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Reagieren auf den zusätzlichen Gesprächsbedarf zum Thema Ruheforst (v.r.): Bürgermeister Josef Röttgers sowie Heiner Rupsch und Frank Haufe von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Foto: dth
Reagieren auf den zusätzlichen Gesprächsbedarf zum Thema Ruheforst (v.r.): Bürgermeister Josef Röttgers sowie Heiner Rupsch und Frank Haufe von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Foto: dth

Gegen die Unruhe im Forst

dth Heiligenthal. Nach teils massiver Kritik an der Samtgemeindeverwaltung wegen der Informationspolitik zum geplanten Ruheforst Heiligenthal legt Gellersens Verwaltungschef Josef Röttgers jetzt nach: In Kooperation mit der Landwirtschaftkammer Niedersachsen als möglichem Betreiber ist demnächst unter anderem eine Exkursion zum bestehenden Ruheforst in Gartow vorgesehen (siehe Infokas„ten). Röttgers: „Das ist ein Angebot an die Einwohner der Samtgemeinde, um Sorgen und Ängs„ten zu begegnen und dem zusätzlichen Informationsbedarf Rechnung zu tragen.“ Zuletzt waren auch Fragen zu Bestattungszahlen und geplanten Parkplätzen strittig – die LZ ist dem nachgegangen.

„Ich bin überzeugt von diesem Projekt, im Sinne der 13000 Einwohner der Samtgemeinde Gellersen“, sagt Röttgers. Ziel sei es, auf die „sehr gute Nachfrage nach alternativen Formen der Bestattung“ zu reagieren, verbunden mit der Möglichkeit „einen hochwertigen Wald in seinen Grundbestandteilen auf lange Sicht zu erhalten“.

Insgesamt sollen rund zehn Hektar Fläche südlich des Ortes Heiligenthal für Waldbestattungen zur Verfügung gestellt werden. Dass die Vorgespräche und Planungen für den Heiligenthaler Ruheforst bereits seit Frühjahr liefen, aber von der Samtgemeindeverwaltung erst im September an die Öffentlichkeit gebracht wurden, erklärt Frank Haufe von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) so: „Wir haben mit Ruheforsten bisher nur positive Erfahrungen gemacht und sind auf Begeisterung in den Gemeinden gestoßen. Deswegen wollten wir auch in Gellersen keine Hoffnungen we„cken, ohne uns sicher zu sein, dass es klappt.“

Dass es hingegen Kritik seitens der Anwohner hagelte, habe auch Haufe überrascht, der bei der LWK den Fachbereich Waldbau, Holzmarkt und Ökomanagement leitet.

In der Diskussion sind vor allem die avisierten 30 Bestattungen, die jährlich in dem Ruheforst stattfinden sollen. Anwohner befürchten, dass es entgegen den Angaben deutlich mehr werden könnten und sich eine Art Bestattungstourismus entwi„ckeln könnte. Die LZ fragte nach: Laut Heiner Rupsch von der LWK handelt es sich bei der Zahl 30 um einen Durchschnittswert. Für Heiligenthal erwartet die LWK eine jährliche Nachfrage nach rund 100 Urnengräbern. Wobei erfahrungsgemäß 70 Prozent nur vorsorglich gesichert würden und 30 „anlassbezogen“, sagt Rupsch von der LWK.

Die Bestattungszahl 30 wird auch im sogenannten „landschaftspflegerischen Begleitplan Ruheforst Heiligenthal“ genannt: „Bei durchschnittlich zu erwartenden zirka 30 Bestattungen pro Jahr werden sich jeweils durchschnittlich zirka acht bis zwölf Personen für zirka ein bis zwei Stunden als Gruppe im Wald aufhalten.“

Die Zahl 30 sei auch verbindliche Voraussetzung gewesen für die vom Kreis Lüneburg erteilte „Befreiung von den Verboten (…) der Naturschutzgebietsverordnung“, denn der Ruheforst liegt im Naturschutzgebiet Hasenburger Bachtal. Kreissprecherin Frauke Noweck sagt: „Der Begleitplan kommt zu dem Ergebnis, dass die Maßnahme naturschutzverträglich ist — auf Grundlage der vorgegebenen Zahlen. Insofern bezieht sich auch die Befreiung auf diese Zahlen. Werden es deutlich mehr Bestattungen, ist das nicht von der Befreiung gedeckt.“ Der Landkreis werde das im Auge behalten.

Anwohner hatten die angegebenen Bestattungszahlen zuletzt bei der jüngsten Südergellerser Ratssitzung in Zweifel gezogen, weil rechnerisch mehr möglich wären. Daraufhin hatte Südergellersens Bürgermeister Andreas Bahlburg angekündigt, das Einvernehmen gegenüber der Samtgemeinde für zehn beantragte Stellplätze für den Ruheforst eventuell zurückzuziehen, sollten tatsächlich mehr Bestattungen geplant sein.

Die Grunddienstbarkeit für die Stellplätze stehe laut Gellersens Samtgemeindebürgermeis„ter Röttgers allerdings bereits im Grundbuch, kündigt aber auch dafür an: „Wir werden auf jeden Fall hinter der Zahl von zehn Stellplätzen deutlich zurückbleiben.“ So soll direkt am Ruheforst lediglich der bereits vorhandene Grünstreifen zum Parken von ein oder zwei Fahrzeugen von Gehbehinderten sowie des Bestatters genutzt werden. Ansonsten sollten Besucher die rund 600 Meter entfernten Parkmöglichkeiten beim kleinen Rastplatz am Südergellerser Weg nutzen.

Gleichwohl besteht offenbar auch da noch Gesprächsbedarf mit dem Landkreis. Denn Kreissprecherin Noweck sagt dazu: „Bei einem Ruheforst ist gesetzlich keine Mindestanzahl an Stellplätzen vorgeschrieben. Die Gemeinde hat zehn Stellplätze direkt am Ruheforst beantragt, die auch so genehmigt sind.“ Und: „Sollte die Gemeinde nicht alle Plätze direkt am Ruheforst, sondern einige auch in fußläufiger Entfernung einrichten wollen, ist das grundsätzlich möglich. Ein entsprechend abweichender Antrag liegt uns allerdings noch nicht vor.“

One comment

  1. magnusausonius

    So so, man wurde von der Kritik ‚überrascht’… Tatsache ist wohl eher, dass man gehofft hatte, das Projekt, mit dem sich private Ruheforst-Betreiber, Waldbesitzer und Samtgemeinde auf Kosten der Anlieger eine goldene Nase verdienen, still und heimlich durchzusetzen. Bestattungen gehören auf den Friedhof. Die „sehr gute Nachfrage nach alternativen Bestattungsformen“ ist Ergebnis der Tatenlosigkeit und Indifferenz der betroffenen kommunalen und kirchlichen Friedhofsbetreiber und vor allem der christlichen Kirchen, die es nicht mehr vermögen, die potentiellen Kunden dieser Angebote und Hinterbliebenen davon zu überzeugen, dass die um sich greifende ‚Geiz ist geil‘-Mentalität bei der Bestattungsvorsorge völlig unangebracht ist. Ein angemessenes Begräbnis auf dem Friedhof und die dazu gehörende Grabpflege haben Menschen über Jahrhunderte als selbstverständliche Christenpflicht oder zumindest als Ausdruck aktiver Nächstenliebe verstanden. Leider scheint es heute Mode zu werden, Opa kostengünstig im Wald zu verscharren, damit vom Erbe möglichst noch Geld für die neueste Monsterglotze übrig bleibt. Dieser traurigen Entwicklung sollten die Gemeindeverwaltungen nicht noch Vorschub leisten.