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Paddeln aus Protest

emi Alt Garge. Heiner Neu aus Leipzig hat noch ein klein wenig Sonnencreme am linken Ohr. Der gebräunte 50-Jährige sitzt im Bootshaus des Segelsportvereins Alt Garge, vor sich auf dem Tisch eine Flasche kühles Bier, und erzählt von seiner Reise. Seit Tagen ist Neu in seinem Kanu auf Kanälen unterwegs, paddelte auf der Saale und der Elbe – zusammen mit rund 40 weiteren Wasserliebhabern im Alter von acht bis 74 Jahren. Am 15. Juli ist die Gruppe in Leipzig aufgebrochen, heute, am Sonnabend, endet ihre Reise nach exakt 471,02 Kilometern in Hamburg.

Hintergrund der Fahrt ist der Wunsch nach einer wassertouristischen Verbindung der Städte Leipzig und Hamburg. Mit ihrer Kanutour wollen die 40 Männer, Frauen und Kinder auf ihren lang gehegten Traum aufmerksam machen: Irgendwann den Kanaldurchstich vom Lindenauer Hafen in Leipzig bis zur Saale hinzukriegen. „Es fehlt unter anderem noch ein 7,5 Kilometer langes Teilstück des Elster-Saale-Kanals“, sagt Heiner Neu, Mitorganisator des Projekts. „Im Moment hört der einfach mittendrin auf.“

Zu Beginn der Reise mussten die Teilnehmer – erfahrene Kanuten ebenso wie Anfänger – ihre Boote deshalb mehrmals umtragen, also aus dem Wasser nehmen und an anderer Stelle wieder hineinsetzen. Endlich auf der Saale, ging es über die Stationen Kloschwitz und Bernburg bis nach Barby an der Elbe und von dort aus, mit vier weiteren Zwischenstopps, nach Alt Garge. „Pro Etappe 40 bis 70 Kilometer, da sind wir abends ganz schön platt“, berichtet Neu und genehmigt sich einen Schluck aus der Bierflasche, bei der stickigen Hitze im Bootshaus eine willkommene Erfrischung.

Neben Heiner Neu haben Christina Weiß und Thorsten Mehnert die Aktion organisiert. „Im Jahr 2009 sind Einzelne die Strecke schon einmal gepaddelt“, erzählt Neu. „Da haben wir uns gedacht: Diesmal machen wir das in einer größeren Gruppe.“ Zuerst habe er Bedenken gehabt, dass während der Fahrt etwas passieren könnte, aber die Sorgen waren unnötig. Stattdessen überwogen die schönen Erlebnisse.

„Auf der Elbe ist es unheimlich ruhig. Man sieht viel Natur, hin und wieder kann man Seeadler beobachten und einmal ist ein Biber neben dem Boot aufgetaucht“, schildert Neu. Auch an den Zwischenstationen entlang der Strecke lassen es sich die Kanuten gut gehen, abends gibt es geräucherten Fisch oder gegrilltes Fleisch, übernachtet wird in Zelten.

Auch im idyllischen Sportboothafen von Alt Garge hat es den Gästen gefallen. Ob sie wohl einmal wieder vorbeischauen? Zumindest im Rahmen einer groß angelegten Werbeaktion nicht so schnell: „Die kann man nicht jedes Jahr wiederholen“, sagt Heiner Neu. „So etwas verbraucht sich. Das machen wir vielleicht in fünf Jahren wieder.“ Möglicherweise sind die Kanuten bis dahin ihrem Traum aber auch schon ein Stück näher gekommen: einer wassertouristischen Verbindung zwischen Leipzig und Hamburg.