Mittwoch , 28. September 2016
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Sollte die Vorplanung Realität werden, kann man künftig vom Melbecker Bootsanleger direkt auf die Umgehungsstraße blicken. Das geht gar nicht, meinen Campingplatz-Eigentümer Ilona und Karsten Fuhrhop (v.l.), Bürgermeister Klaus Hübner und Abgeordneter Jörg Hillmer. Foto: t&w
Sollte die Vorplanung Realität werden, kann man künftig vom Melbecker Bootsanleger direkt auf die Umgehungsstraße blicken. Das geht gar nicht, meinen Campingplatz-Eigentümer Ilona und Karsten Fuhrhop (v.l.), Bürgermeister Klaus Hübner und Abgeordneter Jörg Hillmer. Foto: t&w

Straßenverlauf über den Friedhof

dth Melbeck. Die Antwort aus dem Verkehrsministerium in Hannover hat nicht nur Melbecks Bürgermeister Klaus Hübner (CDU) den Schrecken in die Glieder fahren lassen, sondern auch anderen Kommunalpolitikern. Offenbar sind die Überlegungen zur Ertüchtigung der Bundesstraße 4 und zum Bau einer Ortsumfahrung Melbecks mittlerweile weiter gediehen als bisher bekannt war. So hat die Niedersächsische Behörde für Straßenbau und Verkehr bereits eine „Grobplanung“ für die Ortsumfahrung durchgeführt: Die Trasse mit Brückenabschnitten verliefe demnach östlich des Ortes, möglicherweise über Friedhof und Campingplatz, so auch die Schlussfolgerungen des CDU-Landtagsabgeordneten Jörg Hillmer, der in der Sache bei der Landesregierung nachgehakt hatte.

Hillmer: „Ich rate den Melbeckern, ihren Widerstand so früh wie möglich zu Protokoll zu geben. Das ist auch ein Service für die Straßenbauer, dass sie ihre Pläne nicht weiterverfolgen müssen.“

Für die Neuaufstellung des „Bundesverkehrswegeplans 2015 bis 2030“ hatte die Landesregierung beim Bundesverkehrsministerium bereits im Juni 2013 die Erweiterung der B4 von Lüneburg bis Gifhorn angemeldet, von einer zwei- zu einer dreistreifigen Fahrbahn. Es könnte aus Sicht der Landesregierung eine Alternative zur A39 sein, auch wenn die Autobahnplanungen fortgesetzt werden sollen. Schließlich sei es Sache des Bundes zu bewerten, „welches Projekt die optimale verkehrliche Lösung darstellt“, heißt es.

Auf LZ-Nachfrage bestätige Stefan Wittke, Sprecher des Verkehrsministeriums in Hannover, dass zum Ausbau der B4 bereits die „Grobplanung einschließlich vorbereitender Konzeption“ von der niedersächsischen Straßenbauverwaltung „von Frühjahr 2013 bis Winter 2013/2014“ durchgeführt wurden. Auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Hillmer rückte die Landesregierung nun erstmals mit der Sprache raus über genauere Vorplanungen, inklusive der angedachten Ortsumfahrung (OU) Melbecks.

Die Straßenbauverwaltung hat sich bereits 2013 mehrere Monate mit der Grobplanung für die mögliche Melbecker Ortsumfahrung beschäftigt. Grafik: terraweb, Montage: Meiferts
Die Straßenbauverwaltung hat sich bereits 2013 mehrere Monate mit der Grobplanung für die mögliche Melbecker Ortsumfahrung beschäftigt. Grafik: terraweb, Montage: Meiferts

Die vorgesehene OU solle demnach östlich des Ortes verlaufen, solle aber nicht die nahe Ilmenau queren. Offenbar wegen des dort beginnenden Naturschutzgebietes. Stattdessen solle die Trasse mit einem Abstand zwischen 70 bis 100 Metern zur Melbecker Wohnbebauung verlaufen. Ohne Überquerung der Ilmenau bliebe da wohl nur der Weg über den Friedhof und Teile des Campingplatzes. Dabei würde die OU „auf zirka 65 Metern das Überschwemmungsgebiet“ queren mit Hilfe einer Brücke. Dabei würden 1600 Quadratmeter Überschwemmungsflächen (Retentionsraum) verloren gehen. Auf LZ-Nachfrage, wie ein möglicher Ausgleich aussehen könnte, sagte der Ministeriumssprecher: „Vorstellbar wäre hier zum Beispiel die Schaffung von Retentionsraum durch Abgrabungen im Überschwemmungsgebiet.“

