Aktuell
Home | Lokales | Gellersen | Gegen Westergellerser Rennstrecke
Die Westergellerserin Karin Maukel (l.) hat ihre Nachbarn zusammengetrommelt, um gemeinsam für eine Verkehrsberuhigung in der Ortsdurchfahrt einzutreten. Unter den Anwohnern ist auch Oliver Kraemer (M.), Sprecher des Grünen-Kreisverbands. Foto: t&w
Die Westergellerserin Karin Maukel (l.) hat ihre Nachbarn zusammengetrommelt, um gemeinsam für eine Verkehrsberuhigung in der Ortsdurchfahrt einzutreten. Unter den Anwohnern ist auch Oliver Kraemer (M.), Sprecher des Grünen-Kreisverbands. Foto: t&w

Gegen Westergellerser Rennstrecke

dth Westergellersen/Dachtmissen. Es reicht ihnen: Insgesamt 60 Anwohner der Straße „Das Rote Feld“ in Westergellersen fordern in einem gemeinsamen Brief ihren Gemeinderat auf, sich für Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in der Ortsdurchfahrt im Zuge der Landesstraße 216 einzusetzen. Die langgezogene Strecke lädt Autofahrer zum Rasen ein, so die Kritik. Manche Anwohner mit Kindern bereuen im Nachhinein, an die Straße gezogen zu sein, andere fühlen sich bei ihrem Anliegen von ehemaligen Gemeindevertretern nicht ausreichend ernst genommen und hoffen nun bei Bürgermeister Hans-Jürgen Nischk auf ein offenes Ohr. Unterdessen verzeichnet die Gemeinde Reppenstedt einen Rückschlag, in ihren Bemühungen, Verkehrsberuhigungsmaßnahmen für den Ort Dachtmissen durchzusetzen (siehe Kasten).

In Westergellersen hat sich auch Oliver Kraemer, Anwohner und Sprecher des Grünen-Kreisverbands Lüneburg, den Kritikern angeschlossen. Er fordert zudem die Aufstellung eine Warnschildes „Achtung, Kinder“ in Höhe der Grundschule. „In der Ortseinfahrt Kirchgellersen steht auch so ein Schild. Warum ist das hier nicht möglich?“ Und Maren Eckholt, Mutter der siebenjährigen Carolin, kritisiert: „Meine Tochter muss manchmal minutenlang warten, bevor sie von unserem Grundstück aus sicher die Straßenseite wechseln kann.“ Es fehle nicht nur an Querungshilfen etwa am Ortsausgang Richtung Luhmühlen, sondern auch an Bürgersteigen. Die gemeinsame Unterschriftenliste überreichte jetzt Anwohnerin Karin Maukel an Westergellersens Bürgermeister Nischk.

Zur Frage des Warnschilds sagte Nischk: „In Kirchgellersen ist das eine Gemeindestraße, in Westergellersen eine Landesstraße und die zuständige Landesbehörde hat unsere Anfrage dazu abgelehnt.“ Zur Unterschriftenliste sagt Nischk: „Wir nehmen das als Gemeinde sehr ernst und überlegen, welche kurzfristigen Maßnahmen wir selber durchführen können, zum Beispiel das Aufstellen von Geschwindigkeitsmessgeräten oder das Aufbringen von Warnpiktogrammen auf der Straße.“ Mit Blick auf eventuell größere Baumaßnahmen zur Verkehrsberuhigung hofft er auf die laufende Bewerbung für das neue Dorferneuerungs-Programm im Verbund mit Kirchgellersen und Dachtmissen.

Doch ein Rezept hatte die Gemeinde Westergellersen bereits Anfang der 1990er-Jahre parat als der Maßnahmenkatalog für die damals geplante Dorferneuerung vorgelegt wurde. Darin hieß es: „Bei der Ortsdurchfahrt im Zuge der L216 sollten begleitende Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrsführung und zur Geschwindigkeitsdämpfung vorgenommen werden.

Das sind vor allem die Straßeneinmündungen und Kreuzungen, Bepflanzung, Beleuchtung, Überquerungshilfen durch Mittelinseln und Einengungen an den Ortseingängen.“

Die Kosten wurden seinerzeit auf 800000 Mark geschätzt. Zwischenzeitlich sind zumindest am Ortseingang aus Richtung Kirchgellersen ein Kreisel entstanden und eine Fußgängerampel in Höhe der Grundschule.

Warum aber aus den anderen Maßnahmen in den vergangenen Jahren nichts geworden ist, kann Nischk nicht sagen: „Ich war damals nicht im Rat, dazu müsste ich noch Aktenstudium betreiben. Jedenfalls planen wir in Westergellersen am 15. Oktober eine öffentliche Sitzung des Bauausschusses und werden uns mit dem Thema befassen.“

 

Rückschlag für Dachtmissen
Das hatten sich auch die Mitglieder des Reppenstedter Bauausschusses anders gewünscht. Ursprünglich wollten sie nach dem Vorbild der Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in Adendorf-Erbstorf auch an den Ortseingängen von Dachtmissen weiße Gatter aufstellen lassen. Doch da es sich um eine Kreisstraße handelt, bedarf es der Zustimmung der Landkreisbehörde. Gemeindedirektorin Susanne Stille teilte nun aber den Kommunalpolitikern bei der jüngsten Ausschusssitzung mit, dass die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises eine solche Maßnahme ablehne. „Wir dürften sie allenfalls aufstellen, wenn sie wesentlich kleiner ausfallen und mehrere Meter vor den Ortsschildern positioniert werden.“ Stattdessen schlage die Behörde vor, anstelle des bisher einen Ortsschildes künftig zwei Ortsschilder an den Einfallstraßen aufzustellen, um jeweils eine Art Torwirkung zu erzielen, die Autofahrer dazu anregen könnte, eher auf die Bremse zu treten.

Dass die Autos zu schnell durch den Ort rauschten, bezweifelt die Behörde ohnehin, es handele sich wohl eher um eine subjektive Wahrnehmung der Anwohner, die sich mit Messungen nicht belegen ließen, teilte Stille weiter mit. So hätten Messungen über einen Zeitraum von 18 Tagen ermittelt, dass das Gros der Autofahrer, rund 80 Prozent, im Durchschnitt mit 30 bis 50 km/h durch den Ort fahre. Zwar wurden neun Fahrzeuge mit 90 km/h innerorts gemessen, „qualitativ höherwertigen Baumaßnahmen“ zur Verkehrsberuhigung werde aber nur zugestimmt bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 85 km/h, sagt Stille. Bei der Ausschuss-Sitzung hingegen kritisierten Anwohner, dass das Messgerät ungünstig aufgestellt gewesen sei, hätte auch den wesentlich langsameren Kreuzungsverkehr mit aufgenommen und verfälsche die Relationen.

Nichtsdestotrotz sieht der Bauausschuss einmütig Handlungsbedarf. Einerseits stimmte das Gremium der Aufstellung zusätzlicher Ortsschilder zu und hofft darüberhinaus auf eine positive Entscheidung im Dezember über die Bewerbung für das Dorferneuerungsprogramm. In dem Zuge könnten auch bauliche Änderungen zur Verkehrsberuhigung in Angriff genommen werden. dth