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Stephan Scheer (l.) als Investor und Oliver Barda als Betreiber der Wohnküche hauchen dem Ammenhaus neues Leben ein. Lange Zeit stand das denkmalgeschützte Fachwerkhaus an der Breiten Straße in Bleckede leer, drohte zu verfallen. Foto: t&w
Stephan Scheer (l.) als Investor und Oliver Barda als Betreiber der Wohnküche hauchen dem Ammenhaus neues Leben ein. Lange Zeit stand das denkmalgeschützte Fachwerkhaus an der Breiten Straße in Bleckede leer, drohte zu verfallen. Foto: t&w

Wohnküche eines Spitzenkochs

off Bleckede. Mit Spannung haben es die Bleckeder erwartet, heute, Sonnabend, ist es so weit: Im alten Ammenhaus im Herzen der Stadt eröffnet Gourmetkoch Oliver Barda seine „Wohnküche“. Fast vier Monate liefen die Bauarbeiten auf Hochtouren, „ein ordentliches Sümmchen“ investierte der Bleckeder Stephan Scheer in die Sanierung des denkmalgeschützten Fachwerkhauses. „Dabei haben wir eng mit dem Denkmalschutz des Landkreises und den Nachbarn zusammengearbeitet“, sagt Scheer. Das hat die Arbeiten verzögert, mit dem Ergebnis sind Investor und Koch dafür umso glücklicher. „Es ist ein echtes Schmuckstück geworden“, sagt Scheer. Und ein weiteres Stück Bauhistorie, das er in Bleckede vor dem Verfall retten konnte.

Stephan Scheer hat ein Händchen für alte Häuser, das hat der Inhaber einer Sanitärfirma unter anderem bei der Sanierung des Bleckeder Brauhauses und des Cafés Zeittraum bewiesen. Auch das Ammenhaus stand jahrelang leer, drohte langsam zu verfallen. Doch in Scheer und Barda fanden sich zwei, die eine Zukunft für das kleine Eckhaus sahen. Der eine als Bauherr und Investor. Der andere als Gourmetkoch, der nach 25 Jahren Arbeit in der Top-Hotellerie und -Gastronomie in seiner Heimatstadt Bleckede den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollte. „Für mich geht mit diesem Projekt ein Traum in Erfüllung“, sagt Oliver Barda.

Bevor der 42-Jährige mit seiner Frau vor anderthalb Jahren zurück nach Bleckede gezogen ist, hat er als Küchendirektor unter anderem im Adlon Kempinski Berlin, im Carlton Hotel St. Moritz und zuletzt im größten Designhotel andels in Berlin gearbeitet. In der neuen Bleckeder „Wohnküche by Oliver Barda“ werden ihm die Gäste künftig beim Kochen zusehen können so wie in Wohnküchen üblich. Gleichzeitig werden zahlreiche Stücke im neuen Ammenhaus an die Geschichte des kleinen Fachwerkhauses erinnern, in dem vor mehr als 150 Jahren Carl Gotthilf Ammen eine Cigarrenfabrik gründete.

Von der alten Bausubstanz des Ammenhauses hat Stephan Scheer bei der Sanierung so viel wie möglich erhalten, die alte Treppe instandgesetzt, die Fliesen aufgearbeitet, den Lehmputz hervorgeholt, die alten Eichendielen und Fenster erhalten. „Wir hatten alte Bauzeichnungen und haben das Haus so gut wie möglich in den Urzustand versetzt“, sagt Scheer. Zusätzlich hat er Hinterlassenschaften des alten Ammen zusammengekauft, darunter eine alte Maschine zur Zigarrenherstellung, eine uralte Kasse und alte Familienfotos. Erinnerungsstücke, die in Oliver Bardas Wohnküche einen festen Platz gefunden haben.

Und welche Immobilie rettet Stephan Scheer als nächstes vor dem Verfall? Wer weiß. „Ich bin erstmal froh, dass wir das Projekt Ammenhaus so schön zu Ende gebracht haben“, sagt er. In Lüneburg arbeitet er zudem seit Monaten am Umbau des ehemaligen Schulamtes zur Whiskeybrennerei mit kleinem Hotel. Und ansonsten hat Stephan Scheer nicht nur ein Händchen für alte Häuser sondern auch für die ein oder andere Überraschung.