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Zu sehen bekommen die Besucher des Oldtimertreffens in Ellringen am kommenden Sonntag edles Chrom wie bei diesen Modellen vom Typ Opel Olympia aus den 1950er-Jahren.
Zu sehen bekommen die Besucher des Oldtimertreffens in Ellringen am kommenden Sonntag edles Chrom wie bei diesen Modellen vom Typ Opel Olympia aus den 1950er-Jahren.

Ausnahmezustand in Ellringen

kre Ellringen. Der Countdown läuft: Vier Tage noch und das sonst so beschauliche Ellringen verwandelt sich wieder in einen Besuchermagneten für Freunde alten Blechs. Denn am Sonntag, 27. April, findet in dem Dahlenburger Ortsteil das alljährliche Oldtimertreffen statt. Eine Großveranstaltung, die alleine im vergangenen Jahr mehr als 12000 Besucher lockte. Trotzdem strahlt Henning Schulz wenige Tage vor dem Großereignis eine geradezu bewundernswerte Ruhe aus: Der 47-jährige Ellringer ist der Platzwart, zuständig für die Diensteinteilung der mittlerweile mehr als 120 ehrenamtlichen Hilfskräfte. Wer weist die Aussteller und Besucher ein? Wer steht wann an der Kasse? Wer ist für den Aufbau und das Absperren der Parkflächen verantwortlich? Fragen über Fragen. Doch einer weiß immer die Antwort: Henning Schulz. Wenn der 47-Jährige zu Hause an dem Dienstplan tüftelt und dabei aus dem Fenster schaut, kann er einem Feldherren gleich fast das gesamte Ausstellungsgelände überblicken. Noch sind es nur grüne Wiesen, auf die sich einige Vögel verirrt haben. In vier Tagen aber werden Tausende Besucher mehr als 800 Old- und Youngtimer, alte Traktoren, Motorräder und Feuerwehrfahrzeuge bestaunen. Steigt da nicht langsam auch bei Henning Schulz der Adrenalinspiegel? ,,Nö!“, sagt der 47-Jährige, „je näher die Veranstaltung rückt, desto ruhiger werde ich.“

Und dafür gibt es aus seiner Sicht auch einen einfachen Grund: „Wenn am Sonnabend die ersten Aussteller und am Sonntag die Besucher kommen, bin ich mit meiner Arbeit längst fertig. Dann weiß jeder, was er wann und wo zu tun hat.“

Schulz ist stolz auf seine Helfer: Ob Jugendliche oder Senioren für die meisten im Dorf ist es Ehrensache, mit anzupacken. “ Das ist nicht nur dahergesagt“, stellt der Platzwart klar und erzählt die Geschichte vom 88-jährigen Ellringer, für den es bis zu seinem Tod vor wenigen Monaten selbstverständlich war, das Oldtimerteam zu unterstützen. „Im vergangenen Jahr hat er noch an der Kasse gesessen“, berichtet Schulz. Auch die Frauen der Ellringer Feuerwehr unterstützen: Sonntagmorgen ab 6 Uhr schmieren sie im Feuerwehrhaus Brötchen und kochen Kaffee für die 120 Helfer, denn Schulz weiß: ,,Nichts ist schlimmer als ein knurrender Magen.“

Wenn Oldtimertreffen in Ellringen ist, befindet sich das gesamte 200 Einwohner zählende Dorf im Ausnahmezustand. Ursprünglich 1984 von einer Handvoll eingefleischter Oldtimer-Liebhaber ins Leben gerufen, ist seit 1999 der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Ellringen für die gesamte Organisation des Events verantwortlich. ,,Es gibt Helfer, die nehmen sich extra frei. Nur, um uns beim Oldtimertreffen mit zu unterstützen,“ freut sich Henning Schulz und fügt hinzu: Es gibt nämlich mehr zu tun, als nur den Sonntag zu überstehen! Auf- und Abbau das gehört auch mit zu den Pflichten des Helferteams. Kaum, dass die letzten Besucher und Oldtimer-Besitzer Ellringen verlassen haben, geht der Rückbau los. Weidenzaunpfähle und Trassierband muss wieder eingesammelt, die Wiesen und Parkflächen nach Müll und Unrat abgesucht werden. ,,Gefunden habe wir da in den vergangenen Jahren schon einiges“, berichtet Schulz lachend ,,angefangen vom verlorenen Schlüsselbund über Getränkedosen bis hin zu vollen Windeln.“

Längst ist Ellringen auch im Kalender anderer Oldtimerclubs und Teilemarkthändler eine feste Größe: Der Aussteller mit der weitesten Anfahrt ist „Herbert“ aus Rüdesheim. Schleifscheiben sind sein Geschäft. Ob der 70-Jährige in Ellringen so viele davon verkaufen kann, dass sich die Anfahrt lohnt, weiß Henning Schulz nicht. ,,Trotzdem kommt er jedes Jahr, weil er sich wohlfühlt bei uns.“

Bleibt eigentlich nur noch eine Frage zu klären: Welchen Oldtimer fährt eigentlich der Platzwart? „Ich habe keinen Oldtimer, nicht mal ein eigenes Auto“, gesteht er schmunzelnd.