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Auch Großeinsätze wie hier beim Feuer im Industriegebiet Lüneburg-Süd  im Frühjahr 2012 müssen die Männer und Frauen der Ilmenauer Wehren bewältigen. Foto: A/be
Auch Großeinsätze wie hier beim Feuer im Industriegebiet Lüneburg-Süd im Frühjahr 2012 müssen die Männer und Frauen der Ilmenauer Wehren bewältigen. Foto: A/be

In 8,5 Minuten am Einsatzort

Es war ein Aufschrei, der jüngst durch die Medien ging ausgelöst vom Landesrechnungshof. Viele ehrenamtliche Feuerwehren seien nur bedingt einsatzbereit, rügten die Kontrolleure. Mehr noch: Keine der geprüften Kommunen könne nachweisen, dass sie eine leistungsfähige, freiwillige Feuerwehr aufgestellt und ausgerüstet habe, heißt es unter anderem im Prüfbericht des Landesrechnungshofes. Doch offenbar haben die Prüfer nicht in die Samtgemeinde Ilmenau geschaut.

kre Melbeck. Bereits im Mai des vergangenen Jahres hat die Verwaltung auf Initiative der Feuerwehr ein externes Büro damit beauftragt, einen Feuerwehrbedarfsplan für die Samtgemeinde Ilmenau zu erarbeiten. Als erste Kommune im Landkreis Lüneburg überhaupt und lange, bevor der Landesrechnungshof mit seiner Kritik an die Öffentlichkeit ging. Jetzt wurde das gut 90 Seiten starke Gutachten während der Sitzung des Feuerwehrausschusses vorgestellt. Ein erstes Fazit: Der Brandschutz ist in der Samtgemeinde Ilmenau gewährleistet. Nur durchschnittlich 8,5 Minuten dauert es von der Alarmierung bis zum Eintreffen der ersten Feuerwehrmänner und -frauen am Einsatzort. ,,Ein äußerst befriedigender Wert“, konstatierte Gutachter Thomas Reible.

Denn damit liegen die Ilme­nauer Blauröcke absolut im Zeitplan, den auch der Landesrechnungshof abgeleitet von den Berufsfeuerwehren vorgibt. Acht Minuten nach der Alarmierung soll die Feuerwehr am Einsatzort eintreffen.

Mit der Verabschiedung des Feuerwehrbedarfsplans schreibt die Samtgemeinde Ilmenau zugleich auch ihre Schutzzielkriterien fest. Ein Novum, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern hat der Gesetzgeber in Niedersachsen (noch) keine verbindlichen Schutzzielkriterien für die Wehren definiert. In der Samtgemeinde Ilmenau will man sich deshalb jetzt auf Reibles Ratschlag hin an den Kriterien orientieren, die für die Wehren in Hessen oder auch Baden-Würtemberg gelten. Konkret bedeutet das: Innerhalb von maximal zehn Minuten sollen die ersten Kräfte am Einsatzort eintreffen und mit den Rettungs- und Löscharbeiten beginnen. Weitere Kräfte sollen spätestens fünf Minuten später zur Unterstützung anrücken.

Nun ist die Samtgemeinde Ilmenau mit ihren rund 10500 Einwohnern eine eher ländlich strukturierte Kommune. Und das bringt für die Feuerwehren durchaus Probleme mit sich, denn: Die meisten Ilmenauer und damit auch viele aktive Feuerwehrmänner und -frauen (209 Kräfte =78 Prozent) verdienen ihr Geld außerhalb ihres Wohnortes, sind im Ernstfall also nicht verfügbar. Nur der insgesamt hohen Anzahl der aktiven Kräfte in den sechs Feuerwehren der Samtgemeinde Ilmenau ist es laut Reible zu verdanken, dass der Brandschutz auch tagsüber gewährleistet bleibt.

Der Gutachter hat nachgerechnet: 49 Aktive haben ihren Arbeitsplatz in ihrer Heimatgemeinde, neun arbeiten im Nachbarort. Unterstützung könnte sie im Ernstfall noch durch einige Schichtdienstler bekommen, die tagsüber gerade zu Hause sind. Macht unter dem Strich also eine Einsatzstärke von rund 70 Aktiven aus. ,,Eine insgesamt beeindruckende Zahl“ lobt Reible, der trotzdem Feuerwehrführung und Politik rät, die Personalfrage nicht aus den Augen zu verlieren: Beispielsweise durch die Erhöhung des Anteils an freiwilligen Kräften unter den Gemeindemitarbeitern, durch Einbindung einpendelnder Feuerwehrkräfte aus anderen Kommunen, durch Erhöhung des Frauenanteils in den Wehren.

Keine Kritik übte der Experte an den Standorten der Feuerwehrhäuser wohl aber am baulichen Zustand einiger Gebäude. Dringenden Handlungsbedarf sieht er beispielsweise beim Feuerwehrhaus Kolkhagen, aber auch beim Feuerwehrhaus in Barnstedt (Abtrennung des Umkleidebereiches und Einbau einer Heizung), in Oerzen (Änderung der Situation im Zusammenhang mit dem Fahrzeug-Soll-Konzept) und in Melbeck (Abtrennung des Umkleidebereichs). In Embsen und Deutsch Evern hingegen gibt es seiner Expertise nach keinen ,,kurzfristigen“ Handlungsbedarf.

Auch zu den Fahrzeugen sagt der Feuerwehrbedarfsplan etwas: Derzeit verfügen die Wehren über insgesamt 18 Autos. Der Fuhrpark soll aber nicht nur regelmäßig erneuert, sondern mittelfristig auf 15 Fahrzeuge schrumpfen. Der Feuerwehrbedarfsplan soll nach Verabschiedung durch die Politik alle fünf Jahre fortgeschrieben werden, bestätigt aber im Grund schon das, was Gemeindebrandmeister Uwe Hauschild sowie die Frauen und Männer in seinen Wehren schon immer wussten: Die Ilmenauer sind eine schlagkräftige Truppe.