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Rund 70 Bürger sind der Einladung von Samtgemeinde und Landwirtschaftskammer gefolgt und haben an der Begehung des geplanten Ruheforstes teilgenommen. Viele von ihnen lehnen das Projekt ab, fürchten Beeinträchtigungen für Tier- und Pflanzenwelt in dem naturgeschützen Buchenwald. Foto: t&w
Rund 70 Bürger sind der Einladung von Samtgemeinde und Landwirtschaftskammer gefolgt und haben an der Begehung des geplanten Ruheforstes teilgenommen. Viele von ihnen lehnen das Projekt ab, fürchten Beeinträchtigungen für Tier- und Pflanzenwelt in dem naturgeschützen Buchenwald. Foto: t&w

Weiter Unruhe um Ruheforst

off Heiligenthal. Eingeladen hatten die Samtgemeinde Gellersen und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zu einer Aussprache. Doch auch nach drei Stunden Diskussion standen sich Planer und Gegner des geplanten Ruheforstes bei Heiligenthal am Sonnabend unversöhnlich gegenüber. Rund 70 Bürger hatten das Angebot von Samtgemeinde und Landwirtschaftskammer zu einer gemeinsamen Begehung des Waldstückes genutzt, die meisten von ihnen mit einer klaren Meinung: Ruheforst ja, aber nicht an dem vorgesehenen Standort. Auch alles Werben und Erklären der Verantwortlichen nützte nichts der geplante Ruheforst bei Heiligenthal wird wohl auch weiterhin für Unruhe sorgen.

Dass daran auch ihre eigene Informationspolitik Schuld sei, räumte Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers gleich zu Beginn der Veranstaltung ein: „Ja, es ist nicht so gelaufen, wie es hätte laufen können.“ Seit Anfang Januar bemühen sich Samtgemeinde und Landwirtschaftskammer deshalb um Offenheit mit durchwachsenem Erfolg. Zur Begehung am Sonnabend waren die Bürger zahlreich erschienen, die geplante Exkursion zum Ruheforst bei Gartow eine Woche zuvor musste die Samtgemeinde allerdings wegen zu wenig Anmeldungen absagen. Dennoch versicherte Röttgers: „Ihre Ängste werden von uns sehr ernst genommen.“

Die Kritik dreht sich an dem geplanten Ruheforst vor allem um den Standort. „Wir sind für diese Begräbniskultur, aber nicht hier“, stellte eine der Kritikerinnen klar. Das ausgewählte Waldstück liegt im Naturschutzgebiet Hasenburger Bachtal und viele Heiligenthaler fürchten, dass die Tier- und Pflanzenwelt in dem historischen Buchenwald durch die Einrichtung eines Ruheforstes Schaden nehmen wird. „Ich halte es für einen Fehler, dass die einzige Perle hier für eine Begräbnisstätte geopfert wird“, klagte ein Teilnehmer. Die Forderung der Kritiker: Ein anderer Wald soll gesucht werden, „der besser geeignet ist“.

Doch wie sehr beeinträchtigt ein Ruheforst die Natur tatsächlich? Glaubt man Frank Haufe und Heiner Rupsch als Vertreter der Landwirtschaftskammer, ist ein Ruheforst auch „aus naturschutzrechtlicher Sicht sinnvoll“. Glaubt man den Kritikern, werden Pflanzen und Natur nicht nur unter den Pflegemaßnahmen, sondern vor allem unter dem „Begräbnistourimus“ leiden. Dabei verweisen mittlerweile beide Parteien auf die Naturschutzverbände.

So erklären die Planer bereits seit Wochen, dass BUND und NABU das Vorhaben als Chance sehen. Und am Sonnabend betonte vor Ort auch Renate Backhaus vom BUND, dass der Verband nicht grundsätzlich gegen das Projekt sei. Am Freitag hingegen machte eine E-Mail der BUND-Regionalverbands-Vorsitzenden, Christiane Schubert, die Runde, in der sie das Vorhaben aus ökologischen Gründen ablehnt.

Ein Missverständnis, wie Schubert am Sonntag aufklärt. „Diese E-Mail war zum Einen nicht für die Öffentlichkeit gedacht, zum Anderen hatte ich da die Information, dass jährlich 100 Bestattungen stattfinden.“ Tatsächlich habe der BUND nichts gegen den Ruheforst, solange gewisse Auflagen eingehalten werden. „Wir werden uns mit der Unteren Naturschutzbehörde zusammensetzen und dann eine schriftliche Erklärung dazu rausgeben“, sagt Schubert, nicht ohne ihrem Ärger Luft zu machen, „dass man uns als Naturschutzverband in diesem Streit nutzt, wie man uns gerade braucht“.

Wie hoch Bestattungs- und Besucherzahlen im Ruheforst tatsächlich sein dürften, stellte am Sonnabend Anneken Roschke von der Unteren Naturschutzbehörde klar: „Die gefühlte Gesamtbelastung darf 900 Personen pro Jahr nicht überschreiten“, die Obergrenze bei den Bestattungen liege bei 30 pro Jahr. Zahlen, auf die sich die Kritiker nicht verlassen wollen, sie sind überzeugt: Es würden weitaus mehr Menschen kommen. Noch ist allerdings offen, ob der Ruheforst Heiligenthal überhaupt kommt: Entscheiden wird am Montag, 24 Februar, der Samtgemeinderat.