Mittwoch , 28. September 2016
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Pastor Thomas Müller (l.) ist dankbar, dass Bernhard Rahlfs (r.) das Feuer rechtzeitig bemerkte. Hätte der 54-Jährige nicht so schnell und gut reagiert, wäre der hölzerne Glockenturm Katharinen-Kirche in Embsen womöglich abgebrannt. Foto: emi
Pastor Thomas Müller (l.) ist dankbar, dass Bernhard Rahlfs (r.) das Feuer rechtzeitig bemerkte. Hätte der 54-Jährige nicht so schnell und gut reagiert, wäre der hölzerne Glockenturm Katharinen-Kirche in Embsen womöglich abgebrannt. Foto: emi

Der Turmretter

emi Embsen. Es ist kurz vor 2 Uhr morgens, als bei Bernhard Rahlfs in Embsen das Telefon klingelt. Seine Frau Ingrid teilt mit, sie sei beim Austragen der LZ umgeknickt, er müsse für sie einspringen. Bernhard Rahlfs zögert nicht lange, schwingt sich auf sein Fahrrad und eilt zu Hilfe. Ein Glücksfall nicht nur für Ingrid Rahlfs und die Zeitungsabonnenten. Denn als der erfahrene Feuerwehrmann sein Zweirad an einem Wohnhaus gegenüber der mehr als 700 Jahre alten Katharinen-Kirche in Embsen abstellt, bemerkt er Glut am Glockenturm. Und informiert sofort geistesgegenwärtig die Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle. Fünf Minuten nach Alarmauslösung treffen 35 Feuerwehrleute aus Embsen und Oerzen an dem historischen Turm ein.

„Wären wir eine Viertelstunde später gekommen, hätte das schon ganz anders ausgesehen“, sagt Embsens stellvertretender Ortsbrandmeister Friedo Kröger. Denn der Turm besteht innen und außen aus Holz und der hölzerne Dachstuhl der angrenzenden Kirche ist kaum einen Meter entfernt.

„Als ich mein Fahrrad abstellte, hörte ich in der Stille der Nacht ein Knistern aus Richtung Kirche“, schildert Bernhard Rahlfs. „Außerdem nahm ich einen leichten Brandgeruch wahr.“ Der 54-Jährige wird stutzig und dreht sich um. „Da sah ich hinter der Mauer einen gluthellen Streifen am unteren Ende des Turms.“ Der Oberlöschmeister ruft sofort die Einsatzleitstelle an und verhindert dadurch Schlimmeres. Um 2.12 Uhr geht bei den Brandschützern in Embsen und Oerzen der Pieper.

Eine Viertelstunde später wird der Pastor der Katharinen-Kirche durch Blaulicht auf dem Kirchengelände wach. Thomas Müller sieht die Feuerwehrleute von seinem Schlafzimmerfenster aus und eilt in der Dunkelheit zu ihnen. Stunden später steht der 57-Jährige bei Tageslicht vor den Überbleibseln des beinahe entstandenen Feuers.

Ein paar Bretter am Fuße des Turms sind verkohlt, die grüne Holzverkleidung wirft Blasen, ein Eckstück liegt abgesplittert auf dem Boden. „Ich bin total dankbar, dass jemand zufällig da war“, sagt Müller. „Wenn es richtig gebrannt hätte, wäre das historische Bauwerk dahin gewesen. Dann wären vielleicht sogar die Glocken aus dem 13. und 14. Jahrhundert runtergedonnert.“ Ein beunruhigender Gedanke. „Das fängt ja nicht von selber zu brennen an…“ Auch Bernhard Rahlfs will sich nicht ausmalen, was alles hätte passieren können. „Wir haben schon als Kinder hier gespielt. Ich war erschrocken, dass es hier brennt.“

Die Polizei vermutet Brandstiftung. Hinweise nimmt die Polizei Melbeck unter Tel.: 04134 / 91790-0, entgegen.