Mittwoch , 28. September 2016
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Melbecks Bürgermeister Klaus Hübner nimmt im Sat.1-Interview Stellung zur umstrittenen Ortsumfahrung, deren Trasse vermutlich Friedhof und Campingplatz durchschneiden würde. Foto: dth
Melbecks Bürgermeister Klaus Hübner nimmt im Sat.1-Interview Stellung zur umstrittenen Ortsumfahrung, deren Trasse vermutlich Friedhof und Campingplatz durchschneiden würde. Foto: dth

Melbecks Bürgerseele kocht im TV

dth Melbeck. „Ständig geht mein Telefon, das Thema bewegt die Leute“, sagt Melbecks Bürgermeister Klaus Hübner (CDU). Aufgeschreckt hat die Melbecker die Nachricht, dass die niedersächsische Straßenbaubehörde bereits eine Grobplanung für die umstrittene Melbecker Ortsumfahrung im Zuge der Bundesstraße 4 durchgeführt hat. Die mögliche Ost-Trasse würde Friedhof und Campingplatz durchschneiden. Den LZ-Bericht aufgegriffen hat nun ein Team des Fernsehsenders Sat.1. Der Beitrag soll heute ausgestrahlt werden. Unterdessen hat Stefan Wittke, Sprecher des Verkehrsministeriums in Hannover, einen Ratschlag für Melbecker, die den B4-Ausbau verhindern wollen: „Man kann die Betroffenen nur ermuntern, sich für die A39 stark zu machen.“

Bereits vor einem Jahr hatte die rot-grüne Landesregierung den dreistreifigen Ausbau der B4 als Alternative zur A39 für den Bundesverkehrswegeplan 2015-2030 angemeldet. Dabei sind mehrere Ortsumfahrungen entlang der B4-Strecke vorgesehen, unter anderem die in Melbeck. Jedoch: „Wir sind weit von konkreten Planungen entfernt“, sagt Wittke. „Die vorläufige Grobplanung ist dazu gedacht, die ungefähren Kosten zur Anmeldung im Bundesverkehrswegeplan zu ermitteln.“ Und: „Wir sind weit weg von der Entscheidung, die B4 ausbauen zu wollen. Die Alternative B4 kommt nur zum Tragen, wenn sich der Bund gegen die A39 entscheiden sollte.“ Aber auch aus Sicht der Landesregierung liege „die ganz große Priorität auf der A39“.

Wittke weiter: „Und selbst wenn der B4-Ausbau doch kommt, dann ist noch nicht klar, ob die ganzen angemeldeten Teilprojekte, wie die verschiedenen Ortsumfahrungen, auch vom Bund akzeptiert werden.“ Die Grobplanungen auf den Tisch gebracht hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Hillmer mittels einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung (LZ berichtete). Er wollte aufzeigen, dass „nicht nur der Bau der A39 den Menschen weh tut“. Selbst zählt Hillmer zu den Autobahn-Befürwortern. Anders sieht das der ebenfalls für die Samtgemeinde Ilmenau zuständige Landtagsabgeordnete der Grünen, Heiner Scholing: „Wir stimmen nur insofern überein, dass es keine konfliktfreie Lösung für die Verkehrsproblematik in der Region geben wird.“

Mit Blick auf die bekannt gewordene Grobplanung zum B4-Ausbau, insbesondere zur Ortsumfahrung Melbeck, sagt Scholing auf LZ-Nachfrage: „Dass es da Irritationen gibt, kann ich verstehen. Die skizzierte Osttrasse durchschneidet ein hoch sensibles Gebiet. Aber diese Grobplanung ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Da ist lediglich mit einem Filzer ein Strich durch die Karte gezogen worden, auf der Suche nach einem Kompromiss zwischen dem Schutz der Ilmenau und dem Wohngebiet. Über die Details muss noch dringend gesprochen werden.“ Zur Forderung nach der A39 sagt Scholing: „Nach den Zahlen der Verkehrsbehörden wird auch die A39 nicht die erhoffte Entlastung für die Ortsdurchfahrt Melbeck bringen. Selbst wenn die A39 gebaut wird, würde der ganze Regionalverkehr weiter durch Melbeck rollen.“ Der Handlungsbedarf etwa zum Bau einer Umfahrungsstraße bliebe laut Scholing bestehen.

Die Ausstrahlung des Beitrags mit Melbecks Bürgermeister ist für heute geplant ab 17.30 Uhr im Sat.1-Regionalprogramm.