Mittwoch , 28. September 2016
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Ein guter Zug für Bleckede

ca Lüneburg. Die Strecke war marode, die Aufsichtsbehörde legte sie still, es sah nicht so aus, als ob die Bahnlinie nach Bleckede eine Zukunft haben könnte. Doch zwei Jahre später ist der Schienenstrang wieder befahrbar. Möglich gemacht hat dies ein gemeinsames Projekt der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL) und des Sozialträgers Job.sozial. Menschen, die lange arbeitslos sind oder mit Schwierigkeiten kämpfen, haben die 24 Kilometer lange Verbindung an die Elbe wieder auf Vordermann gebracht. Daraus hat nicht nur die AVL mit ihrer Museumsbahn einen Vorteil gezogen, sondern auch viele der Teilnehmer haben durch das Projekt wieder Arbeit in regulären Firmen gefunden. Jetzt feierten Anleiter und Teilnehmer den Abschluss mit einem leckeren Spanferkel-Essen, das die AVL als Anerkennung spendiert hatte.

Während Arbeitslose bei vielen Angeboten von einer sogenannten Maßnahme zur nächsten wandern, hatten Projektleiter Michael Raykowski und seine Kollegen hier mehr Erfolg. Schon aus dem ersten Durchgang konnten sie viele ihrer Schützlinge in klassische Arbeitsverhältnisse vermitteln. Am zweiten Durchgang nahmen 36 Männer teil, 14 mussten den Job vorzeitig abbrechen, vor allem aus gesundheitlichen Gründen schafften sie die schwere körperliche Arbeit nicht. Doch 15 der Gleisarbeiter haben Arbeitsstellen gefunden. Raykowski ist stolz: „Unternehmen haben angerufen und gefragt, ob wir ihnen Teilnehmer schicken können.“ Durch Praktika in den Betrieben und von der Arbeitsagentur mitfinanzierte Zusatzqualifikationen kam am Ende oftmals ein Arbeitsvertrag zustande.

Das lag auch an Walter Müller. Der pensionierte Gleisbaumeister, der die Arbeiten fachlich begleitete, war begeistert von der Motivation vieler Teilnehmer. Er warb in Firmen für die Crew. Nachdem sich mancher bei einem Praktikum als zuverlässig und fleißig gezeigt hatte, wirkte das wie ein Türöffner. So kann es sein, dass von den sieben noch nicht vermittelten Kräften der ein oder andere doch noch eine Chance bekommt.

AVL-Chef Hans Dierken ist sich sicher, dass auch die Region von dem von Arbeitsagentur und Europäischem Sozialfonds finanzierten Vorhaben profitiert. So sei das Ausbesserungswerk der OHE in Bleckede wieder über die Schiene zu erreichen, schwere Loks müssen nicht, wie in der Vergangenheit geschehen, mit Tiefladern zur Reparatur an die Elbe gefahren werden, sondern können selbst dorthin steuern. Zudem haben vergangenes Jahr rund 3000 Gäste einen Ausflug mit der Museumsbahn an die Elbe unternommen, davon habe Bleckede seinen Nutzen gehabt.

Job.sozial hat bereits beim Bau von Ilmenau-Ewer und Prahm als Partner mitgemacht und nun sein Know-how beim Gleisbau erweitert. Bei so einer Erfolgsgeschichte stellt sich die Frage: Gibt es ein Anschlussprojekt? Eine recht konkrete Idee haben Dierken und Raykowski bereits, aber darüber wollen sie zunächst mit den Kostenträgern sprechen.