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Den Standort für den geplanten Bestattungswald stellen die Heiligenthaler infrage, vorneweg Michael Vollbracht-Squillante (M.), Ratsfrau Dr. Barbara von Düring (l.) und Gellersens ehemaliger Umweltbeauftragter Wilhelm Cors (r.). Foto: t&w
Den Standort für den geplanten Bestattungswald stellen die Heiligenthaler infrage, vorneweg Michael Vollbracht-Squillante (M.), Ratsfrau Dr. Barbara von Düring (l.) und Gellersens ehemaliger Umweltbeauftragter Wilhelm Cors (r.). Foto: t&w

Kritik an Ruheforst wächst

dth Heiligenthal. Immer mehr Heiligenthaler schließen sich den Kritikern des geplanten Bestattungswaldes im Naturschutzgebiet Hasenburger Bachtal an. Zudem verschafft sich die Bürgerinitiative, die sich derzeit um Mitglieder des „Arbeitskreises Dorfentwicklung Heiligenthal“ formiert, immer mehr Gehör, sei es durch eine eigene Internetseite oder Flyer in 1000er-Auflage, die Argumente gegen das Projekt auflisten. Dabei wehren sich die Anwohner nicht grundsätzlich gegen die Einrichtung eines Bestattungswaldes, sondern ziehen den Standort in dem naturgeschützen, historischen Buchenwald infrage.

Und sie halten dem Landkreis Lüneburg vor, „aufgrund mangelnder Informationen und hohen Zeitdrucks zu einer falschen Entscheidung gelangt zu sein“, sagt Anwohner Holger Kapell. Er vermutet: „Hätte die Behörde alle Informationen gehabt, hätte sie wohl nicht zugestimmt, den geplanten Bestattungswald von Verboten der Naturschutzgebietsverordnung zu befreien.“ Der Kreis weist die Kritik zurück und bittet, neue Erkenntnisse vorzutragen.

Für widersinnig hält die Befreiung auch Anwohnerin Dr. Barbara von Düring. Die Heiligenthalerin engagiert sich als Ratsfrau für die CDU im Gemeinderat Südergellersen sowie im Samtgemeinderat Gellersen. Sie sagt: „Die Betreiber werben dafür, dass es ein Gewinn ist, wenn der Wald für 99 Jahre durch den Ruheforst gesichert wird. Aber einen besseren Schutz als den Naturschutz gibt es doch nicht und der soll für das Areal teilweise aufgehoben werden. Die Samtgemeinde sollte sich lieber nach weniger sensiblen Standorten umsehen.“

Bei der Entscheidung, die Befreiung von Vorgaben des Naturschutzgebietes zu erteilen, hat sich die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis vor allem nach dem sogenannten „landschaftspflegerischen Begleitplan“ gerichtet, den ein Planungsbüro im Namen der Samtgemeinde Gellersen und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen als Antragssteller erarbeitet hat. Dabei bemängelt Anwohner Holger Kapell: „Meines Erachtens wurde nicht der Tragweite des Projektes entsprechend tief genug untersucht.“ Vor allem die Erfassung der Tierwelt sei mangelhaft.

Stefan Bartscht, Leiter des Fachdienstes Umwelt, räumt auf LZ-Nachfrage ein: „Wir haben keine eigene Erfassung gemacht.“ Aber: „Wir haben die Kartierungsarbeiten der zuständigen Biologin eng begleitet und dabei mehr Begehungen durchgeführt, als es sonst üblich ist.“ Zudem hätten „Gutachter von BUND und Nabu das Ergebnis bestätigt und für das Projekt ebenfalls ihre Zustimmung,“ sagt Bartscht. Dabei heißt es sogar im landschaftspflegerischen Begleitplan selbstkritisch, dass die Begehungen erst Ende April stattgefunden haben: „Daher sind Aussagen über das Brutvorkommen von Arten mit früher Balzzeit () nur eingeschränkt möglich.“

Zu den Vorhalten Kapells sagt Bartscht: „Wir haben Zweifel, dass der Schwarzstorch oder der Kranich in dem Bestand brütet und sehen deshalb keinen Grund zu reagieren. Wir würden uns aber wünschen, dass diejenigen, die konkrete Erkenntnisse haben, uns diese zur Verfügung stellen. Dann kann es sein, dass wir die Befreiung anpassen müssen. Das könnte im äußersten Fall auch das Aus des Projektes bedeuten.“

Am Sonnabend, 18. Januar, laden die Samtgemeinde Gellersen und die Landwirtschaftskammer zu einer Begehung des möglichen Ruheforstes Heiligenthal ein, mit anschließender Aussprache im Feuerwehrhaus Heiligenthal. Treffpunkt ist um 13.30 Uhr an der Zufahrt zum möglichen Ruheforst (Südergellerser Weg).