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Die Bioenergie Gellersen-Geschäftsführer Carsten Hövermann (l.) und Hartmut Dittmer planen für 2014 einen Tag der offenen Tür auf dem Betriebsgelände. Foto: be
Die Bioenergie Gellersen-Geschäftsführer Carsten Hövermann (l.) und Hartmut Dittmer planen für 2014 einen Tag der offenen Tür auf dem Betriebsgelände. Foto: be

Strom und Gas aus Gellersen

dth Kirchgellersen. Seit Wochenbeginn wird eine der im Landkreis Lüneburg leistungsstärksten Biogasanlagen unter voller Leistung getestet: Die Besonderheit der Anlage im Kirchgellerser Gewerbegebiet der „Bioenergie Gellersen GmbH Co.KG“ ist zudem, dass sie nicht nur aufbereitetes Biogas ins hiesige Erdgasnetz einspeist, sondern die Betreiber als eine der ersten im Kreis den zusätzlich produzierten Strom an der Börse vermarkten und auch Regelenergie anbieten – „als Beitrag zur Netzstabilität“, sagt Geschäftsführer Carsten Hövermann. Um die Bürgerinitiative „Pro Gellersen“, die sich über ein Jahr lang gegen den Bau der Anlage im dortigen Wasserschutzgebiet eingesetzt hat (LZ berichtete), ist es derweil ruhig geworden.

Alles andere als ruhig waren die ersten Wochen des Probebetriebes ab Ende September. Vor allem Landwirt und Geschäftsführer Hartmut Dittmer riss eine Nachtschicht nach der anderen ab, um parallel zur Ernte die Anlagentechnik für den Betrieb schrittweise zu justieren. Mittlerweile sind auch 8500 Tonnen Zuckerrüben eingelagert, die ebenfalls als Biomasse in die Gärbehälter eingefahren werden sollen.

Beim Mix der Biomasse rechnen Hövermann und Dittmer mit 60 Prozent Mais-Anteil, 20 Prozent Zuckerrüben, zehn Prozent Mohrrüben sowie zehn Prozent Ganzpflanzensilage. „Dabei experimentieren wir auch mit dem Einsatz von Szarvasi-Gras“, sagt Hövermann. Dabei handelt es sich um ein ungarisches Riesenweizengras, das in der Branche als mögliche Alternative zum Mais gilt.

Die Kirchgellerser Biogasanlage produziert pro Stunde im Durchschnitt 840 Kubikmeter Gas, dafür ist eine Fütterungsmenge von 90 Tonnen Biomasse notwendig. Rechnerisch reicht das aus, um damit 4200 Haushalte mit Wärmeenergie zu versorgen. Auf dem mehr als zwei Hektar großen Betriebsgelände Im Suhrfeld hat auch der Netzbetreiber Avacon eine Übernahmestelle für das Gas eingerichtet: Dabei wird das Biogas von 0,25 Bar für einen Druck von derzeit zehn Bar aufbereitet, um ins öffentliche Erdgasnetz eingespeist zu werden, ähnlich wie es auch die Biogasanlagen-Betreiber in Drögennindorf vorgemacht haben. Zwar wird das Biogas praktisch im hiesigen Erdgasnetz wieder entnommen und verbraucht, „bilanziell verkaufen wir unser Erdgas aber nach Hamburg“, sagt Hövermann.

Mit den angeschlossenen Blockheizkraftwerken können die Gellerser zudem zwischen 450 bis maximal 900 Kilowatt Strom erzeugen und planen durchschnittlich 650 Kilowatt Strom direkt an der Börse zu vermarkten.

Mit rechnerisch insgesamt 1,5 Megawatt elektrischer Leistung zählt die Kirchgellerser Anlage, an der sich elf lokale Landwirte als Gesellschafter beteiligen, zu den Top-Fünf der rund 30 Biogasanlagen im Landkreis – an der Spitze stehen die Biogasanlage in Kaarßen der „Agrarenergie Kaarßen“ (2,8 Megawatt) und die Anlage auf dem „GfA“-Deponie-Gelände in Bardowick mit 2,1 Megawatt.