweieinhalb Jahren wurden sie in der Sargassosee abgelaicht, aus Eiern wurden Larven, als solche trieben sie dann quer über den Atlantik. An der französischen Küste, in der Nähe von La Rochelle, wurden sie Anfang dieser Woche gefangen. ,,Auf halber Strecke zwischen dort und Cloppenburg haben wir die Tiere dann übernommen“, erzählt Gerhard Götting, Inhaber des dortigen Aalhofs Götting.

Die jungen Tiere wurden gut verteilt: An 13 Stationen machte Gerhard Götting gestern Halt, von dort holten Helfer ihre Aale, um sie an 100 Besatzstellen zwischen Schnackenburg und Bullenhausen auszusetzen. Wilhelm Grube etwa nahm zehn Kilogramm mit, um sie im Bereich Lassrönne/Wuhlenburg ins Wasser zu bringen. Gerhard Bestmann, der Fischereirechte besitzt, setzte Aale zwischen Kateminer Bach und Heisterbusch aus. Mit dem Feuerwehrboot fuhren Steffen Müller, Alexander Müller und Michael Warner, Mitglieder im Angelsportverein und in der Feuerwehr, in den Bleckeder Hafen und ließen die Tierchen frei.

Ungewöhnlich in diesem Jahr: Während in den Vorjahren ,,vorgestreckte“, das heißt in Aufzuchtstationen aufgepäppelte Aale mit einem Gewicht von fünf, sechs Gramm in die Elbe gesetzt wurden, sind es in diesem Jahr die wesentlich kleineren Glasaale, die direkt von der Atlantikküste an die Elbe gebracht wurden. Positiver Effekt: Für die gleichen Kosten wie in den Vorjahren kann in diesem Jahr eine erheblich größere Anzahl an Fischen in die Elbe gebracht werden im vergangenen Jahr etwa wurden ,,nur“ 137000 Aale mit einem Gewicht von 547 Kilogramm ausgesetzt.

,,Die Bestände in diesem Jahr und im vergangenen Jahr sind aus ungeklärter Ursache erheblich größer“, sagt Christina Hiegel von der Landwirtschaftskammer. Dadurch seien auch die Beschaffungskosten für den Aal-Nachwuchs erheblich gesunken. Wegen der milden Witterung können die Glasaale in diesem Jahr auch erheblich früher als sonst in die Elbe gesetzt werden auf sieben Grad Celsius gekühlt hat Gerhard Götting die Tiere nach Bleckede gebracht, beim Einsetzen wird der Temperaturunterschied zur Elbe, deren Wasser zehn Grad hat, vorsichtig ausgeglichen.

„Seit Beginn der Aktion im Jahr 2006 haben wir bis heute mehr als 1,4 Millionen Jungaale für fast 400000 Euro in die Elbe gesetzt“, erklärte Volkmar Hinz. Mit ihren vielen Nebenflüssen und den Schilfufern gelte die Elbe als idealer Fluss für die Besatzaktion. Neben Niedersachsen führen auch andere Bundesländer, etwa Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein, Aalbesatzmaßnahmen durch.