Dienstag , 27. September 2016
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Abgeschnitten: Martina Sackmann und Piet Bohl blicken fassungslos auf den für Fahrzeuge kaum zu überwindenden Höhenunterschied. Ihr Nachbar hat den Weg zu ihrem Haus ausgebaggern lassen. Foto: t&w
Abgeschnitten: Martina Sackmann und Piet Bohl blicken fassungslos auf den für Fahrzeuge kaum zu überwindenden Höhenunterschied. Ihr Nachbar hat den Weg zu ihrem Haus ausgebaggern lassen. Foto: t&w

Nach Hause nur noch zu Fuß

dth Südergellersen. Der Streit eskaliert nach der Einladung zum Schlichtungstermin: „Wir sind fassunglos“, sagen die Südergellerser Martina Sackmann (42) und Piet Bohl (42). Seit Wochenbeginn können sie mit ihrem Auto nicht mehr auf ihr Grundstück fahren. Ihr Nachbar ließ die Zufahrt teilweise wegbaggern. Eine von ihnen angestrebte außergerichtliche Einigung scheint in weiter Ferne, Bohl und Sackmann haben nun sogar Polizei und Amtsgericht Lüneburg eingeschaltet. Ihr Nachbar will sich auf LZ-Nachfrage wegen der Anzeige gegen ihn zum Streit nicht äußern, sagt nur: „Der Weg war kaputt.“

Gestern flatterte dem Nachbarn eine einstweilige Verfügung vom Obergerichtsvollzieher ins Haus. Darin wird ihm beschieden, „es zu unterlassen, den Zufahrtsweg zum Grundstück (…) durch Baumaßnahmen zu beeinträchtigen“. Die Hoffnungen auf nachbarschaftlichen Frieden an der Kirchgellerser Straße liegen jetzt auf dem Gellerser Schiedsamt.

Zankapfel ist seit Jahren ein rund 60 Meter langer Weg, der zum Haus von Martina Sackmann und Piet Bohl führt. Das Heim der vierköpfigen Südergellerser Familie liegt in zweiter Reihe, und der Weg dorthin führt über das Nachbargrundstück zur Kirchgellerser Straße. Die Nutzung ist per Wegerecht geregelt und seit 1948 im Grundbuch eingetragen. Dennoch gerieten sie in den vergangenen Jahren mit ihrem Nachbarn über die Nutzung in Streit. Und aktuell bliebe der Weg bis zum Haus sogar Rettungsdiensten versperrt, da durch das Abschieben der Wegoberfläche eine große Stufe zum Grundstück hin entstanden ist.

So habe der Nachbar dem Ehepaar auch untersagt, dass von ihnen beauftragte Firmen für Anlieferungen den Weg nutzen. Dazu sagt Piet Bohl, der beruflich als Lehrer und didaktischer Leiter an der Oberschule Winsen/Luhe tätig ist: „Wir haben seinerzeit unser Haus neu verklinkert. Hätten wir die Steine alle einzeln hier hochtragen sollen?“ Auch privatem Besuch werde regelmäßig die Nutzung der Zufahrt vom Nachbarn verwehrt, sagt Martina Sackmann, die als Grundschullehrerin in Westergellersen unterrichtet. Im Gegenzug wirft ihnen der Nachbar in mehreren Schreiben vor, die Zufahrt aufgeschüttet zu haben, verweist auf Probleme mit Oberflächenwasser, das seitdem verstärkt auf sein Haus zulaufe.

Martina Sackmann wollte endlich Frieden in der Nachbarschaft und bat das Schiedsamt Gellersen um Hilfe, den Streit zu schlichten. Die Einladung an beide Parteien traf am vergangenen Wochenende per Post ein. Doch der erhoffte Nachbarschaftsfrieden rückte wider Erwarten in weite Ferne: Denn kurz darauf ließ der Nachbar am Dienstagnachmittag mit Trecker und Frontlader den unbefestigten Weg bis zum Grundstück von Sackmann und Bohl auskoffern. Der Nachbar soll sogar noch im Dunkeln akribisch weitergearbeitet haben.

