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Sammlerin Juliane Hundsdörfer achtet mit der Lupe genau darauf, dass die Briefmarken heil sind und einen sauberen Rundstempel haben. Foto: t & w
Sammlerin Juliane Hundsdörfer achtet mit der Lupe genau darauf, dass die Briefmarken heil sind und einen sauberen Rundstempel haben. Foto: t & w

Große Reisen für kleine Marke

emi Reppenstedt. Juliane Hundsdörfer unternimmt große Reisen für die kleinen, gezackten Blättchen. Die 77-Jährige ist seit ihrem zehnten Lebensjahr leidenschaftliche Briefmarkensammlerin. Fünf- bis sechsmal pro Jahr fährt sie mit ihrem Mann Georg zu Tauschtagen in Deutschland, macht auch schon mal einen Abstecher nach Dänemark und Schweden, um den dortigen Postämtern einen Besuch abzustatten. Nun war das Paar aus Norderstedt beim Briefmarkentauschtag in der Reppenstedter Gellersenhalle. Zur ersten Großveranstaltung des neuen Jahres dieser Art im norddeutschen Raum kamen rund 260 Liebhaber der bunten Postwertzeichen.

Briefmarkentausch

Juliane Hundsdörfer haben es vor allem skandinavische Briefmarken angetan: „Finnland, Schweden und Norwegen habe ich fast komplett, dazu kommen noch Grönland und die Färöer.“ Über 100 Alben besitzt die 77-Jährige. „Über den Wert möchte ich gar nicht sprechen“, sagt sie. „Das Hobby kann 100 Euro im Monat kosten.“ Und es scheint bei Frauen eher selten zu sein.

Blickt man sich in der Gellersenhalle um, sieht man hauptsächlich Männer, die über Stapeln von Büchern fachsimpeln und die kleinen, rechteckigen Blättchen mit geübtem Blick unter die Lupe nehmen. Juliane Hundsdörfer nickt: „Bei uns im Verein gibt es nur zwei Frauen.“ Den Grund dafür glaubt die Seniorin zu kennen: „Frauen haben nicht so viel Zeit und Geduld für das Hobby. Als meine Kinder noch klein waren, habe ich auch eine Pause gemacht.“

Doch nun sammelt und tauscht Hundsdörfer wieder mit Begeisterung. Besonders gern mag sie Landschaftsmotive – deswegen kann sie mit vielen neuen Wertzeichen heute auch nichts mehr anfangen. „Früher waren die Marken schlichter. Jetzt will jedes Land das andere übertrumpfen“, hat sie beobachtet. „Es gibt runde, dreieckige und tropfenförmige Briefmarken. Außerdem welche aus Holz, Stoff, Goldfolie und sogar mit Geruch.“ Zu verspielt findet die 77-Jährige diese Trends.

Auch Reinhold Fröhlich hat im Laufe der Zeit Veränderungen bei den Briefmarken festgestellt. Der Ehrenvorsitzende des Lüneburger Briefmarkensammler-Vereins im Bund Deutscher Philatelisten bedauert, dass die Wertzeichen immer mehr zur Massenware werden, weil die Auflagen zu hoch seien. „Heute geht der Trend außerdem zur selbstklebenden Briefmarke. Die interessiert keinen Sammler.“Briefmarkentausch

Seine Sammelleidenschaft ist dennoch ungebrochen. „Das Schöne daran ist die Auseinandersetzung mit der Kultur anderer Länder“, sagt der 80-Jährige. Schade findet er, dass sich die Jugend von heute „lieber mit Playstation, E-Book und iPad“ zu beschäftigen scheint. Das Problem kennt auch Organisator Horst-Rüdiger Scholz: „Viele Schüler haben heute bis 15.30 Uhr Unterricht – da bleibt für Hobbys wenig Freizeit.“ Und somit für die Wertzeichen.

Um auch Jüngere für Briefmarken zu begeistern, gibt es in der Gellersenhalle nicht nur einen Stand der Jungen Briefmarkenfreunde Reppenstedt. Erfahrene Sammler aus dem Verein werben zudem in fünf Schulen Lüneburgs und Bardowicks für das Hobby. Denn sie wissen, wie viel Freude das Sammeln bereiten kann. „Ich erhole mich dabei und komme zur Ruhe“, erzählt zum Beispiel Juliane Hundsdörfer.