Mittwoch , 28. September 2016
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Brechen eine Lanze für die Einheitsgemeinde (v.l:) Josef Röttgers, Ursula Freitag (SPD), Andreas Bahlburg (CDU), Dieter Bönsch (Stellvertretender Bürgermeister, SPD) und Hans-Jürgen Nischk (CDU). Foto: t&w
Brechen eine Lanze für die Einheitsgemeinde (v.l:) Josef Röttgers, Ursula Freitag (SPD), Andreas Bahlburg (CDU), Dieter Bönsch (Stellvertretender Bürgermeister, SPD) und Hans-Jürgen Nischk (CDU). Foto: t&w

Auf dem Weg zur Einheit

kre Südergellersen. In der Samtgemeinde Ilmenau ist der Vorstoß gescheitert. Auch die Dahlenburger werden das Thema ,,Einheitsgemeinde“ so schnell wohl nicht mehr anfassen. Trotzdem wollen sich die Gellerser von den negativen Erfahrungen in den Nachbarkommunen nicht entmutigen lassen, im Gegenteil: In den vergangenen Wochen hat sich eine zwölfköpfige Arbeitsgruppe intensiv mit den Vor- und Nachteilen einer Umwandlung der Samt- in eine Einheitsgemeinde befasst. ,,Ziel ist es, ein zukunftssicheres Modell einer Gemeindestruktur zu entwickeln“, sagt Südergellersens Bürgermeister Andreas Bahlburg (CDU). Wie das aussehen könnte, wollen die Kommunalpolitiker jetzt bei vier Info-Veranstaltungen vorstellen, bevor dann am 12. Oktober die Meinung der Bürger zu diesem Thema gefragt ist. Denn an diesem Sonntag findet dann die Bürgerbefragung zum Thema ,,Einheitsgemeinde“ statt.

„Für uns ist diese Befragung eine gute Möglichkeit, noch einmal ein repräsentatives Meinungsbild der Gellerser zu diesem Thema zu bekommen“, sagt Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers. Das letzte Wort über die Einführung oder die Ablehnung der Einheitsgemeinde haben dann jedoch die Räte.

,,Wir haben das Thema zum richtigen Zeitpunkt auf die politische Agenda gesetzt“, ist Kirchgellersens Bürgermeisterin Ursula Freitag überzeugt und setzt nach: ,,Wir haben keinen politischen Handlungsdruck, können also in Ruhe alle Vor- und Nachteile abwägen“. Ein Argument, das Westergellersens Bürgermeister Hans-Jürgen Nischk unterstreicht: ,,Verantwortungsvolle Politik bedeutet, über den Tellerrand hinaus zu schauen, die Kommune fit zu machen nicht nur für die nächsten fünf, sondern für die nächsten 20, 30 Jahre.“

Deshalb hatten die vier Gellerser Gemeinderäte schon vor geraumer Zeit grünes Licht für die Bildung der ,,Arbeitgsgruppe Kommunalreform“ gegeben. Sie setzt sich zusammen aus den Bürgermeistern der Mitgliedsgemeinden beziehungsweise der Samtgemeinde, Mitgliedern der Räte sowie Mitarbeitern der Samtgemeindeverwaltung. ,,Das Thema wird in der Öffentlichkeit immer wieder kontrovers diskutiert“, weiß Röttgers. Ob in der Samtgemeinde Ilmenau, in Dahlenburg oder aktuell in Amelinghausen oder in den Gellerser Dörfern die Sorgen und Bedenken gleichen sich: Gehen in einer Einheitsgemeinde Ehrenamt, Identität, Bürgernähe oder demokratische Einflüsse verloren? Werden sich die kommunalen Dienstleistungen für die Bürger verschlechtern, Steuern und Abgaben womöglich steigen?

,,Wir nehmen solche Bedenken ernst“, sagt Ursula Freitag, kann aber beruhigen: ,,Sollte die Einheitsgemeinde kommen, wird das nicht zu Lasten des Ehrenamtes, der Vereine und Verbände gehen. Im Gebietsänderungsvertrag derzeit noch ein Entwurf seien nämlich alle freiwilligen Leistungen der Kommunen festgehalten. ,,Statt der Gemeinderäte entscheiden künftig dann die Ortsräte über die freiwilligen Leistungen“, sagt Freitag und Röttgers ergänzt: ,,Die Ortsräte würden künftig über ein eigenes Budget verfügen.“ Als Ortschaften würden die bisherigen Gemeinden Reppenstedt, Kirchgellersen, Südergellersen und Westergellersen gelten. Die Ortsräte würden allerdings deutlich kleiner ausfallen als die bisherigen Gemeinderäte. Die Zahl der Ortsratsmitglieder beispielsweise für Reppenstedt betrüge sieben, in den Gellerser Dörfern jeweils fünf.

Zum Vergleich: Der Reppenstedter Gemeinderat zählt derzeit 21 Ratsherren und -frauen, der Kirchgellerser Rat 13.
Diese hohe Zahl an ehrenamtlichen Mandatsträgern ist aber Fluch und Segen zugleich: Denn wie in vielen anderen Kommunen haben auch die Gellerser Parteien zusehends Probleme, ihre Mandatslisten mit Namen zu füllen. ,,Kommunalpolitik ist zeitaufwändig, da muss man sich im Klaren drüber sein“, sagen Bahlburg und Nischk und diese Zeit könnten oder wollten, immer weniger aufbringen.

Dass Bürgernähe verloren geht, sollten die Räte der Einheitsgemeinde zustimmen, glaubt keiner der Bürgermeister, die sich zum Pressegespräch im Südergellerser Gemeindebüro zusammengefunden haben. ,,Bleckede und Adendorf sind auch Einheitsgemeinden und beide Kommunen funktionieren ebenfalls prima“, findet der stellvertretende Reppenstedter Bürgermeister Dieter Bönsch.

Im übrigen werde schon heute viel von der Samtgemeinde für die Gemeinden geregelt, angefangen vom Krippen- und Kindergartenwesen über die offene Jugendarbeit bis zu der Verwaltung der kommunalen Friedhöfe. ,,Und das klappt bestens“, finden Bönsch und seine Mitstreiter, die in der Umwandlung der Samt- in eine Einheitsgemeinde denn auch keine Nachteile, aber viele Vorteile sehen.

 

Termine für Infoveranstaltungen
Vier Infoveranstaltungen zum Thema ,,Einheitsgemeinde“ sind in der Samtgemeinde Gellersen geplant. Die erste Veranstaltung findet statt am 16. September, um 19.30 Uhr in Kirchgellersen in der Schulaula. Die nächsten Termine sind am 18. September, 19.30 Uhr in Reppenstedt (Schulaula), am 23. September, 19.30 Uhr in Südergellersen im Dorfgemeinschaftshaus und am 25. September, um 19.30 Uhr in Westergellersen im Clubraum des Mehrzweckgebäudes.