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Noch steht die defekte Hackholzschnitzel-Heizung hinter der Gellersenhalle in Reppenstedt. Bis Ende Juni hat der verantwortliche Ingenieur noch Zeit, Demontage und Verwertung bei der Samtgemeinde Gellersen anzumelden. Anderfalls gehen die Verwertungsrechte an die Kommune über.
Noch steht die defekte Hackholzschnitzel-Heizung hinter der Gellersenhalle in Reppenstedt. Bis Ende Juni hat der verantwortliche Ingenieur noch Zeit, Demontage und Verwertung bei der Samtgemeinde Gellersen anzumelden. Anderfalls gehen die Verwertungsrechte an die Kommune über.

Warten auf die Demontage

dth Reppenstedt. Das Geld für die Wiedergutmachung ist längst auf dem Gemeindekonto verbucht, doch die defekte Heiz-Anlage steht noch immer an Ort und Stelle. Noch läuft die Frist bis zum 30. Juni. Bis dahin muss der verantwortliche Uelzener Ingenieur eine Erklärung bei der Samtgemeinde Gellersen abgegeben haben, ob er die einst als innovativ gepriesene Holzhackschnitzel-Heizung demontiert und wieder mitnimmt. Anderenfalls bleibt der Samtgemeinde ein Selbstverwertungsrecht, so sieht es der Vergleich vor, den die Samtgemeinde vor dem Lüneburger Landgericht erwirkt hatte.

Bereits Ende November vergangenen Jahres war der juristische Schlussstrich unter den jahrelangen Streit gezogen worden. Kürzlich wurden der Gemeinde die Vergleichsumme sowie die anteiligen Gerichts- und Gutachterkosten überwiesen: insgesamt mehr als 340000 Euro.

Dabei hatte sich der Streitwert selbst auf rund 341000 Euro belaufen. 88 Prozent davon wurden schließlich als Vergleichszahlung vereinbart. Doch die Samtgemeinde hatte neben den Gerichtskosten auch „vorprozessuale Anwaltskosten“ sowie Sachverständigen-Gutachten zu bezahlen: Insgesamt mehr als 45000 Euro. Auch davon haben der beklagte Ingenieur und seine Versicherung 88 Prozent übernommen.

Bestandteil des Vergleichs war zudem, dass der Ingenieur die defekte Anlage, die noch immer hinter der Gellersenhalle ihr Dasein fristet, auf eigene Rechnung abbauen und verwerten darf. Seit Abschluss des Vergleichs hat er ein halbes Jahr Zeit, eine entsprechende Erklärung abzugeben, und danach ein weiteres halbes Jahr für die Demontage. Auf LZ-Nachfrage sagte jetzt Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers: „Bisher liegt uns noch keine Erklärung dazu vor. Sollte die Offerte nicht ziehen, schaue ich dem ganz gelassen entgegen.“ In dem Fall dürfte die Samtgemeinde die Anlage selbst verwerten.

Hintergrund: Im Mai 2006 hatte der Uelzener Ingenieur von der Samtgemeinde Gellersen den Auftrag erhalten, eine neue Heizungsanlage zu planen, die den Reppenstedter Gebäudekomplex aus Grundschule, Rathaus, Turn- und Gellersenhalle mit Wärme versorgt. Die Wahl fiel auf die Heizungsvariante mit der Befeuerung durch Holzhackschnitzel bei Investitionskosten von insgesamt rund 500000 Euro. Seit Februar 2008 war das „innovative Energieprojekt“ jedoch nur wenige Wochen in Betrieb. Dann war der Heizkessel ausgebrannt, die Anlage defekt.

Dabei stand seinerzeit ohnehin eine Stilllegung der haushohen Anlage durch den Kreis Lüneburg im Raum. Denn die Lärmgrenzwerte wurden laut einem Dekra-Gutachten nicht eingehalten: Anstatt mit einem Lärmdruckpegel von maximal 40 Dezibel, ratterten die Holzhackschnitzel nachts mit 47 Dezibel in den Ofen. Darauf hatte die Samtgemeinde schließlich auch die Schadensersatzklage abgestellt und letztlich den Vergleich erzielt, bei der sich die Samtgemeinde Gellersen getrost als Sieger nach Punkten sehen darf.