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Ilse Mazasek, ein Grünhagener Urgestein, und Wilma Laudan (r.), Mitglied im Bienenbütteler Arbeitskreis Geschichte, gucken sich gemeinsam alte Fotos an. Bei ihren monatlichen Treffen tüfteln die beiden alten Damen an ihrem geplanten Buch über Grünhagen. Foto: t & w
Ilse Mazasek, ein Grünhagener Urgestein, und Wilma Laudan (r.), Mitglied im Bienenbütteler Arbeitskreis Geschichte, gucken sich gemeinsam alte Fotos an. Bei ihren monatlichen Treffen tüfteln die beiden alten Damen an ihrem geplanten Buch über Grünhagen. Foto: t & w

Die Sage vom Silberberg

emi Grünhagen. Ilse Mazasek tippt mit ihrem Finger auf ein altes Schwarz-Weiß-Foto, das sie als junge Frau mit hochgerafftem Rock knöcheltief im Wasser stehend zeigt: „Guck mal, das ist die Straße am Beek nach einem Gewitterregen im Jahr 1961.“ Wilma Laudan beugt ihren Kopf über das Fotoalbum, blättert neugierig durch die Seiten. Die beiden alten Damen – ansonsten sehr unterschiedlich – verbindet das Interesse an der Historie Grünhagens: Gemeinsam arbeiten sie derzeit an einem bebilderten Geschichtsband über ihr Dorf, einen Ortsteil von Bienenbüttel. Wenn alles gut geht, soll das Werk im Frühjahr 2014 veröffentlicht werden.

Die Rollenverteilung beim Arbeiten ist klar: Laudan, 75 Jahre alt und Mitglied im Bienenbütteler Arbeitskreis Geschichte, ist für das Recherchieren zuständig: „Ich grabe mich durch die Archive und übernehme die Puzzlearbeit“, berichtet die Seniorin mit rauchiger Stimme. Zu ihrem Spezialgebiet gehört alles, was von den Anfängen zu Zeiten der Langobarden bis zum Zweiten Weltkrieg in Grünhagen geschah.

Das, was während des Kriegs und danach passierte, ist Sache von Ilse Mazasek. 1939 im Timmeschen Haus zur Welt gekommen, ist sie heute „die älteste, noch lebende, in Grünhagen geborene Einwohnerin“, wie sie stolz erzählt. Und damit eine wertvolle Augenzeugin.

Die 74-Jährige schreibt Geschichten mit der Hand und aus ihrem ganz persönlichen Blickwinkel – hauptsächlich über und für sich selbst, „um mit vielem fertigzuwerden“. Aber sie kennt auch die alten Sagen, die man sich rund um den Ort Grünhagen erzählte. Die schnappte sie als Kind auf.

Ilse Mazasek erinnert sich noch genau: „Um 1944 war die große Zeit des Schnapsbrennens. Die Erwachsenen klauten nachts gemeinsam Zuckerrüben vom Feld des Gutsherrn und machten klaren Schnaps daraus.“ Je mehr getrunken wurde, desto redseliger wurde die Gesellschaft. „Und ich saß unter dem Tisch und lauschte. Deswegen weiß ich heute so viele Geschichten“, sagt Mazasek und kichert. So hörte sie auch die Sage vom Silberberg.

„Das war eine der ersten Geschichten, die ich aufgeschrieben habe“, erzählt die 74-Jährige mit roten Bäckchen. „Als Wilma mich vor sechs bis sieben Jahren gefragt hat, ob ich etwas zu dem Geschichtsband beitragen könne, dachte ich zuerst, ich weiß nichts. Aber dann floss das nur so.“

Wilma Laudan nickt. Die gebürtige Lauenbrückerin musste sich ihr Wissen über Grünhagen erst mühsam erarbeiten. 1989 zog sie mit ihrem Mann ins alte Forsthaus am Bach. Seitdem gefällt es ihr so gut auf ihrer „kleinen Insel, umgeben von Wasser und Tieren“, dass sie gar nicht mehr weg möchte. Die Liebe zu dem Ortsteil Bienenbüttels teilt sie mit Ilse Mazasek, die ihr ganzes Leben in Grünhagen verbracht hat. Und für die feststeht: „Ich möchte um nichts in der Welt anderswo sein.“

Um auch andere Menschen an der Schönheit des Ortes teilhaben zu lassen, schreiben die beiden an dem Geschichtsband. Denn die Erinnerungen sollen nicht so schnell verblassen wie die Schwarz-Weiß-Bilder im Fotoalbum.