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Sie sind auf der Suche nach "schönen" Briefmarkenmotiven für ihre Alben (v. l.): Die Cousinen Louisa und Jule sowie die Brüder Justus und Johan. Die Leidenschaft liegt in der Familie: Sowohl der Opa der Mädchen als auch der Vater der Jungen sammeln die bunten Postwertzeichen. Foto: t & w
Sie sind auf der Suche nach "schönen" Briefmarkenmotiven für ihre Alben (v. l.): Die Cousinen Louisa und Jule sowie die Brüder Justus und Johan. Die Leidenschaft liegt in der Familie: Sowohl der Opa der Mädchen als auch der Vater der Jungen sammeln die bunten Postwertzeichen. Foto: t & w

Briefmarkenfreunde im Tauschrausch

emi Reppenstedt. Die Mädchen und Jungen hat das Sammelfieber gepackt: Louisa, Jule, Justus und Johan greifen beherzt in den Haufen bunter Briefmarken, um ihre mitgebrachten Alben zu füllen. Bei den zehn- und neunjährigen Mädchen stehen vor allem Landschafts- und Tiermotive hoch im Kurs. Beim gestrigen Briefmarkentauschtag in Reppenstedt boten die rund 250 Aussteller aber noch viel mehr Motive an: Berühmtheiten, Sport und Raumfahrt: „Hier findet man alles, von A wie Auto bis Z wie Zeppelin“, verriet ein Sammler schmunzelnd.

Louisa und Jule sind an diesem Tag mit ihrem Opa zum ersten Mal zu Norddeutschlands größter Tauschbörse gekommen und blicken sich staunend in der Gellersenhalle um: Unzählige Briefmarkenfreunde eilen fachsimpelnd von Tisch zu Tisch, blättern sich eifrig durch Stapel von Alben und nehmen hier und da die Lupe zu Hilfe. Die Sammelleidenschaft kennt keine Grenzen: Neben Briefmarken liegen Münzen, Postkarten und sogar Überraschungseierfiguren aus. Die beiden Cousinen sind fasziniert. „Gut“, antworten sie blitzschnell und unisono auf die Frage, wie ihnen denn die Veranstaltung gefalle.

Auch die Brüder Justus und Johan sind zum ersten Mal dabei: „Mein Papa arbeitet in einer Schokoladenfabrik“, berichtet Johan, „da kriegt er viel Post und schenkt uns oft Briefmarken“. Drei Alben seien schon voll. Der Zehnjährige hat seinen zwei Jahre jüngeren Bruder mit seiner Liebe zur Briefmarke angesteckt – Justus schwärmt bereits für sein neues Hobby und den Tauschtag: „Das Tollste ist, dass man hier so viele Marken aus anderen Ländern findet.“

Während sich die Jungs erst seit wenigen Jahren für Briefmarken begeistern, sammelt der 59-jährige Jürgen Schulz schon fast sein ganzes Leben lang, tauscht und verkauft bereits zum siebten Mal in Reppenstedt: „Das Schöne daran ist, dass man unter Leute kommt“, findet er. Mehrere Tausend Briefmarken nennt er sein Eigen, er kann sie gar nicht mehr zählen. Die teuerste Briefmarke, die er an diesem Tag dabei hat, kostet 120 Euro. „Es ist ein Braunes Band aus dem Deutschen Reich, fünf verschiedene Ausgaben gibt es davon“, berichtet der Grömitzer stolz.

Organisator Horst-Rüdiger Scholz, Vorsitzender des Lüneburger Briefmarkensammlervereins im Bund Deutscher Philatelisten, sammelt bereits seit seinem zehnten Lebensjahr. Seit 40 Jahren nimmt der 69-Jährige an der Reppenstedter Tauschbörse teil – und weiß so einiges über Briefmarken: „Eine der teuersten und seltensten ist der Tre-Skilling-Banco-Fehldruck von 1855 aus Schweden. Ein kleiner Junge hat vor vielen Jahren ein Exemplar mit der falschen Farbe auf dem Dachboden seiner Großmutter gefunden und für wenige Kronen verkauft.“ Heute gebe es nur noch ein Exemplar – „und es ist wohl rund zwei Millionen Euro wert“.

So teure Schätze gingen in Reppenstedt natürlich nicht über den Tisch, sagt der Experte. „Hier liegen die teuersten so bei 1000 Euro.“ Den Sammlerneulingen Louisa, Jule, Justus und Johan ist der Geldwert ohnehin egal. Sie greifen beherzt nach allen Briefmarken, die sie schön finden. Davon gibt es in der Gellersenhalle genug.