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Mittlerweile läuft der Verkauf der Grundstücke im Baugebiet "Rahn II", die Gemeinde ist zufrieden. Deshalb soll nun der zweite Bauabschnitt entwickelt werden. Foto: dth
Mittlerweile läuft der Verkauf der Grundstücke im Baugebiet "Rahn II", die Gemeinde ist zufrieden. Deshalb soll nun der zweite Bauabschnitt entwickelt werden. Foto: dth

Geschäft ohne Risiko

dth Westergellersen. Jahrelang hing der schleppende Verkauf der rund 130 Baugrundstücke wie ein Damoklesschwert über der Gemeinde Westergellersen. Doch zuletzt zog die Nachfrage an, vor allem für das Neubaugebiet „Rahn II“. Und zwar so zufriedenstellend, dass der Gemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung nicht nur grünes Licht zur Vermarktung des nächsten Bauabschnitts gegeben hat. Er hat auch beschlossen, bisherige Bonus-Angebote an Grundstückskäufer Ende des Jahres auslaufen zu lassen, weil zusätzliche Anreize nicht mehr notwendig seien. Damit ist die Gemeinde auf einem guten Weg, dass die erst später vereinbarte Bürgschaft von maximal 2,7 Millionen Euro gegenüber dem Projektentwickler nie eingelöst werden muss.

Die Gemeinde Westergellersen hatte 2006 die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) mit der Entwicklung und Vermarktung ihrer Baugebiete beauftragt: Zum einen das insgesamt rund 6,96 Hektar große Areal „Rahn II“, zum anderen das Wohngebiet „Südergellerser Weg“ auf einer Gesamtfläche von 6,46 Hektar, die beide abschnittsweise mit insgesamt 130 Grundstücken entwickelt werden sollen.

Geregelt in einem städtebaulichen Vertrag übernahm die NLG damals den Auftrag im Rahmen eines sogenannten Treuhandverfahrens. So war und ist die NLG auch Kostenträger bei der Entwicklung der beiden Baugebiete, inklusive der Erschließung etwa durch den Bau des Kreisverkehrs vor dem Ortseingang. Die Gemeinde sollte im Idealfall keine Haushaltsmittel zur Verfügung stellen müssen.

Aber: Die Gemeinde übernahm später gegenüber der NLG eine projektbezogene Ausfallbürgschaft in Höhe von maximal 2,7 Millionen Euro bis zum Jahr 2026. Der Betrag entsprach etwa den prognostizierten Kosten zur Vermarktung und Erschließung der Baugebiete. Sollten nun die Verkaufserlöse der Grundstücke die Kosten der NLG – inklusive Bezahlung ihrer Dienstleistungen – nicht decken, steht die Gemeinde bei der Schlussabrechnung für das Minus gerade. Die NLG ist also vom Geschäftsrisiko befreit.

Da laut Westergellersens Bürgermeister Hans-Jürgen Nischk (CDU) aber die Grundstücksverkäufe in erfreulichem Maße angezogen haben, sei nicht mit einem Minus zu rechnen. Im Gegenteil: Die Gemeinde könne auch von einem Plus profitieren. Und das zeichnet sich zumindest derzeit ab, sagt Andreas Kutscher, Leiter der NLG-Geschäftsstelle in Lüneburg. „Beide Projekte sind derzeit im Plus. Deshalb ist es sinnvoll, die Baugebiete nun weiterzuentwickeln.“

Im ersten Abschnitt des Baugebiets „Rahn II“ sind 36 Bauplätze verkauft, sagt Bürgermeister Nischk. Im jetzt geplanten zweiten Abschnitt kommen weitere 37 hinzu, insgesamt sollen es im „Rahn II“ 85 Bauplätze werden. Das Baugebiet „Südergellerser Weg“ hingegen läuft mit mehr als 40 Bauplätzen noch nicht ganz so „rund“. Von den 20 Grundstücken im ersten Abschnitt seien erst 15 verkauft, zwei reserviert und drei noch frei. Der zweite Bauabschnitt ist noch offen.

Damit ein möglicher Ertrag der Gemeinde nicht geschmälert wird, sprach sich der Rat dafür aus, den bisher gewährten Bonus von 2500 Euro je Kind für Grundstückskäufer zum Jahresende auslaufen zu lassen.

 

Die Entwicklung der beiden Baugebiete bedeutet für den Einwohnerzuwachs Westergellersens einen ordentlichen Schluck aus der Pulle: Zu Beginn der Planungen zählte die Gemeinde rund 1700 Einwohner. Mit dem Abschluss beider Baugebiete rechnen die Verantwortlichen mit einer Steigerung auf rund 2000 Einwohner. Gemeinsam mit der Ersterschließung des zweiten Bauabschnitts des Baugebiets „Rahn II“ soll auch der Endausbau der Straßen und öffentlichen Flächen im ersten Bauabschnitt durchgeführt werden. Der Auftrag an die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG), den zweiten Bauabschnitt zu entwickeln, läuft ebenfalls im Treuhandverfahren. Die Grundstücke, die die NLG dafür nun ankaufen soll, wurden bereits 2006 durch Vorverträge gesichert. Die NLG ist ein gemeinnütziges Unternehmen für die Entwicklung des ländlichen Raumes in Niedersachsen, Hamburg und Bremen. Hauptgesellschafter mit rund 52 Prozent ist das Land Niedersachsen. 48 Prozent verteilen sich auf Landkreise, Städte, Kommunen, Kreditinstitute und andere. Infos unter www.nlg.de.