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Bei Hans-Hermann Schulz sitzt jeder Handgriff: Sein Trecker Ursi aus polnischer Produktion startet erst nach dem Vorglühen mit einer Lötlampe. Foto: uk
Bei Hans-Hermann Schulz sitzt jeder Handgriff: Sein Trecker Ursi aus polnischer Produktion startet erst nach dem Vorglühen mit einer Lötlampe. Foto: uk

Mehr als nur altes Blech

uk Kirchgellersen. Alte Trecker ziehen. Nicht nur Pflug, Egge oder Anhänger, sondern auch jede Menge Publikum. Darauf konnten sich die Organisatoren auch bei der 11. Auflage des Oldtimertreffens Kirchgellersen verlassen. Die Liebhaber von betagten landwirtschaftlichen Maschinen strömten am Sonntag, 7. September, wie in den Vorjahren auf das Veranstaltungsgelände am Einemhofer Weg und ließen sich dabei die Stimmung auch von kräftigen Regenschauern nicht verderben.

Für Veranstalter Jens Böttcher und seine Mitstreiter gab es diesmal auch eine ungewollte Premiere: Zum ersten Mal konnte die Kornernte „anno dazumal“, eine der Hauptattraktionen des Treffens, nicht durchgeführt werden: „Die Ernte ist buchstäblich ins Wasser gefallen“, sagt Böttcher, „drei historische Mähdrescher standen bereit, aber das Getreide war einfach zu nass.“ Nach drei Vorführungen musste zudem das Dreschen eingestellt werden, die historische Dreschmaschine der Mechterser Oldtimerfreunde hatte ihren Geist aufgegeben. So kann es eben gehen bei der Erntearbeit, egal ob historisch oder nicht. „Auch wenn wir an einigen Stellen improvisieren müssen: Die Stimmung ist einfach gut, die Besucher strömen und bei Regen rückt man eben ein bisschen unterm Zeltdach zusammen“, zeigt sich Böttcher rundum zufrieden. Den mehr als 200 Treckern macht der Regen ohnehin nichts aus: In langen Reihen parken Deutz, Lanz, Fendt oder Hanomag am Feldrand, bis ins Detail liebevoll restauriert und in leuchtenden Farben lackiert.

Um den taubenblauen Schlepper mit dem markanten schwarzen Auspuff, der mehr nach Schornstein aussieht, hat sich eine Menschentraube gebildet. Besitzer Hans-Hermann Schulz aus Stoetze führt vor, wie man den „Ursi“ aus polnischer Produktion, Baujahr 1958, ans Laufen kriegt: „Der hat ja keine Zündkerze, man muss den Motor vorzünden“, erklärt er. Schulz platziert eine mit Benzin gefüllte Lötlampe am Motorraum und heizt damit den Glühkopfmotor vor. Dann ein kraftvoller Dreh am Anlasser und der Trecker gibt sein dröhnendes Knattern von sich. Vor zehn Jahren entdeckte Schulz das ausrangierte Stück: „Er ist baugleich mit einem Lanz-Bulldog,“ erklärt der Experte, „er war ein Haufen Schrott, aber ich habe ihn Stück für Stück wieder auf Vordermann gebracht.“ Treckerrundfahrten und Strohhüpfburg, Schmiedefeuer, Kranfahrten in luftige Höhen die Veranstalter hatten sich erneut ein vielfältiges Rahmenprogramm überlegt. Weil das angekündigte moderne fahrbare Sägewerk, das an Ort und Stelle Holz bearbeiten sollte, nicht erschien, wurde kurzfristig umgeplant: Ein Maishäcksler der neusten Bauart zeigte auf dem Maisfeld im Vergleich mit einem historischen Vorgänger, was er drauf hat.

Das gelang auch den Teilnehmern beim Kreisleistungspflügen, das zum zweiten Mal im Rahmen des Treffens stattfand: „Der Wettbewerb wird beliebter“, freut sich Böttcher, „im letzten Jahr hatten wir sechs Teilnehmer, heute waren es 17.“ Denen kam die feuchte Witterung sogar gelegen: „Der Boden war weniger staubig als in den Tagen davor und ließ sich gut bearbeiten“, so Böttcher. Den ersten Platz beim Pflügen belegte Sven Stelter aus Bardowick.