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Dr. med Helmut Scharze ist als Notarzt im Lüneburger Ostkreis unterwegs und Vorsitzender des Vereins Search and Rescue Marienau. Die Fahrzeuge des Vereins will er auch weiterhin zum Katastrophenschutz einsetzen, doch der Landkreis macht Probleme. Foto: kre
Dr. med Helmut Scharze ist als Notarzt im Lüneburger Ostkreis unterwegs und Vorsitzender des Vereins Search and Rescue Marienau. Die Fahrzeuge des Vereins will er auch weiterhin zum Katastrophenschutz einsetzen, doch der Landkreis macht Probleme. Foto: kre

Helfer brauchen jetzt selbst Hilfe

kre Dahlem. Menschen in Not zu helfen, ist ehrenhaft zuweilen aber nicht so einfach: Jedenfalls nicht für Dr. med. Helmut Schwarze und seine Mitstreiter vom Verein ,,Search and Rescue Marienau e.V.“ Zwar waren die Helfer des Vereins bei den jüngsten Elbe-Hochwasserereignissen 2011 und 2013 ehrenamtlich und freiwillig mit ihrem Equipment im Einsatz. Doch mit diesem Engagement könnte bald Schluss sein: Der Landkreis Lüneburg erwägt nämlich, ,,die Anerkennung der Eignung für die Mitwirkung im Katastrophenschutz für den Verein Search and Rescue Marienau e.V. zu widerrufen“. Ein entsprechendes Schreiben hat Dr. Schwarze jetzt erhalten. Bis Dienstag nächster Woche hat Schwarze Gelegenheit, sich zu äußern.

Der Dahlemer allerdings sieht in der Ankündigung vor allem einen weiteren Versuch, ihm vorsichtig ausgedrückt weitere Steine in den Weg zu legen. Schließlich hatte der Notarzt vor mehreren Jahren das Notarzt- und Rettungsdienst-System im Landkreis Lüneburg als unzureichend kritisiert (LZ berichtete). Auch jetzt will der Anästhesist die Androhung des Kreises nicht so ohne weiteres hinnehmen. Dr. Schwarze hat einen Anwalt eingeschaltet.

,,Aufmerksam“ wurde der Kreis nach eigenen Angaben als Aufsichtsbehörde auf den Verein ,,Search and Rescue“, weil der aus dem ,,Bundesverband Rettungshunde e.V“ ausgetreten ist ,,und damit auch nicht mehr nach den gültigen Bestimmungen des Bundesverbandes die Hundesführer und die Rettungshunde ausbildet“, bemängelt Kreisrätin Monika Scherf. ,,Wenn ich aber eine Rettungshundestaffel in den Einsatz schicke, dann muss ich wissen, über welche Qualifikationen die Staffel verfügt.“

Dr. Schwarze wurde deshalb in dem Schreiben vom Landkreis unter anderem aufgefordert, ,,die Anzahl der Tiere mitzuteilen, die vollständig ausgebildet und abschließend geprüft wurden und für den sofortigen Einsatz zur Verfügung stehen würden“. Anderenfalls drohe der Ausschluss aus dem Katastrophenschutz.

Nicht nur für Dr. Helmut Schwarze ist diese Ankündigung ein herber Schlag ins Kontor auch für andere Mitglieder des Vereins, die nach Schwarzes Worten unter anderem über Kenntnisse als Sanitäter, Rettungssanitäter oder Krankenschwester verfügen.

Was den Vorsitzenden des Search and Rescue-Vereins vor allem aber irritiert, ist die Androhung, den Verein komplett aus dem Katastrophenschutz zu nehmen, falls die Antwort für den Kreis unbefriedigend ausfallen sollte. Offensichtlich gibt es nämlich unterschiedliche Interpretationen darüber, mit welcher Prämisse der Verein bislang im Katastrophenschutz des Landkreises Lüneburg gelistet ist: ,,Als Rettungshundestaffel“, sagt Kreisrätin Monika Scherf. ,,Als Sanitätsstaffel“, erwidert Dr. Helmut Schwarze.

Der Unterschied ist aus Sicht des Anästhesisten aus Dahlem bedeutsam. Denn neben der Rettungshundestaffel haben sich die freiwilligen Helfer des Vereins über Spenden auch einen beachtlichen Fahrzeugpark aufgebaut angefangen vom Allrad-Transportfahrzeug mit Winde, Kran und Rüstsatz bis hin zu diversen Mannschafts- und Einsatzleitfahrzeugen.

Außerdem besitzt der Verein einen Küchen-Anhänger, ein Boot mit 25-PS-Außenborder für ,,Ortungs- und Suchfahrten“ und seit Neuestem auch einen Porsche Cayenne Geländewagen mit NEF-Ausstattung. ,,Wir verstehen uns als schnelle Einsatzgruppe, die im Ernstfall schnell, punktuell und vor allem unkompliziert unterstützen kann“, sagt Dr. Schwarze. ,,Als Sanitäter, als Betreuungs- und Küchengruppe, mit Technik oder eben auch als Notarzt…“

Beim Elbehochwasser habe das auch prima geklappt: ,,In Alt Garge haben wir die Feuerwehr mit Essen versorgt“, sagt Dr. Schwarze. Doch das beeindruckt Monika Scherf wenig: ,,Der Verein war da freiwillig hingefahren, notwendig war der Einsatz nicht.“ Auch für die Zukunft sieht die Kreisrätin für diesen Bereich des Vereins keinen Bedarf: ,,Wenn überhaupt, ist für uns die Rettungshundestaffel von Interesse.“ Doch die steht in der Diskussion.

4 Kommentare

  1. Sollten da vielleicht persönliche Animositäten oder andere Gründe hinter der Aggressivität des Kreises stehen? Warum wird der Bedarf einer Hundestaffel vorgeschoben, wenn ausgebildete Sanitäter, Rettungssanitäter, Krankenschwestern und ein Notarzt freiwillig ihre Hilfe anbieten. Wo ist das Problem? Die Hunde können es eigentlich nicht sein. Da schwingt etwas anderes im Raum. Das ist eindeutig zu spüren.

  2. Welch einen Reiz doch Blaulicht auf manche Leute ausübt. Da gründet man irgendeinen Verein, der komplett am Bedarf vorbei geht und wundert sich noch, wenn die Ordnungsbehörde ihrer Aufgabe nachkommt und diesem Quatsch Einhalt gebietet. Bitte schützt uns vor diesen Blaulicht-Rambos

  3. Ich muss gestehen, dass mir das Anliegen des Vereins auch nicht ganz klar ist. Natürlich darf man bestehende Strukturen kritisieren. Aber wie sollen den „Hobby-Helfer“ in eine öffentliche Rettungskette eingebunden werden? Wenn man sich die HP ansieht, scheint die Vereinsarbeit neben der Essenslieferung für die Feuerwehr vor allem aus der „Bereitschaft bei Notfällen“ zu bestehen. So nach dem Motto: „Wir standen mit unseren Autos in der Nähe und waren wichtig.“ Vielleicht täuscht dieser Eindruck auch – aber vermutlich kann nicht einfach jeder nach persönlicher Laune sagen: „Ich fahre jetzt Notarzt-Einsätze“ …?!

  4. Merkwürdiger Verein, habe ich noch nie gehört. Sogar einen Porsche haben sie. Sieht nach einem fanatischen Hobbyisten aus, der sonst den Bezugzur Gesellschaft verloren hat. Grundsätzlich ist so etwas ja zu unterstützen, aber seltsam ist der Doktor schon…