Dienstag , 27. September 2016
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Heidi Wagner ist im Hauptberuf Lehrerin und kann über Mangel an Beschäftigung nicht klagen. Ohne eine krankheitsbedingte Pause wäre aus dem Buch wohl nichts geworden, sagt sie.
Foto: t&w
Heidi Wagner ist im Hauptberuf Lehrerin und kann über Mangel an Beschäftigung nicht klagen. Ohne eine krankheitsbedingte Pause wäre aus dem Buch wohl nichts geworden, sagt sie. Foto: t&w

Bitte mehr Action, Mama!

uk Reppenstedt. Ein Faible für fantastische Geschichten wie für Pferde hatte Heidi Wagner schon immer: „Tolkiens Herr der Ringe habe ich als Kind genauso verschlungen wie stapelweise Mädchen-Pferdebücher“, erzählt die Reppenstedterin. Dazu spielt ein Fabelwesen im Leben der Lehrerin eine besondere Rolle: „Die Spieluhr mit dem Einhorn in einer Glaskuppel war ein Geschenk meiner Mutter. Die hat mich jahrelang begleitet und später auch meine Kinder fasziniert.“ Kein Wunder also, dass ein Einhorn auf dem Erstlingswerks von Heidi Wagner prangt: „Jystalla“ heißt der Kinderroman, der jetzt im BAR-Verlag erschienen ist.

Es ist nicht so, dass die Autorin wirklich Muße zum Schreiben hätte. Die 42-jährige Lehrerin an der Grundschule Betzendorf und Mutter von zwei Kindern kann über Mangel an Beschäftigung nicht klagen. „Ohne eine Zwangspause wäre aus dem Buch wohl nichts geworden“, gesteht sie. Anfang 2010 war sie krankheitsbedingt für Wochen ans Bett gefesselt: „Mir fiel die Decke auf den Kopf, da habe ich einfach angefangen.“ Und damit eine Geschichte in Gang gesetzt, die nun, 168 Seiten stark, die Autorin selbst ein wenig in Staunen versetzt: „Es sollte eigentlich eine Kurzgeschichte über unsere Einhorn-Spieluhr werden, als Geschenk für meinen Sohn. Aber dann kam jeden Tag ein neues Kapitel hinzu, ich konnte gar nicht mehr aufhören. Es fühlt sich so an, als hätte nicht ich die Geschichte geschrieben, sondern die Geschichte mich.“

Das kann man beinahe spüren: Was als leicht-lockere Ferienerzählung beginnt, verlagert sich rasch ins Mysteriöse und mündet dann in einen rasanten Krimi. Ein ungewöhnlicher Mix, an dem Sohn Ben (14) gehörigen Anteil hat: „Ich habe ihm jeden Abend ein Kapitel vorgelesen. Da hat er gnadenlos gemeint: „Da muss mehr Action rein, Mama!“ Und Mama lieferte: Ihr Romanheld, der zwölfjährige Vincent, gerät während der Ferien beim Onkel in Berlin in einen Sog von Geschehnissen, in denen er sich in dramatischen Lagen bewähren muss, Entführung, Verfolgungsjagd und Schießerei inklusive. „Ich wollte das bewusst sehr realistisch darstellen. Es gibt nichts übermäßig Brutales, aber viele überraschende Wendungen, deshalb ist das Buch auch erst für ältere Kinder geeignet“, erklärt Wagner. „Mir war wichtig, dass die Hauptfigur kein Superheld ist, sondern ein ganz normaler Junge.“ Gleichzeitig huldigt die Geschichte dem Einhorn als fantastischem Fabelwesen, das plötzlich im Berlin von heute als Bote einer fremden Welt auftaucht. Ganz erdverhaftet hat die Autorin die Details der Geschichte gründlich recherchiert: Die Kabinenkonstruktion in einem Airbus spielt dabei genauso eine Rolle wie ein Waldgelände bei Berlin, mit dem sich die Autorin über Luftbilder im Internet vertraut machte.

Dass der rasante Mix aus Fantasy und Krimi nicht nur den Verlag, sondern schließlich auch ihren schärfsten Kritiker überzeugte, freut die Reppenstedterin besonders: „Ben hat das Buch dreimal gelesen“, lacht Wagner, „das macht er prinzipiell nur mit Lieblingsbüchern.“

„Jystalla“ von Heidi Wagner kostet 12,95 Euro, ISBN: 978-3-944515-30-4.