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Wilhelm Wölper und Enkel Jonas in der kleinen Tannen- und Fichtenschonung, die Wölper eigentlich nie haben wollte. Foto: t & w
Wilhelm Wölper und Enkel Jonas in der kleinen Tannen- und Fichtenschonung, die Wölper eigentlich nie haben wollte. Foto: t & w

Wilhelm Wölpers Weg zum Tannenbaum

off Kirchgellersen. Wilhelm Wölpers Weg zu den Weihnachtsbäumen beginnt vor fast 20 Jahren mit seiner Liebe zu Fischen. Der Milchbauer aus Kirchgellersen ist Anfang 50 und viel beschäftigt, als er die Chance erhält, sich einen Kindheitstraum zu erfüllen und am Ortsrand seinen eigenen Fischteich zu kaufen. Einziger Haken: Den Teich gibt es nur mit der Tannen- und Fichtenschonung davor. Und die kostet extra. Zeit und Geld. Wilhelm Wölper schlägt trotzdem zu, kauft Teich samt Tannen – und hat mit einem Schlag zwei neue Hobbys: Fische gucken und Weihnachtsbäume anbauen.

Fünf Grad und Nieselregen. Wilhelm Wölper stapft mit Gummistiefeln durch die Tannenschonung. Haare und Augenbrauen sind mittlerweile grau, Wölper hat schon seit Jahren keine Kuh mehr gemolken und genießt mit 71 Jahren den Ruhestand. Jeden Morgen fährt er zuerst zu seinen Fischen, dann schwimmt er eine Runde im benachbarten Naturbad („Außer das Bad ist zugefroren“) und wirft auf dem Rückweg einen kurzen Blick auf seine Bäume. Auch an ihnen hat er irgendwann in den letzten 20 Jahren Gefallen gefunden. Vor allem jetzt, kurz vor Weihnachten, wenn er mit Kettensäge und Süßigkeiteneimer auf Kunden wartet.

Wilhelm Wölper verkauft seine Weihnachtsbäume von Anfang an ab Stamm, fällt Blaufichte oder Nordmanntanne erst dann, wenn seine Kunden sich dafür entschieden haben. „Das ist mein Hobby in der Adventszeit“, sagt er, „mit den Leuten durch die Schonung laufen und die schönsten Bäume suchen.“ Mit den großen Weihnachtsbaumplantagen im Land hat sein kleines Tannenwäldchen wenig zu tun, nicht nur weil es kleiner, wilder und weniger kultiviert ist, auch weil das Baumaussuchen mit Wölper etwas Besonderes ist.

Viele seiner Kunden kennt der 71-Jährige seit Jahren, hat für die Kinder fast immer Süßigkeiten dabei – und fällt bei Bedarf auch eine viel zu große Tanne. Um deren Spitze zum Weihnachtsbaum und den Rest zu Brennholz zu machen. Unkonventionell, aber in Wölpers Tannenschonung seit Jahren bewährte Praxis. „Sicherlich sind meine Bäume nicht so perfekt gepflegt wie bei den Profis“, sagt er. Dafür ist das Erlebnis „Aussuchen“ bei ihm mit drin – was die Tanne für die einen erst perfekt macht und bei anderen auch mal für vorweihnachtliche Disharmonie sorgen kann.

„Ein Paar hat sich mal so über die richtige Tanne gestritten, dass es den Platz getrennt voneinander wieder verlassen hat“, erzählt Wölper, „am Ende dann ganz ohne Weihnachtsbaum.“ Für den Kirchgellerser nur eine Erinnerung von vielen, die er in den letzten fast 20 Jahren zwischen Blaufichten und Nordmanntannen gesammelt hat. Und auch, wenn ihm die Tannen nie so sehr ans Herz wachsen werden wie seine Fische, ist aus dem lästigen Beifang ein liebgewonnenes Hobby geworden. Vor allem jetzt, kurz vor Weihnachten.