Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Kaiserlicher Besuch in Bleckede: Die Doppelgänger von Kaiser Wilhelm I. und seiner Frau, Erhard und Sylvia Brandes, gaben der Veranstaltung gestern kaiserlichen Glanz. Foto: t&w
Kaiserlicher Besuch in Bleckede: Die Doppelgänger von Kaiser Wilhelm I. und seiner Frau, Erhard und Sylvia Brandes, gaben der Veranstaltung gestern kaiserlichen Glanz. Foto: t&w

Kaiserlicher Besuch

kre Bleckede. Eisenbahnen galten einst als der Inbegriff des Fortschritts gestern freilich versetzten die Stahlkolosse die Bleckeder zurück in die gute, alte Zeit: in die Zeit um 1904. In die Kaiserzeit: Denn Seine Majestät höchstselbst war nebst Gefolge gestern nach Bleckede gekommen, um die instand gesetzte Bleckeder Hafenbahn zu eröffnen. Dass das Band natürlich nicht vom echten Wilhelm I. durchschnitten wurde, sondern von einem späten Doppelgänger, tat der nostalgischen Stimmung keinen Abbruch. Wenn überhaupt, störte allenfalls das regnerisch-windige Wetter. Doch sowohl Kaiser Wilhelm I., der im richtigen Leben Erhard Brandes heißt und aus Weste bei Bad Bevensen kommt, als auch Bleckedes Bürgermeister Jens Böther nahmen das Schmuddelwetter norddeutsch gelassen. Statt zu lamentieren, nutzten sie lieber die Gelegenheit zur Premierenfahrt im historischen Zug in den Bleckeder Hafen.

Und wie immer, wenn alte Bahnstrecken instand gesetzt werden, mittlerweile historisch seltene Schienenfahrzeuge auf den Gleisen unterwegs sind, sind auch die Eisenbahn-Enthusiasten nicht weit entfernt: Mit Fotoapparaten bewaffnet, postierten sie sich am Bleckeder Bahnhof, um nur ja kein Fotomotiv zu verpassen. Auch aus Lüneburg und Soltau rollten Ausflügler an, stilecht in den Waggons des Heide-Express.

Für Bleckedes Bürgermeister Jens Böther ist die Instandsetzung der Bleckeder Hafenbahn ein weiterer Baustein im Tourismuskonzept der Elbstadt: Und an einem Tag wie gestern darf auch einmal ein Stadtoberhaupt ins Schwärmen kommen: ,,Vielleicht bekommen wir es irgendwann hin, dass Bleckede wieder stündlich von der Bahn angefahren wird.“ Zurzeit freilich, das weiß auch das Bleckeder Stadtoberhaupt, ist das ferne Zukunftsmusik. Oder auch der Blick zurück in die ,,gute, alte Kaiserzeit.“ Es kommt wohl auf die Sichtweise an. Denn 1904 also vor genau 110 Jahren wurde die direkte Eisenbahnverbindung zwischen Lüneburg und Bleckede geschaffen. Nach der Eröffnung des Betriebs am 1. September 1904 entwickelte sich der Verkehr auf dieser Strecke überraschend besser als erwartet: In den „Lüneburgschen Anzeigen“ vom 15. September 1904 heißt es: ,,Ein reges Leben herrscht auf unserem neuen Kleinbahnhof.“

Und der Verkehr, ob mit Gütern oder Personen, entwickelte sich auch in den folgenden Jahren weiter. Um 1970 verkehrten täglich neun Zugpaare zwischen Lüneburg und Bleckede, beförderten Pendler, Schüler und Touristen. Im Mai 1977 dann das Aus. Der Personenverkehr zwischen Lüneburg und Bleckede wurde eingestellt, Busse übernahmen fortan den Transport der Passagiere zwischen den beiden Städten. 2010 wurde die Strecke dann sogar ganz für den Schienenverkehr gesperrt des schlechten Zustands wegen. Doch diese Krise ist zum Glück überwunden. Die Strecke wurde aufwändig saniert, Schwellen ausgetauscht, Gleise verlegt… Seit 2012 dürfen auf dieser Strecke also wieder Züge verkehren. Und Gäste nach Bleckede bringen. So wie gestern. Wer sich aufmachte, die Elbstadt zu erkunden, der wurde nicht enttäuscht. Die Geschäfte lockten mit einem verkaufsoffenen Sonntag. Das Eisenbahn-Ausbesserungswerk, 1920 erbaut, hatte seine Pforten geöffnet und bot kostenlose Führungen an. Und der kaiserliche Hofstaat zeigte in historischen Kostümen, wie man sich standesgemäß anno 1904 vergnügte, führte dem Publikum Tänze aus dieser Zeit vor.

One comment

  1. Ein Bärtiger, diesmal weder Mädge noch Nahrstedt. Die LZ online macht sich!