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Den ganzen Tag lang führte Carsten Hövermann von der Betreibergemeinschaft Besuchergruppen über das Gelände der Biogasanlage in Kirchgellersen, erläutert auch die Funktionsweise des Blockheizkraftwerkes, das zur Versorgung der Anlage mit Wärme dient. Foto: uk
Den ganzen Tag lang führte Carsten Hövermann von der Betreibergemeinschaft Besuchergruppen über das Gelände der Biogasanlage in Kirchgellersen, erläutert auch die Funktionsweise des Blockheizkraftwerkes, das zur Versorgung der Anlage mit Wärme dient. Foto: uk

Energie vom Acker

uk Kirchgellersen. Die Planung für eine Biogasanlage in Kirchgellersen erhitzte lange Zeit die Gemüter im Gemeinderat, mit Anwohnern und Betreibern wurde viel über das Projekt diskutiert. Inzwischen ist die Anlage im Gewerbegebiet an der Schützenstraße fertiggestellt und bereits seit einem Dreivierteljahr in Betrieb. Am Wochenende fand nun auch die offizielle Einweihung statt, mit einem kleinen Festakt, vor allem aber mit einem großen Tag der offenen Tür für die Bevölkerung: „Wir wollen den Leuten zeigen, was wir hier genau machen“, sagt Carsten Hövermann von der Betreibergemeinschaft. Ein Angebot, das viele für einen Familienausflug nutzten: Den ganzen Tag über nahmen Besucherguppen an Führungen teil, kletterten auf die Fermenter oder warfen einen Blick in das Blockheizkraftwerk (BHKW).

„Toll, dass das Interesse so groß ist“, freute sich Hövermann, der am Nachmittag bereits zehn Führungen über das Gelände absolviert hatte, „die Leute lassen sich die Technik genau erklären, wollen wissen, wie alles funktioniert“. Auskunft geben können die Kirchgellerser Landwirte Carsten und Jürgen Hövermann sowie Hartmut Dittmer und Wilhelm Wölper, die zur Betreibergemeinschaft gehören: Im Gegensatz zu den meisten Anlagen im Umkreis produziert die Kirchgellerser Anlage keinen Strom, sondern Methangas, das aufbereitet ins Erdgasnetz der Avacon eingespeist wird. „Unser Gas wird im Raum Hamburg in BHKW verbraucht“, sagt Hövermann. Die Energie aus Kirchgellersen versorge so 4800 Haushalte mit Strom und 600 Haushalte mit Wärme.

Gefüttert wird die Anlage mit Mais, Zuckerrüben, Roggensilage und auch mit einem zehnprozentigen Möhrenanteil. „Das sind Möhren, die verformt oder zu groß für die Verpackung sind“, sagt Hövermann. Die Rohstoffe werden alle 30 Minuten kontinuierlich in die großen Gärbehälter eingefüllt und dort auf 42 Grad Celsius erhitzt. Nach der Gärung setzt ein aufwendiger Aufbereitungsprozess ein. „Das Wesentliche steckt in diesem Turm“, erklärt Hövermann und deutet auf den silbernen meterhohen Behälter: „Der ist voll mit einer Art Lockenwicklern, die dafür sorgen, dass Kohlendioxid abgeschieden und das verbleibende Methangas den richtigen Trocknungsgrad erhält, um ins Erdgasnetz eingespeist zu werden.“

Wie es mit der Sicherheit angesichts der gefährlichen Gase bestellt sei, möchte ein Besucher wissen. „Die Anlage überwacht sich selbst“, so Hövermann, „sollte ein Leck auftreten oder Kohlendioxid entweichen, würde automatisch abgestellt.“ Informationen, die Katrin Ihlemann mit Interesse aufnimmt. „Wir wohnen ganz in der Nähe“, sagt die zweifache Mutter, „da wollten wir uns die Anlage mal ansehen.“ Bisher habe sie wenig davon mitbekommen, sagt die Kirchgellerserin. „Man hat von Zeit zu Zeit das Gefühl, dass mehr Trecker fahren, aber wirklich störend finde ich das nicht. Es sieht allerdings so aus, als gebe es mehr Maisfelder.“ Ein Eindruck, der nicht täuscht: „Bisher haben wir auf unserem Hof gar keinen Mais angebaut“, sagt Hövermann. Nun sind es 70 Hektar, auf 10 weiteren Hektar sind es Rüben für die Gasproduktion. Den Anbau von Stärkekartoffeln und Raps hat Hövermann dafür aufgegeben. Erleichtert sind die Betreiber, dass der Protest gegen ihr Projekt offenbar verstummt ist: „Natürlich ist nicht jeder froh, dass hier so eine Anlage steht“, weiß Hövermann. Die Regelungen für den Verkehr seien aber offenbar ausreichend: „Bei uns kam bisher keine Kritik an.“

One comment

  1. Kirchgellersen wird schöner und schöner.