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IT-Experte Riko Pieper sagt den Schülern in Melbeck: Für Passwörter gilt das gleiche wie für Unterwäsche: Je länger, desto besser, häufig wechseln und nicht mit Freunden teilen. Foto: t&w
IT-Experte Riko Pieper sagt den Schülern in Melbeck: Für Passwörter gilt das gleiche wie für Unterwäsche: Je länger, desto besser, häufig wechseln und nicht mit Freunden teilen. Foto: t&w

Intimität gibt es im Netz nicht

dth Melbeck. „Datenschutz geht zur Schule“ hieß es anlässlich des „Safer Internet Days“ im Gymnasium Lüneburger Heide (GLH). Riko Pieper vom Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD) brachte dabei rund 100 Schülern Verhaltensregeln im Internet näher, die auch manchem Erwachsenen gut zu Gesicht stehen würden. Pieper, der sonst für die IT-Revision der Deutschen Flugsicherung arbeitet, sensibilisierte die Jugendlichen der 6. bis 8. Klassen für mehr Datenenthaltsamkeit, zeigte mögliche Fallstricke im Umgang mit sozialen Netzwerken auf und gab Tipps für sichere Passwörter.

„Wir haben online so viele Freunde, dass wir eigentlich ein neues Wort für die echten Freunde brauchen“, sagte Pieper, denn in sozialen Netzwerken wie Facebook sei „Freund“ mittlerweile „nicht mehr als die Bezeichnung für eine Zugriffsberechtigung auf personenbezogene Daten“. In dem Zusammenhang warf Pieper die Frage auf: „Weißt Du eigentlich, wer alles mitliest, was Du im Internet erzählst?“ Dabei müsse jeder Nutzer nicht nur die Gegenwart im Auge behalten. Denn das Internet vergisst nicht.

Wenn in wenigen Jahren etwa ein künftiger Arbeitgeber im Netz liest, dass beispielsweise Mathe ein „Hassfach“ des Bewerbers war, dürfe der sich nicht wundern, dass er eine Absage erhält. Von unvorteilhaften Partyfotos ganz zu schweigen. Pieper: „Auch wenn man einen selbstgeschriebenen Beitrag wieder löscht, kann es sein, dass eine Suchmaschine schneller war, der Beitrag zwar nicht mehr auf der Seite selbst, aber noch in den Suchergebnissen angezeigt wird.“ Trügerisch seien Chats, Webcam-Verbindungen oder soziale Netzwerke, die eine Intimität vorspiegeln, die es nicht gibt. Pieper: „Das Internet ist ein offenes Netz. Wenn man glaubt, man ist unter sich, liegt man daneben.“

Ein erstes Raunen ging durch die Schülerreihen, als Pieper die Systematik von Internetverbindungen erklärte. So habe in der Regel nicht nur jeder Server, jede Internetseite, sondern jedes internetfähige Gerät, ob PC, Smartphone oder Tablet, eine eindeutige IP-Adresse, die den Nutzer identifizierbar macht. Pieper: „Und wenn Ihr das Gefühl habt, Ihr seid über Euren Rechner direkt mit Facebook verbunden, ist das nicht so, sondern es geht über viele Zwischenstellen, die euch identifizieren und mitlesen können, was Ihr schreibt.“

Um einem möglichen Identitätsdiebstahl im Netz vorzubeugen, sind sichere Passwörter notwendig. Waren 2005 theoretisch etwa für ein siebenstelliges Passwort mit Sonderzeichen noch zwei Jahre Rechenzeit notwendig, um es zu knacken, dauerte es 2009 nur noch 4,8 Minuten. Pieper: „Die Rechner werden immer schneller, deswegen müssen auch Passwörter immer länger werden. Heute empfehlen wir Passwörter mit mindestens zwölf Stellen mit Zahlen und Sonderzeichen.“ Wichtig: Es dürfen keine Wörter oder Phrasen enthalten sein. Um sich die langen Hieroglyphen merken zu können, seien sogenannte Passphrasen hilfreich. Ein Passwortbeispiel lautet: „IbeFd1FCN baHS!“ Pieper: „Das Passwort ist die Abkürzung für ‚Ich bin ein Fan des 1. FC Nürnberg und besuche alle Heimspiele!‘.“

Tipps für mehr Sicherheit im Netz: www.watchyourweb.de.