Sackmann und Bohl schalteten die Polizei ein. Polizei-Sprecherin Nicole Winterbur bestätigt: „Uns liegt eine Anzeige wegen Sachbeschädigung vor.“ Es geht um schätzungsweise 500 Euro, denn beim Ausbaggern sei auch ein Teil der Grundstückspflasterung beschädigt worden. Parallel hat Sackmann das Amtsgericht eingeschaltet und die einstweilige Verfügung gegen ihren Nachbarn erwirkt. Jetzt warten beide Seiten auf den Schlichtungstermin des Gellerser Schiedsamtes in eineinhalb Wochen.

Wie in anderen Gemeinden des Kreises Lüneburg engagieren sich in Gellersen ehrenamtliche Schiedspersonen, die vom Samtgemeinderat gewählt wurden, um bei Nachbarschaftsstreitigkeiten zu schlichten. Sie sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Im Bereich des Strafrechts kann eine Schlichtungsverhandlung zum Beispiel Taten wie Beleidigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Hausfriedensbruch behandeln. Bei Zivilstreitigkeiten kann es um Nachbarschaftskonflikte gehen.

Im Bereich der Ortschaften Reppenstedt und Dachtmissen sind die zuständigen Schiedspersonen Hans-Joachim Einfeldt (Tel.: 0 41 35 / 72 75) und sein Stellvertreter Manfred Theobald (Tel.: 0 41 31 / 6 36 52) Ansprechpartner. Im Bereich Kirch-, Wester-, Südergellersen und Heiligenthal sind Günter Vick (Tel.: 0 41 35 / 71 86) und sein Stellvertreter Dieter Dziuba (Tel.: 0 41 31 / 6 34 40) zuständig. lz

5 Kommentare

  1. Mit einem guten Rechtsanwalt sollte man einen ordentlichen Schadenersatz einklagen. Wir leben doch nicht im Wilden Westen.

  2. Unglaubliche Sauerei. Der legt sich wirklich mit allen seinen Nachbarn an.
    Naja, durch Einsicht oder gerichtlich löst sich das Problem bei dem nicht mehr, höchstens biologisch….

  3. Jürgen Hempel lüneburg

    …und was das Oberflächenwasser angeht, so muss bei normal fallenden Gelände der Nachbar — gleich welcher – das Wasser auf seinem Grundstück zu lassen. Die Eigentümer des hinteren Grundstückes sind nicht verpflichtet dieses Oberflächenwasser mittels einer Regenwasserleitung in das örtliche Netz einzuleiten. Also erhebliche Kosten dafür aufzuwenden. Möglicherweise gibt es gar nicht einen Regenwasser – Kanal, in dieser Situation hat ganz klar der beleidigte Nachbar die Niete gezogen !

  4. Streit hin – Streit her.
    Und jeder „juristische“ Streit bringt eine mächtige und eine ohnmächtige Partei hervor. So wird es auch hier der Fall sein. SEHR oft hat sich gezeigt, dass hinter jedem motiviert offensichtlich austragenem „Streit“, ganz andere Motive die Auslöser begründen.
    Macht und Ohnmacht – Rechszuspruch und Verlierertum…
    Unterm Strich verbleibt hier eine dauerhaft und unbewusst weiterzehrende „Krebszelle“.
    Es kann davon ausgegangen werden, dass es energetisch betrachtet, keiner der Parteien auch nach einem alles regelndem Ausgang/Urteil des Rechtsstreites, wirkungsvoll zum dauerhaft Positivem besser ergehen wird.
    Bereits im Aufkeimen von „Unwohlbehagen“ und/oder jeglichen Negativwahrnehmungen ist es häufig empfehlenswert, sich in Tief- und Weitsicht möglichem Anlass anzunähern. Das geht nicht immer im Alleingang.
    Ich wünsche beiden Parteien ein dauerhaft anhaltendes Wohlsein.
    So auch nach erfolgt juristischer Endregelung zu diesem energetisch geballtem Rechtsspektakel.

    MfG Anthony-Chris Thuns