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Schafhalter Karl-Heinz Vogelsang (l.) und sein Verpächter Karsten Fuhrhop stehen vor Schafen, die nun gesichert hinter Gittern auf der Weide stehen. Foto: kre
Schafhalter Karl-Heinz Vogelsang (l.) und sein Verpächter Karsten Fuhrhop stehen vor Schafen, die nun gesichert hinter Gittern auf der Weide stehen. Foto: kre

15 Schafe auf Weide gerissen

kre Melbeck. „Das sind jetzt die bestgeschützten Schafe im Landkreis“, sagt Karl-Heinz Vogelsang mit bitterer Ironie – „gesichert wie in Fort Knox“: Aus gutem Grund, denn der Landwirt hat in den vergangenen Tagen 15 Tiere verloren. Alle vermutlich gerissen von einem Wolf. Mit letzter Sicherheit kann das Vogelsang zwar noch nicht beweisen, aber einiges deutet darauf hin: Angefangen von den vorgefundenen Spuren im weichen Boden bis hin zu der Art, wie die Schafe gerissen wurden – einige nämlich mit einem Kehlbiss. So, wie Wölfe ihre Beute zur Strecke bringen. Ob der 65-Jährige recht hat mit seiner Vermutung, muss jetzt die DNA-Analyse des niedersächsischen Umweltministeriums in Hannover zeigen. Das Ergebnis soll in absehbarer Zeit vorliegen.

Gleich drei Mal wurde seine Herde, die an der Gemarkungsgrenze in Melbeck auf der Wiese steht, heimgesucht. Das erste Mal in der Nacht zum 21. Oktober. Als Vogelsang morgens nach den Tieren schaute, lagen sechs gerissene Schafe auf der Weide. Zwei Nächte später das zweite Blutbad – mit drei toten Schafen. Und am 25. Oktober der letzte Angriff – dieses Mal wieder mit sechs toten Tieren. Um ein viertes Mal zu verhindern, hat der Landwirt die verbliebene und verschreckte Herde auf engem Raum hinter hohen Eisengattern eingezäunt. Zusätzlichen Schutz soll zudem ein Stromzaun bieten.

Experten, unter anderem der Wolfsberater des Landkreises Lüneburg Uwe Martens, haben sich den „Tatort“ genau angeschaut – sich gegenüber Karl-Heinz Vogelsang aber noch zurückhaltend geäußert. Martens gestern abend gegenüber der LZ: Wir haben an den unterschiedlichen Tagen unterschiedliche Bissspuren festgestellt !“ Das lässt unterschiedliche Interpretationen zu – „von Hunde-Attacken bis zum Wolf“, fasst Uwe Martens zusammen. Letzte Gewissheit soll daher die DNA-Analyse ergeben.

Gestern hatten sich die Mitglieder des „Arbeitskreises Wolf“ im Umweltministerium in Hannover zu einer Tagung getroffen, um die Probleme zu erörtern, die durch die Rückkehr des Wolfes entstehen.

Denn dass die Wölfe immer mehr werden, steht für Torsten Broder, Vorsitzender der Lüneburger Jägerschaft, außer Frage. In Südergellersen etwa wurde vor drei Tagen ein Wolf von einer Fotofalle abgelichtet, bei einer Drückjagd im Lopautal „wurden drei Wölfe beobachtet, die sich unbeeindruckt sonnten“, berichtet Broder.

Zwei Wölfe wurden von einem Jagdpächter auch bei Melbeck beobachtet, als sein Terrier anschlug – keine tausend Meter entfernt von der Stelle, an der die Schafe von Bauer Vogelsang gerissen wurden.

Auch in Radegast gehen vier gerissene Schafe höchstwahrscheinlich auf das Konto von Isegrim – allerdings steht auch hier der endgültige DNA-Beweis noch aus (LZ berichtete).

Broder ist sich sicher, dass die Zahl der Zwischenfälle noch zunehmen wird, Schaf- und Pferdehalter künftig noch mehr Maßnahmen ergreifen müssen, um ihre Tiere vor Wolfsangriffen zu schützen.

