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Gestern, 12. Oktober um  18 Uhr, Harald Helmchen, Anna-Luise Büning, Claus-Dieter Müller und Thomas Burghardt (von vorn) leeren einen der Stimmzettelbehälter  die Auszählung kann beginnen. Gegner und Befürworter der Einheitsgemeinde hatten sich vorher einen harten Kampf geliefert. Foto: be
Gestern, 12. Oktober um 18 Uhr, Harald Helmchen, Anna-Luise Büning, Claus-Dieter Müller und Thomas Burghardt (von vorn) leeren einen der Stimmzettelbehälter  die Auszählung kann beginnen. Gegner und Befürworter der Einheitsgemeinde hatten sich vorher einen harten Kampf geliefert. Foto: be

Bürger gegen Einheitsgemeinde

pet Reppenstedt. War das schon das Aus für die Bestrebungen, die Samtgemeinde Gellersen in eine Einheitsgemeinde umzuwandeln? Wenn es nach dem Willen der Bürger geht, offensichtlich ja: Bei der Bürgerbefragung in den Gellerser Dörfern stimmten gestern 55,52 Prozent der teilnehmenden Frauen und Männer gegen die Einheitsgemeinde, 44,48 Prozent dafür. Die Beteiligung war mit 30,45 Prozent der 10443 Wahlberechtigten höher, als die meisten Kommunalpolitiker erwartet hatten.

Es war wie bei einer ,,großen Wahl“: ,,Live“ sorgte Samtgemeindemitarbeiterin Ines Henne dafür, dass alle Einzelergebnisse per Beamer an die Wand des Besprechungszimmers im Reppenstedter Rathaus geworfen wurden. Bürgermeister, Ratsmitglieder und Interessierte kommentierten, nippten am Bier, knabberten Gebäck. Um 18.10 Uhr das erste Ergebnis: 56,4 Prozent ,,pro“ Einheitsgemeinde und 43,6 Prozent ,,contra“ aus dem ersten Reppenstedter Wahllokal, wenig später eine erste große Überraschung: Nur 16,8 Prozeit der Heiligenthaler stimmten für, aber 83,2 Prozent gegen die Einheitsgemeinde. Erst um 18.53 Uhr lag das letzte Ergebnis vor.

Wie erwartet, fiel auch insgesamt die Ablehnung der Einheitsgemeinde in Südergellersen am deutlichsten aus: 575 Abstimmungsberechtigte, das sind satte 81,6 Prozent, votierten dort dafür, die Samtgemeinde beizubehalten, nur 130 (18,4 Prozent) wünschten sich die Einheitsgemeinde. ,,In der Deutlichkeit hat mich das überrascht“, gab Bürgermeister Andras Bahlburg (CDU) zu. ,,Das ist ein eindeutiges Votum der Bürger gegen die Einheitsgemeinde. Wir müssen nun in der Fraktion besprechen, wie wir handeln.“

Nur in Reppenstedt, der einwohnerstärksten der Gellerser Gemeinden, sprachen sich die Bürger für die Einheitsgemeinde aus: 800 (60,1 Prozent) votierten dafür, 530 Reppenstedter (39,9) wollen die Samtgemeinde behalten. Bürgermeister Jürgen Backhaus (Grüne) will die Ergebnisse ,,erst einmal sacken lassen. Schade, dass unsere Argumente für die Einheitsgemeinde bei vielen Bürgern nicht angekommen sind oder akzeptiert werden.“

Ein Kopf-An-Kopf-Rennen bis zuletzt gab es in Kirchgellersen, wo 295 Bürger gegen und 293 für die Einheitsgemeinde stimmten. ,,Das Patt sagt natürlich nicht so richtig etwas über die Meinung der Kirchgellerser aus. Die Bürger haben es uns auf jeden Fall nicht leichter gemacht“, erklärte Bürgermeisterin Ursula Freitag (SPD).

Klar gegen die Einheitsgemeinde fiel die Abstimmung in Westergellersen aus, wo es 364 Stimmen (65,7) dagegen und 190 Stimmen (34,3) dafür gab. Bürgermeister Hans-Jürgen Nischk (CDU) sagte: ,,Das ist natürlich nicht erfreulich für unser Vorhaben. Ich hoffe, dass die Hypotheken der Zukunft auch von denen mitgetragen werden, die sich explizit gegen die Bildung einer Einheitsgemeinde gewandt haben.“

Sichtlich enttäuscht war auch Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers darüber, dass das Konzept, ,,an dem unter anderem die fünf Bürgermeister intensiv gearbeitet haben, um einen gemeinsamen Weg zu finden“, bei der Mehrheit der Bürger in der Samtgemeinde offenbar nicht angekommen ist. ,,Wir waren alle der Überzeugung, dass wir die Zukunft Gellersens mit der Umwandlung in eine Einheitsgemeinde positiv gestalten können. Das Ergebnis der Bürgerbefragung nehme ich mit Bedauern auf.“

Auch wenn das Resultat der Bürgerbefragung deutlich war, die Entscheidung über die Zukunft der Samtgemeinde Gellersen fällen die Politiker der vier Gemeinderäte die tagen am Donnerstag, 13. November, parallel, stimmen dann über den Entwurf des Gebietsänderungsvertrags ab.