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Das symbolische X, das sich bereits im Castor-Widerstand bewährt hat, stellt hier eine durchgestrichene Bahnlinie dar. Davon stehen nun 100 Stück in der Feldmark bei Vinstedt und markieren den möglichen Trassenverlauf einer Neubaustrecke Ashausen-Suderburg. Foto: t&w
Das symbolische X, das sich bereits im Castor-Widerstand bewährt hat, stellt hier eine durchgestrichene Bahnlinie dar. Davon stehen nun 100 Stück in der Feldmark bei Vinstedt und markieren den möglichen Trassenverlauf einer Neubaustrecke Ashausen-Suderburg. Foto: t&w

Widerstand gegen Bahnpläne wächst + + + Mit LZplay-Video + + +

dth Vinstedt/Westergellersen. Der Widerstand gegen die Bahnpläne wächst und nimmt neue Formen an: Einwohner des Dorfes Vinstedt in der Gemeinde Natendorf, Landkreis Uelzen, haben jetzt eine unübersehbare Landmarke gesetzt. In den vergangenen Tagen haben sie mit 100 jeweils vier Meter hohen Holzkreuzen ein Teilstück einer der umstrittenen Alternativ-Strecken für die Y-Trasse in der Landschaft abgesteckt, um zu zeigen, dass die Strecke nur wenige Hundert Meter vom Dorf entfernt entlang führen würde.

Zugleich wollen sie damit auf die bevorstehende Gründungsversammlung hinweisen, bei der ihre Bürgerinitiative (BI) in einen Verein umgewandelt werden soll: am Freitag, 12. September, ab 19.30 Uhr im Gasthaus Wilhelm in Hohenbünstorf. Auch im Kreis Lüneburg in der Gemeinde Westergellersen will sich die dortige Bürgerinitiative weiter in Stellung bringen. Für kommende Woche ist zudem im Kreis Harburg die Gründung einer kreisübergreifenden Dachorganisation geplant, die Bürgerinitiativen entlang der möglichen Neubau-Varianten Ashausen-Unterlüß/Suderburg vernetzen will.

Es muss wie eine große Prozession ausgesehen haben, als sich Einwohner des Dorfes Vinstedt aufgemacht haben, um die 100 Kreuze in der Feldmark aufzustellen. Am Ortsausgang Vinstedt in Richtung Ebstorf erstrecken sich die vier Meter hohen Gestelle in zwei Reihen. Sie markieren auch in der Breite eine mögliche Bahntrasse, die mit Blickrichtung Norden irgendwo am Horizont verschwindet. Vermessungsingenieur Jürgen Schröder war dafür einen Tag unterwegs gewesen, um die Trasse anhand der von der Bahn veröffentlichten Isophonen-Darstellungen abzupflocken.

Landwirt Hans-Wilhelm Haberland spendete für die Kreuze, die eine rot durchgestrichene Schiene darstellen, zwei Paletten Bretter und mehr als 70 Liter Farbe. „Das ganze Dorf hat beim Streichen, Zusammenschrauben und Aufstellen mitgemacht“, sagt Diplom-Agraringenieur Friedrich-Karl Bodin stolz. Weil die Bürgerinitiative befürchtet, dass die Neubau­trasse zudem nicht wie von der Bahn dargestellt hauptsächlich dem Güterverkehr dienen soll, sondern als Umleitungsstrecke für den Personenfernverkehr, haben die Vinstedter aus Strohballen und weißem Vlies noch einen ICE-Triebwagen in Originalgröße nachgebaut und auf die markierte Strecke gestellt.

Fritz Kaune aus Bohlsen vom örtlichen Aktionsbündnis sagt: „Wir wollen die Pläne der Bahn nicht unwidersprochen lassen. Wir müssen uns überörtlich, überregional mit anderen Betroffenen vernetzen, weil wir nur im gemeinsamen Kampf etwas gegen diese Trasse unternehmen können.“

Mögliche Bündnispartner könnten die Vinstedter in Westergellersen finden. Denn über die gleiche Variante macht sich auch die dortige Gemeinde Sorgen. Der Rat hatte sich kürzlich in einer Resolution gegen die Bahnpläne ausgesprochen. Und um allen Bürgern die Möglichkeit einer „umfassenden und fachlich fundierten Information über die von DB Netz AG geplanten Ausbaumaßnahmen zu geben“, lädt Bürgermeister Hans-Jürgen Nischk zu einer Bürgerinformation ein am Donnerstag, 11. September, 19.30 Uhr, in der Mehrzweckhalle der Grundschule Westergellersen. Als Referentin hat Landtagsabgeordnete Miriam Staudte (Grüne) zugesagt. Sie soll aus ihrer Sicht auch zum von Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) angekündigten ­Dialogprozess Stellung nehmen. Einzelne Trassenvarianten der Y-Alternativen wird Friedrich Goldschmidt von der Interessengemeinschaft (IG) Bahlburg aus dem Kreis Harburg darstellen. Bei der Gelegenheit vorstellen will sich auch die Bürgerinitiative aus Westergellersen.

Die diskutierten Neubauvarianten würden neben Uelzen auch Harburg sowie den Westkreis Lüneburgs bei Wester- und Kirchgellersen sowie bei Betzendorf und Barnstedt durchschneiden. Als erste Reaktion hatten sich bereits vor wenigen Wochen Vertreter aus Bahlburg, Raven, Salzhausen, Luhmühlen, Thieshope, Toppenstedt, Vierhöfen und Westergellersen zu einem Aktionsbündnis verabredet. Geplant ist nun die Gründung einer gemeinsamen Dachorganisation. „Wir wollen die Bürgerinitiativen entlang der Trassenvarianten Ashausen-Unterlüß/-Suderburg bündeln“, sagt Suzan Goldschmidt von der IG Bahlburg auf LZ-Nachfrage. Dazu seien auch Interessierte aus dem Kreis Uelzen eingeladen. Der Termin findet statt am Mittwoch, 17. September, 19.30 Uhr im Dörpshus in Bahlburg (Zollweg 23) im Kreis Harburg.

Ihren ersten großen Auftritt dürften die Bürgerinitiativen der Region dann am Donnerstag, 25. September, haben. Dann lädt die Deutsche Bahn erneut zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung ein ab 18 Uhr in der Stadthalle in Uelzen. Zwar hatte bereits eine solche Veranstaltung zu den Alternativ-Planungen der Y-Trasse in Soltau stattgefunden, aber Uelzens Landrat Dr. Heiko Blume hatte wiederholt auf den erheblichen Informations- und Diskussionsbedarf zu dem Thema hingewiesen.

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