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Während Jessica Remmers Shetlandpony Lissy über den Sandplatz in Westergellersen führt, thront Kessy auf dem schaukelnden Pferderücken  die Hundedame nutzt den Platz oft, um über den Zaun zu spähen. Foto: t&w
Während Jessica Remmers Shetlandpony Lissy über den Sandplatz in Westergellersen führt, thront Kessy auf dem schaukelnden Pferderücken die Hundedame nutzt den Platz oft, um über den Zaun zu spähen. Foto: t&w

Hütehund und Pony: ziemlich beste Freunde

Sie machen Handstand auf zwei Pfoten, putzen Schuhe oder teilen mit ihren Besitzern eine ganz besondere Partnerschaft: tierische Talente. In der gleichnamigen Serie stellt die LZ jeden Donnerstag eines von ihnen vor. In Teil 3: die besondere Freundschaft von Shetlandpony Lissy und Hütehundmischling Kessy aus Westergellersen.

emi Westergellersen. Mit eingezogenem Schwanz, angelegten Ohren und weit aufgerissenen Augen kauert der Welpe unter einem Brett: Ein halbes Jahr lang vegetiert der Hütehundmischling in einem polnischen Innenzwinger dahin, namenlos und zurückgezogen. „Als Kessy schließlich über eine deutsche Pflegestelle zu mir kam, war sie völlig verängstigt“, sagt Jessica Remmers. „Bei jedem Geräusch zuckte die Hündin zusammen, wenn ich sie streicheln wollte, hat sie sich geschüttelt.“

Westergellersen, ein Jahr später. Als der LZ-Fotograf die Stalltür öffnet, springt die zweijährige Hundedame ihm mit wedelndem Schwanz entgegen und beschnuppert ihn neugierig. Dann trippelt sie fröhlich zu Shetlandpony Lissy. Wenig später führt Besitzerin Jessica Remmers das 19-jährige Pony hinaus auf den sandigen Innenhof. Kessy tollt ausgelassen nebenher. Als die 35-Jährige kurz den Strick löslässt, nimmt ihn die Hündin ins Maul und zieht das Pferd spielerisch weiter. Kessy ist wie verwandelt und das hat viel mit ihrer großen Freundin zu tun.

Ende 2015 lernten sich der Angsthund und das alte Pony bei gemeinsamen Spaziergängen kennen. „Letztes Jahr ging es Lissy eine Zeit lang ganz schlecht, sie hatte chronische Hufrehe, konnte kaum auftreten“, sagt Jessica Remmers. Die Westergellerserin führte das Pony täglich am Halfter zur Weide, Kessy trottete an der Leine hinterher.

„Die beiden beschnupperten sich und haben nach und nach immer mehr Kontakt gesucht“, sagt Remmers. Normalerweise habe Lissy nach Hunden getreten, bei Kessy war das anders. „Zuerst habe ich die Hündin vorsichtig an Lissy hochspringen lassen, um dem Pony zu zeigen: Es passiert nichts. Irgendwann sagte ich: Hops und rauf!“ Und Kessy traute sich.

Auf dem Sandplatz in Westergellersen sind die Vierbeiner inzwischen voreinander stehen geblieben, kurz berühren sich Maul und Schnauze. Dann ruft Jessica Remmers Kessy zu sich und gibt der Hündin das bekannte Signal. Mit einem Satz springt der Mischling auf Lissys Rücken und setzt sich hin. Während die Besitzerin Lissy über den Platz führt, thront Kessy auf dem schaukelnden Ponyrücken, als sei es das Selbstverständlichste der Welt.

„Wenn Kessy mal etwas hinterm Zaun sehen möchte, nutzt sie den Rücken“, sagt Remmers und lacht. „Die zwei machen auch Fellpflege zusammen: Kessy schleckt Lissy das Fell ab und sie beknabbern sich gegenseitig. Wenn wir morgens in den Stall kommen, wartet das Pony schon ungeduldig. Die beiden haben eine innige Freundschaft.“ Eine Beziehung, die beide veränderte: Lissy tritt nicht mehr um sich. Und Kessy hat endlich ihre Angst abgelegt.
Ein Video von dem besonderen Hund-Pony-Gespann gibt es auf www.LZplay.de.

Im nächsten Teil dreht sich alles um einen besonderen Vogel. Sollten auch Sie ein tierisches Talent kennen, melden Sie sich unter Tel.: (04131)740287 oder schreiben Sie eine Mail an landredaktion@landeszeitung.de.