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Dino Schubert von der Beratungsfirma NSI Consult trägt zu Beginn des Bürger-Workshops zunächst Lob und Kritik der Einwohner zusammen. Foto: t&w
Dino Schubert von der Beratungsfirma NSI Consult trägt zu Beginn des Bürger-Workshops zunächst Lob und Kritik der Einwohner zusammen. Foto: t&w

„Soziales Versuchslabor“

dth Reppenstedt. Für die Reppenstedter hat das Experiment Bürgerbeteiligung begonnen: Das dafür ausgewählte Modell der „Zukunftswerkstatt“ definierte einst der Wissenschaftsjournalist Robert Jungk als „Soziales Versuchslabor, in dem alternative Zukünfte von engagierten Bürgern entworfen und durchdacht werden.“ Dieses Labor wurde jetzt erstmals am Donnerstagabend in der Aula der Grundschule Reppenstedt eingerichtet und rund 40 Einwohner, darunter ein gutes Dutzend Kommunalpolitiker, zerbrachen sich zwei Stunden die Köpfe über einen Forderungskatalog an die Gemeinde Reppenstedt – wobei sich die Mandatsträger meist zurückhielten. Im Fokus stand zunächst der Themenkomplex „Arbeit und Wirtschaft“. Es war der erste von drei Workshops, die allen Einwohnern Reppenstedts zum Mitreden und Mitgestalten offen stehen.

„Wir wollen die großen Visionen von Ihnen hören oder auch die kleinen charmanten Dinge, die Sie sich für Ihre Gemeinde wünschen. Auch für Sorgen und Ängste ist hier Raum“, ermutigte Moderator Dr. Stefan Eisner von der Braunschweiger Beratungs- und Servicegesellschaft NSI Consult die Teilnehmer, die „Großwetterlage“ Reppenstedts zu beschreiben und Perspektiven zu entwickeln. Als Grundlage für die Diskussion dienten dem Plenum die Ergebnisse einer Umfrage, die NSI Consult im Auftrag der Gemeinde in den vergangenen Wochen unter den Reppenstedtern durchgeführt hatte (LZ berichtete). So antworteten beispielsweise nur 11,4 Prozent der Befragten mit Ja auf die Frage, ob sie in Reppenstedt arbeiteten – und untermauerten so den allgemeinen Eindruck, dass Reppenstedt „nur ein Schlafort“ vor den Toren Lüneburgs sei.

Mit Blick auf verschiedene Standortfaktoren gaben etwa 62,3 Prozent der Befragten hinsichtlich der Internetversorgung der Gemeinde die Note drei oder schlechter, ähnlich sieht es bei der Bewertung der Versorgung im Gastronomiebereich aus. Und hinsichtlich der vorhandenen Gewerbebetriebe äußerten nur 17,6 Prozent die Ansicht, sie seien „gut versorgt durch Güter und Dienstleistungen sowie Arbeitsplätze“ – und 77,4 Prozent fühlten sich zumindest „nicht beeinträchtigt“.

Reppenstedt habe keine eindeutige Identität mit einem klar definierten Ortskern, sei keine Marke, lautete denn auch eine immer wiederkehrende Kritik während des Workshops. Daraus erwuchs die Forderung nach einem Reppenstedt-Marketing, das auch die Wirtschaftsförderung in Angriff nehmen sollte, zur Ansiedlung neuer innovativer Unternehmen in der Gemeinde bei gleichzeitiger Pflege des Bestands.

Ein oft genannter Wunsch war auch der nach einer Begegnungsstätte in Form eines „Dorfgemeinschaftshauses“, einer „Veranstaltungshalle mit Gastronomie“ beziehungsweise eines „Treffpunkts für junge Familien im Ortskern“. Die NSI Consult wird die Wünsche zu einem Forderungskatalog zusammenfassen als Handreichung für die künftige Gemeindepolitik in Rat und Verwaltung. „Wir wollen ernsthaft damit arbeiten“, sagte Reppen- stedts stellvertretender Bürgermeister Dieter Bönsch.

Doch zunächst stehen noch zwei weitere Workshop-Termine für Jedermann an – und zwar zum Thema „Wohnen und Verkehr“ am Dienstag, 5. November, sowie am Donnerstag 21. November, zum Thema „Freizeit“ – jeweils um 19.30 Uhr in der Aula der Grundschule Reppenstedt.

Weitere Infos im Internet unter www.reppenstedt.de