Dienstag , 27. September 2016
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Sie sind sich schnell handelseinig geworden: Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers (l.) und Blumenhändler Thomas Bleker haben gestern den Kaufvertrag für die Holzhackschnitzelheizung in Reppenstedt besiegelt. Foto: t&w
Sie sind sich schnell handelseinig geworden: Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers (l.) und Blumenhändler Thomas Bleker haben gestern den Kaufvertrag für die Holzhackschnitzelheizung in Reppenstedt besiegelt. Foto: t&w

Hickhack endet überraschend

dth Reppenstedt. Das Unvermögen des einen, ist das Glück des anderen: Unverhofft hat jetzt die Samtgemeinde Gellersen die seit Jahren defekte Holzhackschnitzelheizung hinter der Reppenstedter Gellersenhalle verkauft. Dabei wollte zuvor der zuständige Uelzener Ingenieur die Anlage verwerten. Das Recht war seiner Versicherung im vergangenen November beim Vergleich eingeräumt worden, nachdem die Gellerser vor dem Landgericht Lüneburg Schadenersatzklage eingereicht hatten. Der Kaufvertrag war auch schon fertig, nur erklärte die Gegenseite zu spät, dass sie die Anlage tatsächlich veräußern wolle. Die Frist lief jetzt aber bereits Ende Mai aus. So fiel im letzten Moment das Selbstverwertungsrecht an die Samtgemeinde. Sie stieg anstelle des Uelzeners in den Kaufvertrag ein.

Seit gestern ist der neue Eigentümer, ein Blumenfachhändler aus Wiesbaden, dabei, die seit mehr als sechs Jahren stillstehende Anlage abzubauen.

„Mein Mitgefühl hält sich in Grenzen“, sagte Gellersens Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers gestern fröhlich kurz nach der Vertragsunterzeichnung. „Ich freue mich sehr über die ungeplante Einnahme für die Samtgemeinde.“ Über den genauen Kaufpreis schweigen sich beide Seiten aus. Röttgers sagte nur soviel: „Mit der Verkaufssumme haben wir jetzt etwas mehr als 100 Prozent des geltend gemachten Schadens ausgeglichen.“ Der Streitwert war auf 341.000 Euro beziffert worden. Als Vergleichszahlung waren schließlich 88 Prozent des Streitwerts vereinbart worden: rund 300 000 Euro. Durch den Verkauf hat die Samtgemeinde also mehr als 40 000 Euro zusätzlich erlöst.

Thomas Bleker, Geschäftsführer von Blumen Bleker GmbH, sagte: „Der Wechsel des Verkäufers kam überraschend. Aber schließlich ist es mir egal, von wem ich die Anlage kaufe, solange es rechtens ist.“ Die 172-kW-Anlage soll künftig in Wiesbaden Gewächshäuser beheizen. Dass die Anlage defekt ist, treibt Bleker nicht weiter um. „Jedes Geschäft ist ein Risiko. Ich glaube aber, dass die Anlage reparabel ist.“ Mit insgesamt vier Mann haben sie gestern damit begonnen, die Heizungsanlage zu demontieren. Auch die Container für die Holzhackschnitzel nimmt die Firma mit. Alleine die Betonblöcke, auf denen die Container ruhen, bleiben zunächst stehen sowie die Einhausung der Ofenanlage, die sich noch als Abstellraum eignet.

Die Mehreinnahmen für die Samtgemeinde kommen gerade zur rechten Zeit: Die Verwaltung bereitet einen Nachtragshaushalt vor. Laut Gellersens Kämmerer Dietmar Meyer wird das Geld zur „Deckung der Mehrausgaben“ im laufenden Jahr genutzt. Beispielsweise ist der Anbau an der Grundschule Reppenstedt für den am Donnerstag Richtfest gefeiert wird teurer geworden, derzeit wird mit 390 000 Euro statt 350 000 Euro gerechnet. Entsprechend geringer falle auf der anderen Seite nun die geplante Aufnahme neuer Kredite aus.

Mit dem Verkauf der Anlage geht das jahrelange Hickhack um die Holzhackschnitzelheizung zuende: Im Mai 2006 hatte der Uelzener Ingenieur im Auftrag der Samtgemeinde die Anlage geplant: zur Beheizung von Grundschule, Rathaus, Turn- und Gellersenhalle bei Investitionskosten von rund 500000 Euro. Seit Februar 2008 war das „innovative Energieprojekt“ aber nur wenige Wochen in Betrieb.

Der Heizkessel war ausgebrannt und eine Stilllegung stand wegen der nicht eingehaltenen Lärmgrenzwerte ohnehin im Raum, weswegen die Samtgemeinde schließlich die Schadenersatzklage eingereicht hatte.