Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Krisengespräch im Deichvorland. Die Landwirte Karsten Reinstorf (v.l.) und Tim Rechenberg diskutieren mit Landberater Peter Müller, wie die drohende Streichung der Förderung aufgefangen werden könnte. Foto: phs
Krisengespräch im Deichvorland. Die Landwirte Karsten Reinstorf (v.l.) und Tim Rechenberg diskutieren mit Landberater Peter Müller, wie die drohende Streichung der Förderung aufgefangen werden könnte. Foto: phs

Hannover bremst Bauern an der Elbe

off Bleckede. Der Ärger um die künftige Agrarförderung geht in die nächste Runde. Nachdem das Landwirtschaftsministerium bereits die Umweltmaßnahme „Vielfältige Kulturen“ gestrichen und den Blühstreifenanbau neu begrenzt hat, droht nun der nächste Einschnitt. Ausgerechnet für die Landwirte, die an der Elbe ohnehin schon unter erschwerten Bedingungen wirtschaften. Sie müssen auf einen Teil der Umwelt-Förderung vermutlich ganz verzichten, und zwar für die Flächen, die sie vom Land Niedersachsen gepachtet haben.

Schon seit Jahren befinden sich große Areale des Deichvorlandes im Besitz des Landes und werden als Pachtflächen von Landwirten wie Karsten Reinstorf und Hans-Günther Kubelke bewirtschaftet. Als Betriebsgemeinschaft betreiben die Radegaster dort Ökolandbau, haben bisher für die landeseigene genau wie für die übrige Betriebsfläche Ökoförderung erhalten. Auch der Vertragsnaturschutz wurde auf allen Flächen gleich vergütet. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Das zumindest hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen den Landwirten aus Radegast mitgeteilt.

Auslöser der Änderung: Der Landesrechnungshof (LRH) hatte die Förderpraxis auf landeseigenen Flächen kürzlich kritisiert und den „Vorrang des Pachterlasses“ angemahnt. „Danach soll vorrangig ein Pachterlass ausgesprochen werden, bevor eine Zuwendung aus den Agrarumweltmaßnahmen erfolgt“, erklärt der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Klaus Jongebloed. Soll heißen: Reinstorf und Kubelke bekommen zwar keine Ökoförderung mehr, müssen auf den Landesflächen aber weniger Pacht bezahlen. Das hört sich nach einer fairen Lösung an. Doch Reinstorf ist überzeugt: „Der Pachtnachlass wird die gestrichene Ökoförderung auf keinen Fall ausgleichen.“

Hinzu kommt: Ein Großteil der Umwelt- und Ökoauflagen, die bisher freiwillig und an die Förderung geknüpft waren, sollen als Auflage im Pachtvertrag künftig verpflichtend werden. „Das heißt, wir müssen dieselben Leistungen erbringen wie vorher, bekommen aber keinen finanziellen Ausgleich mehr dafür“, sagt Reinstorf. Ein weiterer Haken: Stehen die Auflagen erst einmal im Pachtvertrag, ist eine Förderung ohnehin ausgeschlossen. Den Grund nennt Stefan Kleuker von der Landwirtschaftskammer: „Gefördert werden können nur freiwillige Leistungen, und keine Maßnahmen, die ein Landwirt ohnehin erfüllen muss.“

Das gleiche Schicksal wie Reinstorf droht auch Stefan Erb, der mit seiner Schäferei ebenfalls den Großteil seiner Betriebsfläche im Deichvorland vom Land gepachtet hat. „Die Förderstelle der Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat mir den Vertragsnaturschutz für die Flächen bereits gekündigt“, sagt er. Eine Maßnahme, die eigentlich noch vier Jahre gelaufen wäre. Wie er die finanziellen Einbußen ausgleichen will, weiß Erb so wenig wie sein Kollege Reinstorf. Fest steht allerdings für beide: Damit wird das Wirtschaften im Deichvorland noch unattraktiver als es ohnehin schon ist.

Viele Landwirte haben in den vergangenen Jahren ihre Flächen an der Elbe aufgegeben. Zu groß der Bewirtschaftungsaufwand, zu groß das Risiko der Dioxinbelastung. Bauern wie Reinstorf und Kubelke haben sich mit den Überschwemmungen und ihren Folgen arrangiert, halten sich streng an die Bewirtschaftungsempfehlungen der Landwirtschaftskammer und gewährleisten mit der Bewirtschaftung des Deichvorlandes auch ein Stück Hochwasserschutz. „Wir haben einen Weg gefunden, mit den vielen Einschränkungen im Deichvorland umzugehen“, sagt Reinstorf. „Doch zu dem Konzept gehörte auch die Förderung.“

Dass nun ausgerechnet die rot-grüne Landesregierung ihm das Wirtschaften erschwert, die Ökolandbau und naturnahe Landwirtschaft fördern wollte, will Reinstorf nicht in den Kopf. „Denn um den Ausfall auf dem einen Teil der Flächen auszugleichen, werden wir wohl andere intensiver bewirschaften müssen“, sagt er. „Damit erreicht der Minister doch genau das Gegenteil dessen, was er eigentlich will.“ Im Ministerium indes will man das Ganze noch einmal genau prüfen „bestrebt im Rahmen der Vorgaben des Landesrechnungshofes eine für die betroffenen Betriebe möglichst positive Lösung zu erreichen“, sagt Sprecherin Natascha Manski.