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Seit Monaten wird über die Erweiterung der Grundschule Reppenstedt in den politischen Gremien diskutiert. Jetzt hat der Samtgemeinderat Gellersen der Anbau-Variante mit einem Volumen von 1,12 Millionen Euro zugestimmt. Foto: t&w
Seit Monaten wird über die Erweiterung der Grundschule Reppenstedt in den politischen Gremien diskutiert. Jetzt hat der Samtgemeinderat Gellersen der Anbau-Variante mit einem Volumen von 1,12 Millionen Euro zugestimmt. Foto: t&w

Alles für die super Bildungskette

dth Reppenstedt. Am Ende der Diskussion gab es von den Gruppensprechern von SPD/Grüne und CDU/FDP noch einen letzten verbalen Seitenhieb für die Gegenseite. Dann folgte die Abstimmung, ob die Samtgemeinde Gellersen deutlich tiefer in die Tasche greifen soll, um die zuletzt immer größer gewordenen Umbau- und Erweiterungspläne für die Grundschule Reppenstedt zu finanzieren. Der notwendige Nachtragshaushalt ging mehrheitlich durch. Und zwar mit den Stimmen von SPD/Grüne und SOLI sowie des Samtgemeindebürgermeisters Josef Röttgers (parteilos), der eingangs noch für das „schlüssige und runde Paket“ für die Grundschule geworben, aber auch von einer „Hypothek“ für die nächsten Jahre gesprochen hatte. CDU/FDP enthielten sich geschlossen. Sie kritisierten, dass die Ratsmehrheit den Schuldenabbau aus dem Blick verloren habe.

Anstatt des Anbaus zweier Unterrichtsräume für 340000 Euro oder eines „Mensagebäudes“ für 500000 Euro hatten sich Schul- und Bauausschuss für den Kompromiss ausgesprochen, beides umzusetzen. Plus Umbau unter anderem des Sanitärbereichs, um die Vorgaben für die Inklusion zu erfüllen. Gesamtkosten: rund 1,12 Millionen Euro. Als die Kostenkalkulation erstmals dem Finanzausschuss vorlag, zweifelte die CDU-Fraktion den Kompromiss an. Im Samtgemeinderat kam es nun zum Schwur.

Doch zunächst stellte Samtgemeinde-Kämmerer Dietmar Meyer die erste Eröffnungsbilanz vor, die künftig Grundlage der kommunalen Buchführung sein wird. Demnach verfügt Gellersen über ein Gesamtvermögen von rund 27 Millionen Euro, der größte Teil entfällt auf Sachvermögen wie Grundstücke, Feuerwehrgerätehäuser oder Abwasserkanäle. Das Eigenkapital der Samtgemeinde liegt bei 19,5 Millionen Euro. Dem standen zum Stichtag 1.10. 2010 Schulden von rund 4,3 Millionen Euro gegenüber.

Schulden waren auch Thema bei der Debatte um die Schul-erweiterung. Verwaltungschef Röttgers: „Es geht hier um die Zukunft unserer Kinder.“ Dafür sei nicht nur ein gutes Bildungsangebot notwendig. „Wir müssen auch darauf achten, dass wir folgenden Generationen einen überschaubaren Schuldenstand hinterlassen.“ Der Nachtragsetat mit einer Erhöhung von 845300 Euro auf insgesamt 10835100 Euro mit einer Kreditaufnahme von 471000 Euro sei auch eine „Hypothek für den nächsten Doppelhaushalt 2015/2016“.

SPD-Fraktionschef Dr. Hinrich Bonin sagte: „Das herausragende Merkmal von Gellersen ist die super Bildungskette.“ Angesichts des starken Zuzugs sei das gut ausgebaute Bildungsangebot, angefangen bei den Krippen, ein wichtiger Baustein für die weitere Entwicklung. „Wer in Gellersen leben will, soll kommen. Wir sorgen für Platz und Qualität.“ So sei der Ausbau der Grundschule um Unterrichtsräume und Multifunktionsraum mehr als eine bloße Kapazitätserweiterung.

Hartmut Glodzei (Grüne) lobte die Planung: „Wir tun mehr, als das unbedingt Notwendige. Und die geringe Nettoneuverschuldung ist angesichts der angeschobenen Projekte vertretbar.“ Abzüglich Tilgung beläuft sich die Nettoneuverschuldung auf 145900 Euro.

Das sah Manfred Illmer (FDP) anders: „In den letzten Jahren wurde das Haushaltsvolumen in Einnahmen und Ausgaben von 8,5 auf jetzt rund elf Millionen gesteigert und wir haben die Schulden nicht zurückgeführt.“ Dem trat Jürgen Hesse (SOLI) entgegen: „Gellersen hat eine gute Leistungsbilanz und wir haben auch mehr Aufgaben übernommen.“ Dazu sagte CDU-Fraktionschef Peter Bergen: „Wir trauern der Zeit hinterher, als wir noch Schulden abbauen und trotzdem in Bildung investieren konnten.“ Zudem bemängelte er die geringe Bereitschaft der Gemeinde Reppenstedt, neues Bauland auszuweisen, damit auch der Zuzug ermöglicht wird und Infrastruktur wie die Grundschule erhalten bleibt. „Bauen Sie keine neue Landwehr auf“, sagte Bergen. Darauf erwiderte später Claudia Kalisch (Grüne), wie Bergen Mitglied im Reppenstedter Gemeinderat: „Wir haben den Ansatz für die Planung in Reppenstedt bereits erhöht.“

Darauf forderte Bonin Bergen auf, dem Nachtragshaushalt zuzustimmen, wenn er den Schulanbau für eine tolle Idee hält. Bergen konterte: „Wir tragen den Schulausbau mit, enthalten uns aber beim Nachtragshaushalt.“ Dann legte er nach: „Zuzug erfordert Bauleitplanung.“ Bonin: „Das ist wohl ein Witz. Sie haben das Modell Einheitsgemeinde wohl nicht verstanden.“ Bergen: „Sie auch nicht, denn wir haben noch keine.“