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Die eigene Kraft austesten: Trainer Dennis Dübel fordert die Viertklässler der Grundschule Westergellersen zum Zuschlagen auf. Foto: uk
Die eigene Kraft austesten: Trainer Dennis Dübel fordert die Viertklässler der Grundschule Westergellersen zum Zuschlagen auf. Foto: uk

Ringen und Raufen mit Respekt

uk Westergellersen. Leonie zögert. Sie hat die Finger ihrer rechten Hand gekrümmt, den Handballen nach vorne geschoben, so wie es Trainer Dennis Dübel gerade vorgemacht hat. „Streck den Arm und leg alles auf diesen Schlag“, ermuntert der Kursleiter die Zehnjährige, „du bist eine starke Frau, du kannst das.“ Konzentriert fixiert Leonie nun das gelbe Brett, das der Trainer sich in Bauchhöhe vor den Körper hält und schlägt mit voller Kraft zu. Tatsächlich bricht das stabile Brett in zwei Teile. Etwas verblüfft betrachtet Leonie ihre Hand, die das geschafft hat. „Das hat auch gar nicht weh getan“, sagt sie stolz.

Bretter durchschlagen steht an diesem Morgen auf dem Stundenplan der vierten Klasse an der Grundschule Westergellersen. Alle Mädchen und Jungen haben sich im Halbkreis in der Turnhalle aufgestellt und folgen konzentriert den Anweisungen von Dennis Dübel. Der hat Spezialbretter dabei, die bei kräftigem Aufschlag auseinanderbrechen und sich wieder zusammen fügen lassen, das gelbe Exemplar etwas dünner, das rote deutlich dicker. Was auf den ersten Blick wie Karatetraining wirkt, ist ein Projekt von Schule und Schulsozialarbeit unter dem Titel „Ringen und Raufen“.

„Die Kinder der ersten und vierten Klasse lernen dabei, ihrem natürlichen Bewegungsdrang und ihrem Bedürfnis nach körperlicher Auseinandersetzung nachzugehen und zwar so, dass es harmlos bleibt“, erklärt Schulsozialarbeiterin Renate Dehning. An der Schule gebe es absolut kein Gewaltproblem, betont die Pädagogin, „aber Spaßkämpfe sind ein Thema in jeder Pause.“ Sich dabei zu behaupten, aber auch Grenzen zu erkennen, das könne man üben. Die praktischen Tipps dafür kommen von Dennis Dübel, Ju-Jutsu-Trainer im Lüneburger Kraftsportverein. Er führt seit einigen Jahren mit Kindern und Erwachsenen Selbstverteidigungskurse durch.

„Ziel ist zuerst die Prävention“, sagt Dübel. „Die Kinder bekommen Strategien an die Hand, wie sie gefährliche Situationen erkennen und sich raushalten können“, erklärt Dübel. Das Bretterdurchschlagen helfe, die eigenen Kräfte einzuschätzen: „Es ist gut, wenn ich weiß, wie stark ich bin. Gleichzeitig steckt da aber auch die Warnung drin: Ihr könnt jemandem heftig weh tun, wenn ihr mit der Faust auf den Bauch zielt. Das hat also bei Spaßkämpfen nichts zu suchen.“ Während Raufereien auf dem Schulhof meist harmlos enden, können Gefahren außerhalb der Schule lauern, etwa auf dem Schulweg. Deshalb haben die Kinder als Hausaufgabe ihren Schulweg aufgezeichnet. Als „Rettungsinseln“ werden sichere Orte eingetragen, etwa der Bäcker oder der Kindergarten, wo man Hilfe holen kann. Am meisten Spaß macht der Klasse aber die Bretteraktion: Mit mal mehr, mal weniger Motivation durch den Trainer gelingt es allen Mädchen und Jungen, die Bretter zu zerschlagen. Dübel verspricht noch eine Steigerung: „Nächstes Mal bringe ich echte Bretter mit“, kündigt der Ju-Jutsu-Trainer an.