Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Über die Auszeichnung freuten sich die Schüler Maya, Jannis und Marvin (vorne, v.l.) ebenso wie Andrea Grube, Katharina Parbs und Schulleiter Rolf Parlow (hinten, v.l.). Foto: t&w
Über die Auszeichnung freuten sich die Schüler Maya, Jannis und Marvin (vorne, v.l.) ebenso wie Andrea Grube, Katharina Parbs und Schulleiter Rolf Parlow (hinten, v.l.). Foto: t&w

Ein Löwe für die Realschule Bleckede

sel Bleckede. Die Billigjeans vom Discounter ist voll peinlich kein Wunder, dass alle darüber lästern. Auf der WhatsApp-Klassenseite zerreißen sich die Mitschüler das Maul über den Typen, der „sich die Klamotten aus dem Müll holt“. Vielleicht kann die Klassenlehrerin helfen? Die reagiert betroffen, sagt: „Darüber müssen wir reden.“

Andrea Grube und Katharina Parbs, Lehrerinnen an der Realschule Bleckede, stellten diese und andere Situationen vor, mit denen sich Lehrkräfte regelmäßig auseinandersetzen müssen. „Dank Lions Quest können wir diese Probleme systematisch angehen, wir arbeiten seitdem prozessorientiert und vor allem präventiv“, schilderten sie jetzt bei der Auszeichnung mit dem „Lions Quest“-Qualitätssiegel.

Die Realschule Bleckede ist die erste Schule im Kreis Lüneburg, die zertifiziert wurde. Deutschlandweit sind es bislang 80 Schulen, wie Rolf Matthiesen, Vorsitzender der „Lions Quest“-Jury, betonte. Als er die Idee des Programms „Lions Quest Erwachsen werden“ 2008 der Realschule vorstellte, war die Skepsis groß. Denn die dreitägige Fortbildung erfolgt außerhalb des Unterrichts natürlich mit dem Ziel, das Programm fest im Stundenplan der Klassen fünf bis sieben zu verankern. „Wann sollen wir das noch leisten“, lautete die Kritik.

Inzwischen haben fast alle Bleckeder Lehrer die Fortbildung absolviert, einen dicken Ordner mit Unterrichtseinheiten erhalten, die so genannte „social skills“ vermitteln und stärken sollen. Rücksichtnahme und Toleranz gehören ebenso dazu wie Verantwortungs- und Selbstbewusstsein und eine kritische Denke. „Was früher in den Familien vermittelt wurde, wird heute vielfach von Lehrern geleistet“, ergänzte Bleckedes Bürgermeister Jens Böther, einer der zahlreichen Gäste bei der Feierstunde. Erwachsen zu sein, führte Regierungsschuldirektorin Sabine Bleich aus, bedeute eben nicht nur, „endlich 18 zu sein“. Sondern auch, einen eigenen Weg einzuschlagen, auch mal „Nein“ zu sagen.

Finanziert wird die Fortbildung vom Lions Club Lüneburg für 25 bis 30 Lehrkräfte im Jahr, denen die Stadt Bleckede dafür ihr Schloss zur Verfügung stellt. „Lions Quest ist ein sehr gutes Präventionsprogramm, das aber nicht alle Prob­leme löst“, fasste Realschulleiter Rolf Parlow zusammen. Am ersten Kursus 2008 nahm auch „Löwe“ Dr. Ulrich Fiechtner teil, und zwar „zunächst recht skeptisch“, wie er einräumte. Aber nach den drei Tagen war er „begeistert“ und ist sich sicher: Heute würde er sich nicht mehr von seinen Freunden dazu überreden lassen, eine Apfelsine beim örtlichen Tante-Emma-Laden zu klauen. 1954 hatte er als Schuljunge diese innere Stärke noch nicht, „bis heute schäme ich mich dafür“.

 

Hintergrund
Anfang der 1990er-Jahre wurde das Programm „Lions Quest Erwachsen werden“ in den USA entwickelt. Es setzt darauf, bei zehn- bis zwölfjährigen Kindern die sozialen Kompetenzen zu stärken und sie so auf die Herausforderungen des Erwachsenenlebens vorzubereiten. Rund 14 Millionen Euro haben die „Löwen“ bislang in die Fortbildungskurse für Lehrkräfte und Sozialarbeiter investiert. An den 2500 deutschen Schulen durchliefen 70000 Pädagogen das Programm.
Im Landkreis Lüneburg sind bis heute 242 Lehrkräfte ausgebildet worden; den Anfang machten 2005 Lehrkräfte der Hauptschule Stadtmitte. Um mit dem Qualitätssiegel zertifiziert zu werden, prüft eine fünfköpfige Jury, wie das Lions Quest-Programm an den Schulen umgesetzt wird. 120 von maximal 200 Punkten müssen erreicht werden, um sich mit dem Siegel schmücken zu dürfen. Die Realschule Bleckede erreichte gute 165 Punkte und ist die erste Schule im Landkreis Lüneburg, die diese Auszeichnung bekommen hat. sel