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Die letzte Tour: Zusteller Benno Engel verabschiedet sich in den Ruhestand, und nicht nur Jutta Kleiske sagt Danke. Foto: kre
Die letzte Tour: Zusteller Benno Engel verabschiedet sich in den Ruhestand, und nicht nur Jutta Kleiske sagt Danke. Foto: kre

Ein „Postengel“ auf seiner letzten Tour

kre Melbeck/Barnstedt. Dass es Engel gibt daran zweifeln viele Bürger in der Samtgemeinde Ilmenau nicht eine Sekunde: Nur, dass ihr Engel keine Flügel hat, sondern mit dem gelben Postauto kommt. 24 Jahre hat Benno Engel der Mann in der blau-gelben Uniform heißt wirklich so die Post in Teilen Melbecks, Barnstedts und Kolkhagens zugestellt. Am vergangenen Sonnabend, 2. August, war sein letzter Arbeitstag. Doch der wurde zu einer langen Abschiedstour mit vielen Danksagungen, Umarmungen, so mancher Träne im Auge, kleinen Präsenten und besten Wünschen für sein künftiges Pensionärsleben. Benno Engel geht nach 45 Dienstjahren in den Ruhstand. Die LZ hat den 59-Jährigen auf seiner letzten Fahrt als „Postengel“ ein Stück des Weges begleitet.

Der Abschied fällt Benno Engel mindestens genauso schwer, wie seinen Kunden. Auch wenn wohl jedem klar ist, dass auch ein ,,Engel auf Erden“ irgendwann einmal in den wohlverdienten Ruhestand geht. Schriftlich hatte sich der 59-Jährige schon vor Tagen bei jedem seiner Kunden verabschiedet. Nachricht vom Postengel: ,,Es war eine sehr schöne (tolle) Zeit bei und mit Euch. Für das Vertrauen und alles andere sage ich Danke, Danke, Danke…“ Herzliche Worte eines herzlichen Mannes, der in den all den Jahren nicht nur zuverlässig und pünktlich Urlaubskarten, Briefe, Rechnungen, Päckchen und Pakete bei Wind und Wetter zustellte, sondern stets auch ein freundliches Wort für seine Kunden hatte. Und im Ernst: Wo gibt es das sonst noch, dass ein Postbote seine Kundinnen mit formvollendeten Handkuss begrüßt, bevor er die Post aushändigt?

Benno Engel hatte sich auf seinen Zustelltouren immer Zeit genommen für die Bürgerinnen und Bürger in seinem Bezirk: Nie auf die Uhr geschaut und so im besten Sinne Werbung gemacht für den Großkonzern Deutsche Post. Seinen Arbeitgeber, der im Gegensatz zu dem 59-Jährigen nicht immer für positive Schlagzeilen sorgt.

,,Er wird uns fehlen“, sagt Jutta Kleiske, während sie an der Gartenpforte auf ihren „Postengel“ wartet. Ein wenig Zeit also, mit der Melbeckerin darüber zu reden, was Benno Engel als Postbeamten so einzigartig macht: ,,Das persönliche, das herzliche Verhältnis“ berichtet Jutta Kleiske, und nennt spontan ein Beispiel: ,,Als in meiner Familie ein Trauerfall war und Benno Engel uns die Kondolenzbriefe zustellte, hat er die nicht einfach nur in den Briefkasten gesteckt, sondern persönlich abgegeben, mich in den Arm genommen, getröstet und Zuspruch gegeben,“ erinnert sich die Melbeckerin und fügt schmunzelnd hinzu: ,,Benno ist nicht nur Zusteller mit Leib und Seele, er ist auch Therapeut.“ Selbst mit Hunden den Feinden aller Postboten schlechthin hatte Benno Engel niemals Schwierigkeiten. ,,Nö“, sagt er, ,,da gibts nur einen in meinem Bezirk, bei dem ich ein wenig aufpassen muss. Mit den anderen habe ich keine Probleme“.

Und so häufen sich an diesem Sonnabend Lob und Dankesworte, wird geherzt, umarmt und so manches Abschiedspräsent überreicht: Doris Langer beispielsweise war von Haus zu Haus gelaufen, um für Benno Engels Abschiedspräsent zu sammeln.

,,Ein Postbote vom alten Schlag, der seinem Berufsstand alle Ehre machte, einer der ,seine Haushalte nahezu noch alle persönlich kennt“, sagt André Pluskwa. Der kleine Klönschnack zwischendurch für den Sie immer Zeit hatten wird uns furchtbar fehlen“, sagt Familie Cloppenburg. ,,Danke für Deine erfrischende, lustige, aber auch zuverlässige Art und Weise, uns die Post zuzustellen“, sagen auch Klaus und Maria Winkler und eine andere Melbeckerin schreibt in ihrer Dankeskarte: ,,Das ist etwas ganz Großes, was Sie sich selbst geschaffen haben….“ Die letzte Tour auch Benno Engel wird sie niemals vergessen.