Der Wolf ist zurück – „und die Gesellschaft und die Politik müssen sich entscheiden, wie sie mit dieser Tatsache umgehen wollen“, sagt Torsten Broder. Den Jägern selbst sind die Hände gebunden: „Der Wolf ist eine streng geschützte Tierart“, erklärt der Vorsitzende: Selbst Wölfe, die etwa von einem Auto angefahren und schwer verletzt wurden, dürfen die Jäger bei der Nachsuche nicht von ihren Leiden befreien: „Das muss der Amtstierarzt machen.“

5 Kommentare

  1. Schon vor dem ersten Angriff hätte der Schäfer seine Tiere schützen können, es ist hinlänglich bekannt das der Wolf langsam aber sicher wieder heimisch werden darf!

  2. Warum hat der Landwirt seine Tiere nicht nach dem ersten Angriff in Sicherheit gebracht, sondern auf dieser Weide gelassen, so das noch zweimal ! Tiere gerissen werden konnten. Es ist doch klar, das jenesTier, was die Schafe gerissen hat, immer wieder zu diesem Ort zurückkehrt, wenn seine Jagd dort erfolgreich war. Das ist mir völlig unverständlich und passt für mich nicht zu einer verantwortungsbewußten Tierhaltung.

  3. Schon ziemlich verantwortungslos sein Eigentum nicht zu schützen ! Meine Hausrat zahlt auch nicht wenn ich die haustuer offen lasse….. Und schon gar nicht wenn vorher schon 3 x eingebrochen wurde….. Das grenzt schon Absicht , Dummheit oder Tierquaelerei zumal seit Monaten bekannt ist, dass der Wolf sich auch in unseren Gefilden wieder um die biodiversitaet kuemmert!….. Sofern es denn ein Wolf war……oder eher mehrere…..

  4. Hohe Eisengitter nützen nichts. Die Wölfe springen in der Regel nicht über hohe Zäune, sie buddeln sich unter dem Zaun durch. Deshalb sollte der Stromdraht auch eher in Bodennähe liegen.
    Es gibt einige Stellen, die Schafsbesitzer darüber beraten, wie man die Tiere effektiver vor Wölfen schützen kann. Dieses zum Beispiel:
    http://schaeferinformationsdienst.jimdo.com/
    Das Angebot sollte auch unbedingt wahrgenommen werden, wenn bekannt ist, dass sich Wölfe in der Nähe aufhalten! Alles andere wäre fahrlässig.

  5. Was ich hier lese zeugt von ungenügendem Wissen in der Nutztierhaltung. Bei uns gibt es noch keinen Wolf.
    Aber wenn ich jede Herde , die in der Landschaftspflege weidet, so absichern muss dass kein Wolf rankommt, kann ich schlicht und ergreifend aufgeben. Dieser Aufwand ist zeitlich und finanziell nicht zu schultern.
    Und ich bin nicht der einzige. Viele werden folgen.Resultat: Die ofenzu haltenden Flächen verbuschen wieder, und anstatt mit Tieren muss mit Maschinen und hohem Energieverbrauch alles bearbeitet werden, natürlich im Sinne unserer hochtechnisierten Gesellschaft .
    Es ist ein leichtes zu Hause zu sitzen und den Wolf zu begrüßen.
    Alle die soviel besser wissen:Geht doch zu einem Landwirt und helft aktiv mit!!!
    Wo seid ihr denn in der Tat und nicht nur mit Wissen???
    Erst dann werdet ihr mal feststellen wie aufwendig die Arbeit mit Tieren ist und wie wenig Verdienst übrigbleibt.Wie kann man eine mehrere Hektar umfassende Fläche schüzen? Und wie teuer wird das , vor allem:BEZAHLT IHR DAS???
    Es gibt schon Zaunsysteme, aber bitte zuerst über den Preis informieren!
    Solange in Deutschland Familien leiden müssen wegen fehlendem Geld, Kinder in der Schule keinen Unterricht erhalten weil bei Krankheit kein Ersatzlehrer da ist, brauchen wir da diese horrenden Ausgaben?
    Die Franzosen können bereits ein Lied davon singen wieviel Entschädigungen jährlich ausbezahlt werden müssen.
    Erst wenn die Befürworter auch aus eigener Tasche bezahlen und wie zB Jäger Wildschutzzäune errichten um die Ernte zu schützen ist die Gesellschaft bereit für den Großräuber.
    Also: Bitte nicht kommentieren was alles falsch gemacht wurde.
    Das ist die leichteste Art bei Befürwortung sich vor der Verantwortung zu drücken.
    Alle die pro Wolf sind: Kommt aus euren Gemäuern und stellt euch MIT den Betroffenen AKTIV und FINANZIELL dem Problem.