Dienstag , 27. September 2016
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Gemeindedirektor Christoph Maltzan lässt (2.v.l.) sich den Streckenverlauf einer möglichen Anbindung zeigen, wie ihn sich Elke Schenzel (r.) und Uta Kraake vorstellen, um die Lkw vom Kronshof 
fernzuhalten.
Gemeindedirektor Christoph Maltzan lässt (2.v.l.) sich den Streckenverlauf einer möglichen Anbindung zeigen, wie ihn sich Elke Schenzel (r.) und Uta Kraake vorstellen, um die Lkw vom Kronshof fernzuhalten.

Suche nach dem rechten Weg

kre Ellringen. Christoph Maltzan steht auf der grünen Wiese. Die Akten fest unter den Arm geklemmt, blickt der Gemeindedirektor des Fleckens Dahlenburg über die Neetze hinweg Richtung Ellringen. In die untergehende Sonne. Maltzan denkt nach. Darüber, wie die Verwaltung eine Straßenvariante in die Diskussion bringen kann, die alle Beteiligten zufrieden stellt: Die BHZP-Züchtungzentrale (die Abkürzung steht für Bundes Hybrid Zucht Programm), Familie Schenzel vom Kronshof und die Ellringer Bürger. Eine Straße, die bezahlbar ist, und vor allem die auch die Untere Naturschutzbehörde für genehmigungsfähig hält. Denn das dürfte wohl das größte Problem werden.

Die Variante, die die Kronshof-Besitzer Elke und Lothar Schenzel dem Dahlenburger Rathauschef schmackhaft zu machen versuchen, zweigt nämlich von der Straße ,,An der Wassermühle“ ab und würde über die Neetze hinweg zur Kreisstraße 35 führen. Baulich sicherlich machbar, für viele Ellringer wohl auch die beste Lösung.

Trotzdem: ,,Die Probleme sind naturschutzrechtlicher Art“, schwant es Maltzan schon beim Ortstermin. Eine Einschätzung, die der Landkreis gestern auf LZ-Anfrage bestätigte. Die Behörden werden sich mit dieser Variante jetzt aber trotzdem beschäftigen müssen: ,,Wir werden unsere Anregungen und Bedenken bei der Auslegung des Bebauungsplan-Vorentwurfes zu Papier bringen“, kündigte auch Uta Kraake von der örtlichen Bürgerinitative an. Diese Variante einfach vom Tisch wischen, geht also nicht das bestätigt auch der Dahlenburger Bauamtsleiter Michael Glüh: „Wenn die Anregungen und Einwände kommen, werden wir das sauber prüfen“.

Dass es in dem beschaulichen, knapp 200 Einwohner zählenden Ort überhaupt zum Streit um die richtige Straßenführung gekommen ist, liegt in den Plänen der BHZP begründet. Die BHZP will ihre Marktposition weiter ausbauen, die in die Jahre gekommenen Ställe durch moderne ersetzen und gleichzeitig die Kapazitäten am Standort Ellringen nahezu vervierfachen. Dazu muss der Flecken Dahlenburg jetzt einen Bebauungsplan aufstellen.

Das Problem: Tier- und Futtertransporte, vor allem aber auch die Tankwagen, die die Gülle abholen, rollen alle am Kronshof vorbei. ,,Wir haben auf unserem Island-Pferdehof jährlich mehr als 5000 Übernachtungen“, sagt Elke Schenzel. Sie fürchtet, dass die Gäste wegbleiben werden, wenn die BHZP ihre Ausbaupläne in die Tat umsetzt, die Verkehrsführung aber nicht grundlegend geändert und weiter an ihrem Hof vorbei geführt wird. ,,Wer zu uns kommt, der will doch nicht ständig die Lkw vor der Haustüre fahren sehen“, nennt die Hofbesitzerin ihre Sorgen.

Dass die BHZP angeboten hat, auf eigene Kosten eine Gülledruckleitung von den Ställen bis zur Kreisstraße 26 zu bauen, damit wenigstens die Gülletransporter künftig dann nicht mehr an ihrem Hof vorbeifahren müssen, ist für die Schenzels, aber auch für Uta Kraake und andere Kritiker dieses Projektes, alles andere als eine akzeptable Lösung: ,,An einer Ortseinfahrt steht die Biogas-Anlage, an der anderen entsteht die Holzhackschnitzel-Trocknung und mit der Gülle-Station wäre auch die letzte noch freie Ortseinfahrt verschandelt“, findet Kraake und fügt hinzu: ,,Von dieser Lösung würden auch die Ellringer kaum profitieren, weil die Gülle-Lkw dann trotzdem durch den Ort rollen müssten.“

Anders bei der von Elke und Lothar Schenzel propagierten Lösung: Die von ihnen favorisierte Variante über die Neetze würde nämlich schon vor dem Ortseingang Ellringen an die Kreisstraße 35 münden. Lkw von und zur BHZP aus Richtung Dahlenburg müssten dann nicht mehr den Umweg durch den Ort nehmen, sondern könnten direkt abbiegen.

So weit die Theorie. Das Prob-lem: Die Neetze-Niederung ist Landschaftschutzgebiet und FFH-Lebensraum, also wertvoller Lebensraum für Fauna und Flora. Dieses Gebiet für eine Straße zu durchschneiden, zudem noch eine Brücke über die Neetze zu bauen, geht aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde überhaupt nicht. Zumal es aus Sicht der Landschaftsschützer bereits eine andere Lösung gibt nämlich die vorbei am Kronshof. Die stößt aber bei den Pferdehofbesitzern auf Widerstand. Weitere Auseinandersetzungen sind also absehbar.

Vielleicht sind auch das die Gedanken, die Christoph Maltzan durch den Kopf gehen, als er den Blick über die Neetze schweifen lässt, das Schauspiel der untergehenden Sonne betrachtet…