Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Die Botschaft der Südergellerser ist klar: Sie wehren sich vehement gegen die  mögliche Hochgeschwindigkeitstrasse der Bahn, die ganz nah an ihrem Ort vorbeiführen soll. Foto: t&w
Die Botschaft der Südergellerser ist klar: Sie wehren sich vehement gegen die mögliche Hochgeschwindigkeitstrasse der Bahn, die ganz nah an ihrem Ort vorbeiführen soll. Foto: t&w

Bürger machen mobil gegen Bahnpläne

kre Südergellersen. Sie lieben ihre Heimat. Sie lieben die Natur, die unberührten Wald- und Wiesenflächen. Für den Erhalt dieser Idylle sind sie bereit zu kämpfen. Am Sonnabendmorgen gingen mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger am Ortseingang von Südergellersen auf die Straße, um gegen den möglichen Bau einer Eisenbahnneubaustrecke zu demonstrieren. Und die Südergellerser sind mit ihrem Widerstand nicht allein. 14 weitere Gemeinden in den Landkreisen Harburg und Lüneburg rüsten ebenfalls gegen die Pläne zum Bau einer neuen Bahnstrecke von Ashausen nach Suderburg, beziehungsweise nach Unterlüß. Diese Planungen werden von der Bahn AG forciert, als mögliche Alternative zur Y-Trasse (LZ berichtete).

Die Temperaturen liegen nahe dem Gefrierpunkt, es weht ein unangenehmer Ostwind, doch die Stimmung ist aufgeheizt. ,,Was für ein Wahnsinn“, schüttelt Südergellersens amtierender Bürgermeister Lutz Tetau fassungslos den Kopf. Wie mit einem Lineal sei die Strecke durch die Landschaft gezogen worden: ,,Ohne Sinn und Verstand, mitten durch Quellgebiete, durch Wasser- und Landschaftsschutzgebiete.“

Zu den Protestlern gehören auch der Südergellerser Bernd Hanstedt und der Heiligenthaler Dieter Gerlach: Auch sie lehnen die Bahnpläne rundweg ab. Weil Natur unwiederbringlich zerstört, und die Lebensqualität der betroffenen Bürger in erheblichem Umfang eingeschränkt werde.

Lässt man an diesem kalten November-Morgen den Blick über die Wiesen, Felder und Wälder gleiten, kann man den Unwillen und den Zorn der Südergellerser gut verstehen: Schwer vorstellbar, dass diese Landschaft durch eine zweigleisige Hochgeschwindigkeitstrasse durchschnitten werden könnte, auf der dann tagsüber der ICE und nachts der Güterverkehr rollen soll. ,,Keine 450 Meter von der Wohnbebauung Südergellersens entfernt“, gibt Sabine Schuris zu bedenken. Selbst die Kleinsten im Ort wären von den Bahnplänen unmittelbar betroffen. Würden die Trassenpläne realisiert, müsste der Waldkindergarten weichen.

Doch damit der schlechten Aussichten nicht genug: Zwischen Südergellersen und Oerzen in dem Bereich, der schon als Vorrangstandort für Windkraftanlagen vorgesehen ist soll auch noch ein viergleisiger Überholbahnhof entstehen. Noch mehr Vernichtung von Fauna und Flora. Noch mehr Lärmbelästigung der Anwohner durch Brems- und Anfahrgeräusche, sollten diese Pläne tatsächlich Realität werden.

Bislang existieren sie nur auf dem Reißbrett, doch nicht nur der Südergellerser Henryk Reimers von der ,,Arbeitsgruppe Gellersen“ fürchtet, dass diese Überlegungen ganz schnell Wirklichkeit werden könnten, denn: ,,Die Variante Ashausen Suderburg, die die Samtgemeinde Gellersen durchschneidet, wird mit 1,4 Milliarden Euro als die kostengünstigste, die schnellste und als die Trasse mit den am wenigsten betroffenen Einwohnern dargestellt.“

Doch die Südergellerser wissen auch: Ihr Protest gegen die Bahnpläne gleicht einen Kampf David gegen Goliath. Deshalb hat sich bereits im September der Dachverband ,,Bürgerbündnis Nordheide gegen Eisenbahnneubautrassen“ gegründet. ,,Die Deutsche Bahn AG ist ein großer Gegner, dem man nur geschlossen mit einer großen Gemeinschaft entgegen treten kann“, sagt auch Eberhard Leopold, der Vorsitzende des Dachverbandes. Und mit dem ,,Aktionsbündnis für die Ostheide“ haben die Südergellerser und die anderen betroffenen Gemeinden bereits einen weiteren Verbündeten gegen die Pläne der Deutschen Bahn gefunden.

Das Bürgerbündnis Nordheide, zu dem auch die Arbeitsgruppe Gellersen gehört, lädt ein zu einer Info-Veranstaltung für Donnerstag, 11. Dezember, um 20 Uhr in das Dorfgemeinschaftshaus in Südergellersen.