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Rastlosen Mönchen auf der Spur

uk Heiligenthal. Die Geschichte ist ebenso spannend wie mysteriös: Im Jahr 1313 gründen die Prämonstratenser-Mönche in Ghelderdessen ein Kloster. Doch am Gellerser Kirchort, der heute den Namen Kirchgellersen trägt, hält es die Männer Gottes nicht lange: Schon drei Jahre später ziehen sie mit dem kompletten Kloster um ins wenige Kilometer entfernte Sibelincheborstolde, das daraufhin zum „Tal der Heiligen“, also Heiligenthal, wird.

Unbekannt ist bis heute der Grund für den Klosterumzug, den jemand wie Lutz Tetau nur zu gerne kennen würde: „Darüber gibt es viele Spekulationen, aber wissen tun wir nichts“, bedauert der Archivar der Samtgemeinde Gellersen. Fakt aber ist: Den 700. Jahrestag der Klostergründung wollen die Gellerser gebührend feiern – mit einem großen Klosterfest, das am Wochenende, 13. bis 15. September, an den verschiedenen Standorten des Klosters gefeiert wird.

In Heiligenthal erinnert nicht nur der Ortsname, sondern auch die erhaltene Gutskapelle des ehemaligen Klosterguts an die geschichtsträchtige Vergangenheit. „Wahrscheinlich hatten die Mönche in Kirchgellersen keine wirtschaftliche Perspektive und entschlossen sich daher zum Umzug“, vermutet Tetau. Am neuen Standort erlebte das Kloster eine Blütezeit, war aber auch bedroht durch feindliche Truppendurchzüge, sodass die Ordensbrüder sich 1383 in die sicheren Mauern der Stadt Lüneburg begaben.

„Dass die Mönche in Heiligenthal sehr gut gelebt haben, ist durch viele Quellen belegt“, erklärt Tetau. Erhalten sind etwa lange Einkaufslisten: „Da wurde zu Festtagen nicht nur jede Menge Fleisch geordert, sondern auch Bier aus Einbeck herangekarrt.“ In Kirchgellersen erinnert heute dagegen nur noch ein Findling nahe der Hauptkreuzung an die Klostergründung vor 700 Jahren. „Im Bewusstsein der Bürger spielt das Kloster kaum eine Rolle“, sagt Pastor Andreas Zachmann, „aber die Verbindung zwischen Kirche und Kloster ist natürlich gegeben. Das wichtige Datum für die Geschichte der Gellerser Dörfer ist ein guter Anlass, zusammen ein Fest zu feiern.“

Das sieht auch Brunhilde Bossow so: „Jeder sollte über seine Wurzeln Bescheid wissen“, sagt die Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, „wenn Geschichte gut aufbereitet ist, finden gerade Kinder das immer spannend.“ Daher haben Zachmann, Tetau und Bossow zusammen mit Kirchgellersens Bürgermeisterin Uschi Freitag, Wilhelm Wölper und Maike Felske seit über einem Jahr am Konzept für das Klosterfest gefeilt. Herausgekommen ist ein familientaugliches Programm mit Kirchenfest, Kino, Radtour und einem besonderen Gast: „Dr. Ludger Horstkötter, ein Prämonstratenser-Chorherr aus dem Kloster Hamborn bei Duisburg, wird wie schon vor 25 Jahren beim Klosterfest dabei sein“, freut sich Bossow.