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Dominique Rudolph, Bezirksförsterin in Kirchgellersen, mit einer Jiffy-Pflanze: Das rund zwei Jahre alte Bäumchen wird in einem Torfquelltopf (Jiffy) mithilfe eines Pflanzrohrs in die Erde gebracht. Die Wurzeln können sich so behutsam an den neuen Boden anpassen. Foto: emi
Dominique Rudolph, Bezirksförsterin in Kirchgellersen, mit einer Jiffy-Pflanze: Das rund zwei Jahre alte Bäumchen wird in einem Torfquelltopf (Jiffy) mithilfe eines Pflanzrohrs in die Erde gebracht. Die Wurzeln können sich so behutsam an den neuen Boden anpassen. Foto: emi

Waldbäume aus dem Topf

emi Reppenstedt/Kirchgellersen. Was auf den Weihnachtsbaumplantagen in Kanada und Skandinavien längst gang und gäbe ist, erreicht seit ein paar Jahren auch Deutschland: Das sogenannte Jiffy-System, eine Art „Wald aus dem Topf“. Jetzt kam die neue Pflanztechnik erstmals auf einer privaten Waldfläche zwischen Reppenstedt und Kirchgellersen zum Einsatz. Was sich dahinter verbirgt, demonstrierte Dominique Rudolph, Bezirksförsterin in Kirchgellersen, den Mitgliedern der Forstbetriebsgemeinschaft Kirchgellersen beim alljährlichen Waldbegang.

„Jiffies, das sind kleine Torfquelltöpfe, in die die Saat direkt eingepflanzt wird“, erklärt die 28-Jährige. Die Pflanze wächst im Behältnis heran. „So kann sich das Wurzelwerk gut entwickeln und wird beim Einpflanzen in den Boden nicht verformt.“ Das feinmaschige Netz des Torfquelltopfes löst sich in der Erde allmählich auf. Dominique Rudolph zählt einige weitere Vorteile der Pflanzmethode auf: „Die jungen Bäumchen können besser gelagert werden, und ihre Wurzeln sind beim Transport vor Austrocknung geschützt.“

Beim Jiffy-System werden die Pflanzen mithilfe eines Pflanzrohrs, genannt „Pottiputki“, in den Boden gebracht: Eine Art Schere am unteren Ende des Rohrs gräbt ein Loch in die Erde, der junge Baum wird anschließend samt Quelltopf in die obere Öffnung des Pflanzrohrs gesetzt, rutscht nach unten durch und landet im Waldboden. So muss sich der Pflanzwirt nicht bücken und schont seinen Rücken. Am Ende des Vorgangs zieht er lediglich das Rohr aus dem Boden und tritt die Erde um das Bäumchen herum fest, fertig.

Auf der zwei Hektar großen Waldfläche zwischen Reppenstedt und Kirchgellersen wurden mithilfe des Jiffy-Systems 2000 rund 20 bis 40 Zentimeter große, etwa zweijährige Douglasien in die Erde gesetzt. „Die Kiefern-Naturverjüngung ist hier nicht wie gewünscht von selber angewachsen“, begründet Dominique Rudolph. „Die Zapfen der alten Kiefern gehen normalerweise im Frühjahr auf, und die Saat fällt heraus. Das hat hier nicht so gut geklappt.“ Die Bezirksförsterei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen musste nachhelfen mit Jiffy-Pflanzen.

„Der Waldbesitzer fragte mich, weil wir auf anderen Flächen bereits mehrmals nachgebessert hatten und die Pflanzen immer wieder vertrocknet sind, ob es nicht noch andere Varianten gibt und ob wir früher pflanzen können im Herbst.“ Da hatte Dominique Rudolph die Idee mit den Quelltöpfen. Denn die Methode verlängert die Pflanzzeit. Die Jiffy-Pflanzen seien allerdings auch rund ein Viertel bis ein Drittel teurer als normale, sagt die 28-Jährige.

Trotzdem hofft die Bezirksförsterin vom Forstamt Uelzen, dass durch ihre Präsentation das Interesse weiterer Mitglieder an der neuen Methode geweckt worden ist. Der Waldbegang wird einmal im Jahr ausgerichtet, um Mitglieder über aktuelle Themen zu informieren.

One comment

  1. Da sind die Bayern schon weiter. Dort wird erforscht, ob eine Saat von Bäumen nicht effizienter ist. Die Ergebnisse sind wohl vielversprechend. Der Aufwuchs entspricht dem Bestand nach einer Pflanzung. Ich denke die Saatmethode wäre günstiger. Wildverbiss gibt es ja immer und da wäre es um diese Topfpflanzen schade!