„Das geht gar nicht“, meinen dazu Karsten und Ilona Fuhrhop, Eigentümer des von der Vorplanung ebenfalls betroffenen Campingplatzes und Mitglieder im Rat Melbeck. Sie sagt: „Das ist hier doch das letzte idyllische Fleckchen, das wir in Melbeck noch haben.“ Nicht nur deswegen will Bürgermeister Klaus Hübner die unerwünschte Ortsumgehung zeitnah zum Thema im Gemeinderat machen, um eine Protestnote nach Hannover zu senden. „Mir kocht das Blut“, sagt Hübner, „die können uns doch nicht mit der Trasse den Friedhof und den Campingplatz zerschießen!“ Zumal der Bürgermeister eine Ortsumfahrung Melbecks ohnehin ablehnt: „Wir wollen doch nicht ausbluten à la Dahlenburg. Der Quellverkehr soll in Melbeck bleiben, wir stehen dazu.“ Stattdessen spricht er sich für den Weiterbau der umstrittenen A39 aus für schätzungsweise 1,1 Milliarden Euro.

Zu den Autobahn-Befürwortern zählt auch der Landtagsabgeordnete Hillmer, der der Landesregierung auf den Zahn gefühlt hat, um deutlich zu machen, dass der alternative Ausbau der B4 problematisch ist. Hillmer: „Ich glaube nicht, dass nur der Bau der A39 den Menschen wehtut.“ In den Chor der Kritiker stimmt Ilmenaus Samtgemeindebürgermeister Jürgen Stebani ein: „Auch wenn es nur Planvorstellungen sind, sollte man sich das schon vorher genauer ansehen. So ist das alles nur absurd und dumm Tüch.“

Die B4-Alternative Das Projekt B4
Ausbau von nördlich Gifhorn (B 188) bis südlich Lüneburg– hätte eine Länge von 72,5 Kilometern und Kosten in Höhe von rund 247,7 Millionen Euro. Für den Abschnitt bis zur A 2 kämen aber noch zwei angemeldete Projekte dazu, um eine vergleichbare Länge zum alternativen A39-Weiterbau zu erhalten: Vierstreifiger B4-Ausbau von der Anschlussstelle Braunschweig-Wenden (A 391 / K 60) bis südlich von Meine und B 4-Verlegung von nördlich Röttgesbüttel bis südlich Meine. Diese haben zusammen eine Länge von 14,2 km und Kosten in Höhe von rund 105,8 Millionen Euro. Somit ergibt sich für die Gesamtstrecke A 2 bis Lüneburg: Kosten zirka 353,5 Millionen Euro, Länge rund 86,7 Kilometer. Noch nicht berücksichtigt sind notwendige Nebenstraßen für den landwirtschaftlichen Verkehr.

2 Kommentare

  1. Eine Umgehungsstraße muss her. Aber wo soll sie verlaufen ? Im Osten, vielleicht parallel zur Bahn ? Und wie dann weiter in Deutsch Evern ? Im Westen durch Felder und Wälder, aber wie dann durchs Dorf ? Die jetzige Verkehrssituation allerdings ist unerträglich, scheint aber auch so gewollt zu sein. Es gibt ein Durchfahrtsverbot für größere LKWs, nur keiner kontrolliert es. Niemals habe ich eine Geschwindigkeitskontrolle gesehen, obwohl kaum jemand 50 fährt…. Furhop hat aber auch Recht, in Melbeck gibt es keine idyllischen Ecken mehr. Die Wälder sind hässlich eingezäunt und die einzigen großen Heidearreale am Vossberg hat man in den 70ern bebaut, nachdem man vorher das Landschaftsschutzschild heimlich hat verschwinden lassen. Man hat in früheren Zeiten, als es noch keinen Naturschutz gab, versäumt, eine Umgehungsstraße zu bauen. Damals hat man es mit der Begründung unterlassen, dass dann das Gasthaus Scherer nicht mehr genügend Gäste hätte. Das Gasthaus gibt es längst nicht mehr….

  2. Hohnstorfer Bürgerin

    Da haben die Campingplatz-Eigentümer aber Schwein, das Herr Hillmer ProA39 ist – sonst würde er sich keinen Deut dafür interessieren wie es den von einer Umgehungsstraße Betroffenen damit geht! Landwirte, die durch die A39 um ihre Existienz fürchten müssen (nicht auszugleichender Landverlust) wurden und werden von den Politikern, allen voran von den Vertretern der CDU, mit einem lapidaren „persönliche Betroffenheiten wird es immer geben, das lässt sich nicht vermeiden“ abgekanzelt, und das wars. Herr Hillmer ist nur an seiner Karriere interessiert und an den Sachen, von denen er sich einen persönlichen Gewinn verspricht – aber NULL an dem Bürger und seinen Sorgen, Problemen, Ansichten. Leider ein Traumtänzer, wer da etwas anderes glaubt.