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Das Archivfoto vom Februar dieses Jahres zeigt einen Elbebiber im Schlossgraben des Bleckeder Biosphaeriums. Die Biologin Antje Weber hat die Entwicklung der Population untersucht, ihre Ergebnisse bei der Tagung Natur und Kultur vorgestellt. Foto: A/mathias schneider
Das Archivfoto vom Februar dieses Jahres zeigt einen Elbebiber im Schlossgraben des Bleckeder Biosphaeriums. Die Biologin Antje Weber hat die Entwicklung der Population untersucht, ihre Ergebnisse bei der Tagung Natur und Kultur vorgestellt. Foto: A/mathias schneider

Die Rückkehr des Elbebibers

cw Bleckede. Dem Biber geht es den Umständen entsprechend gut. Das ist das Resümee, das die Biologin Antje Weber bei der Jahrestagung „Natur und Kultur“ am Sonnabend, 8. November, im Biosphaerium Bleckede aus ihrer Forschung entlang der Elbe zog. Gut, weil Habitat und Tieranzahl zufriedenstellend sind, nicht ganz so gut, weil das sensible Tier sehr schnell mit Rückzug reagiert, wenn es gestört wird. Und Rückzug bedeutet weniger Fortpflanzung. Konfliktpotenzial sieht Weber vor allem im Bereich Freizeit­aktivitäten und Hochwasserschutz.

Obwohl sich auch bei der zehnten Auflage der Jahrestagung des Biosphärenreservates fast alles um Umwelt- und Naturschutzfragen drehte, ging es bei fast jedem der sieben Vorträge auch um das Dauer-Thema Hochwasserschutz. „Wir bemühen uns um Lösungen, aber Irgendjemandem tut das immer weh“, sagte der Leiter des Biosphärenreservates, Professor Dr. Johannes Prüter. Mit der aktuellen Regelung, dass bei Rückschnitten in sensiblen Bereichen Ausgleich angepflanzt werden muss, kann Prüter leben. Wie der Leiter der Abteilung Naturschutz, Wasserwirtschaft und Bodenschutz des Umweltministeriums, Kay Nitsche, erklärte, werde diese Regelung auch 2015 fortgeführt.

Für Prüter ist die Tagung eine gute Gelegenheit, Forscher und Praktiker an einen Tisch zu bringen und Erfahrungen auszutauschen. Neben dem Hochwasserschutz ging es unter anderem auch um die Partnerinitiativen in deutschen Nationalparks und Biosphärenreservaten, um die frühgeschichtliche Besiedelung des Jeetzelufers, um die Lebensraumfunktion der Buhnen entlang der Elbe und natürlich um den Biber. „Das war schon sehr spannend, da habe ich auch noch mal viel dazu gelernt“, sagte Andrea Schmidt vom Biosphaerium, als sie Referentin Antje Weber einen Blick in die Biberburg versprach.

Der Biber an der Elbe ist ein ganz besonderer, denn er lebt nur entlang des großen Flusses. Deshalb heißt er sogar Elbebiber. 1920 gab es gerade noch 300 Tiere, 2011 wurden bereits wieder 5400 gezählt. Allerdings betonte Antje Weber, dass die Zahlen kaum vergleichbar seien, denn bislang habe man immer die Burgen gezählt und daraus die theoretisch vorhandenen Tiere errechnet. „Es gibt aber auch Reviere, die mehr als eine Burg umfassen“, erklärte Weber. Und solche, in denen nur noch ein Männchen lebt, so genannte verwaiste Reviere, in denen keine Nachkommen mehr zu erwarten sind, die aber dennoch mit Klauen und Zähnen verteidigt werden.

Weber hat erstmals die Reviere zwischen Geesthacht und Neetze erfasst. Insgesamt fand sie 81 Reviere, davon 58 im Biosphärenreservat. 33 davon hat sie mit ihrem Team überwacht. Obwohl 85 Prozent der Reviere besetzt sind, pflanzen sich die Biber nur in 17 fort.

Dazu kommt eine hohe Sterblichkeitsrate, teils durch Infektionskrankheiten und Revierkämpfe, teils aber auch durch Straßen- und Wasserverkehr. „Meist erreicht nur ein Nachkomme überhaupt die Geschlechtsreife“, sagt Fachfrau Weber. Eine Bestandsexplosion sei daher kaum zu erwarten. Auch habe das Extremhochwasser der Elbe im vergangenen Jahr viele Tiere getötet oder vertrieben. Trotzdem sieht die Biologin gute Chancen für den Elbebiber, wenn er den Schutzstandard behält.