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Plakate und Großformatbanner in einheitlichem Layout angefertigt haben Freiwillige auch in Westergellersen. Eberhard Leopold (am Trassenkreuz links) und Torsten Bebensee (daneben rechts) werben für das geschlossene Auftreten der Bürgerinitiativen gegen die Pläne der Bahn für Alternativen zur umstrittenen Y-Trasse. Foto: t&w
Plakate und Großformatbanner in einheitlichem Layout angefertigt haben Freiwillige auch in Westergellersen. Eberhard Leopold (am Trassenkreuz links) und Torsten Bebensee (daneben rechts) werben für das geschlossene Auftreten der Bürgerinitiativen gegen die Pläne der Bahn für Alternativen zur umstrittenen Y-Trasse. Foto: t&w

Alternative zu Plänen der Bahn

ml Westergellersen. Nein, ein Wutbürger sei er nicht, sagt Torsten Bebensee. Er ist ein Pendler wie Tausende andere auch im Landkreis Lüneburg – und als solcher auf die Deutsche Bahn angewiesen. Gleichwohl steht der Fachanwalt für Arbeitsrecht in seinem Heimatort Westergellersen als Sprecher an der Spitze der Bürgerinitiative „Keine Trasse durch Gellersen“, die gegen die Bahn mobil macht. Bebensee und seine Mitstreiter wehren sich gegen die Pläne für Alternativen zur umstrittenen Y-Trasse, mit der inzwischen die Kapazitäten sowohl für den Personen- als auch den Gütertransport erhöht werden sollen. Zwei der insgesamt fünf Alternativ-Trassen führen quer durch die Samtgemeinden Gellersen und Amelinghausen, je nach Variante nur wenige Hundert Meter östlich oder westlich an Westergellersen vorbei.

Auf einem Hof am Ortsrand Richtung Luhmühlen kleben Freiwillige am Wochenende Plakate, fertigen sogenannte Trassenkreuze und Großformatbanner. „Die werden an den Ortseingängen aufgestellt und haben ein einheitliches Layout“, erläutert der 38-jährige Bebensee und winkt einen älteren Herrn zu sich. Mit seinen 73 Jahren ist Eberhard Leopold fast doppelt so alt wie der Anwalt aus Westergellersen. Doch beim Widerstand gegen die Trassenpläne der Bahn spielt das Alter keine Rolle. Leopold kommt aus dem Nachbarort Vierhöfen und will Geschlossenheit demonstrieren. „Kämpft jede Bürgerinitiative für sich allein, haben wir keine Chance“, sagt der Vorsitzende des Bürgerbündnisses Nordheide, unter dessen Dach sich der Widerstand im Norden der möglichen Neubaustrecken Ashausen-Suderburg und Ashausen-Unterlüß formiert. „Der Bahn gemeinsam auf Augenhöhe begegnen“ ist der Leitsatz von Leopold, Bebensee und vielen anderen BI-Mitgliedern. Deshalb sei schon in dieser Woche der Schulterschluss mit dem Aktionsbündnis Ostheide im Kreis Uelzen geplant, soll ein Kooperationsabkommen unterzeichnet werden, so der Bürgerbündnis-Vorsitzende.

Am Ende soll die Planer der Bahn an allen Ortseingängen entlang der angedachten Trassen dasselbe Bild empfangen: ein Banner mit ICE, der ein Ortsschild durchbricht. Zudem planen die Bürgerinitiativen, den Trassenverlauf in der Landschaft mit meterhohen Kreuzen auszupflocken. „Jede BI arbeitet sich zwar an ihrem Streckenabschnitt ab, aber alle verfolgen das gemeinsame Ziel“, erklärt Bebensee. Geschlossenheit sei der Schlüssel zum Erfolg, nur durch Geschlossenheit ließen sich in entscheidenden Momenten Hunderte, wenn nicht gar Tausende Trassengegner mobilisieren.

Den Eindruck, nach dem St.-Florians-Prizinip (,,Überall, nur nicht vor meiner Tür…“) zu handeln, wollen Leopold und Bebensee nicht aufkommen lassen. „Wir wollen ein Konzept erstellen, das auf den punktuellen Ausbau von Bestandsstrecken wie der Amerikalinie setzt, und Neubaustrecken überflüssig macht“, sagt Leopold. Dazu wollen sich die Trassengegner des Sachverstandes aus den eigenen Reihen bemühen, haben aber auch Kontakt zu externen Experten aufgenommen, wie dem langjährigen Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn, Volker Thürk aus Celle. Der hatte bereits Ende September im Interview mit der LZ Neubaustrecken als Blödsinn bezeichnet. Nun soll er den Bürgerinitiativen helfen, ein Gegenkonzept zu erstellen.

Das Papier bringen die Trassengegner auch auf den Weg, weil sie erhebliche Zweifel an den Prognosen haben, mit denen die Bahn für Neubaustrecken in der Heide wirbt. „Die Zahlen sind veraltet, können nicht abbilden, was uns 2030 erwartet“, sagt Leopold. Und Bebensee ergänzt: „Die Bahn versorgt aber die Politik mit diesen Zahlen als Grundlage für eine spätere Entscheidung.“ Auch würde die unterschiedliche Betroffenheit der Menschen im Fall des Bestandsstrecken- und des Neubaus nicht berücksichtigt, moniert der Anwalt. „Bei Neubauten werden Betroffenheiten überhaupt erst geschaffen, beim Bestandsausbau sind sie bereits vorhanden.“