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Bantje Blanck führt Tinkerstute Mavis mit ihrem Fohlen Mighty Mojo den Richtern vor. Das Besondere an den Pferden: Sie sind ruhig, robust, kräftig und trotzdem sensibel und fein zu reiten, sagt Züchterin Anke Blanck. Foto: Juliane Meyer
Bantje Blanck führt Tinkerstute Mavis mit ihrem Fohlen Mighty Mojo den Richtern vor. Das Besondere an den Pferden: Sie sind ruhig, robust, kräftig und trotzdem sensibel und fein zu reiten, sagt Züchterin Anke Blanck. Foto: Juliane Meyer

Scotti auf Erfolgsspur

off Oerzen. Scott marschiert in die Sandbahn. Dunkelbraunes Fell, starke Beine, knackiger Hintern ein Bild von einem Irish Cob. Findet zumindest Anke Blanck. Anfang des Jahres hat die Oerzenerin die Stute mit dem Männernamen bekommen und sich sofort in sie verliebt. In Scotts Pass steht zwar weder ihr Alter, noch weiß Anke Blanck mehr, als dass das Pferd aus England importiert wurde. Trotzdem setzt die Züchterin große Hoffnungen in Scott. Und präsentiert sie auf ihrem Hof „Tinkercounty“ zum ersten Mal einer Richterkommission aus den Niederlanden.

Irish Cobs/Tinker sind Pferde der besonderen Art. Nicht elegant und sportlich wie die Hannoveraner. Nicht so weit verbreitet und populär wie Islandpferde. Irish Cobs sind eine bunte Mischung, sie haben Merkmale von Ponys, Warm- und Kaltblutpferden, sind oft gescheckt, haben nicht selten Bärte und können sowohl Pony- als auch Pferdemaße erreichen. Gezüchtet wurden sie einst vom fahrenden Volk in Irland, zogen als Arbeitstiere die Wagen der Kesselflicker (Tinker). Anke Blanck hat vor mehr als 20 Jahren der Zufall zu den Irish Cobs geführt. „Und heute sind diese Pferde mein Leben.“

Als Anke Blanck ihre erste Tinker-Stute kauft, ist die Rasse in Deutschland noch nicht mal anerkannt. Als Begleitpferd für Blancks Trakehner lebt die Stute fast sieben Jahre bei ihr, „ohne dass ich groß etwas mit ihr gemacht habe“. Dann verkauft Anke Blanck ihr Sportpferd und denkt, „ich steige vom Mercedes auf einen Fiat 500 um“. Sie beginnt die Tinker-Stute zu reiten und merkt schnell: „Das ist kein Fiat500, sondern ein Ferrari“. Bald steht die zweite Tinker-Stute im Stall, dann die dritte, die vierte… irgendwann das erste Hengstfohlen. 2006 beginnt Blanck zu züchten, 2007 werden die ersten Tinker-Fohlen geboren.

Scott steht wie angewurzelt vor den Richtern. Der erste Pluspunkt für die Stute, Temperament: freundlich, ruhig und gehorsam. Aus einem Meter Entfernung macht sich das Richterteam der Irish Cob Society (ICS) Nederland ein Bild vom Körperbau der Stute, auf niederländisch werfen sich Mareike und Wim Heijkoop ein paar Sätze zu, notieren etwas im Bewertungsbogen, dann ruft Mareike Heijkoop „Schritt bitte!“. Blancks Tochter Bantje und Scott marschieren los, nach einer halben Runde traben sie auf Kommando an und Anke Blanck ruft „Scotti, zeig, was du kannst!“ Nach einer weiteren Runde kommen Pferd und Führerin vor den Richtern zum Stehen. Moment der Wahrheit.

Neun Stuten und Fohlen stellt Anke Blanck den Richtern am Sonntag vor, einige von ihnen zum zweiten Mal. „Die beste Bewertung ist die 1. Prämie“, erklärt die Oerzenerin, „bekommt ein Pferd zwei 1. Prämien, ist es eine Sterstute, eine der höchsten Auszeichnungen.“ Bei allen vier Anwärterinnen gelingt die Doppelauszeichnung, Richter und Besitzerin sind zufrieden. Die „Prämien“ werden in den Equidenpass, eine Art Personalausweis für Pferde, eingetragen. Und Anke Blanck hat es schwarz auf weiß: Ihre Stuten sind Spitzenklasse.

Was den perfekten Irish Cob ausmacht? Mareike Heijkoop, die als ICS-Richterin in ganz Europa unterwegs ist, muss nicht lange überlegen. „Er ist stark, breit, kräftig im Aussehen, hat viel Haare an den Beinen, eine volle Mähne und einen kräftigen Schweif, einen Dosenkopf, kraftvollen Schritt und Trab, ist freundlich, ruhig und gehorsam.“ Maximal 10 Punkte in 16 Kategorien sind zu vergeben, ab 144 Gesamtpunktzahl gibt es eine 1. Prämie. Scott döst, während die Richterin ihre Punkte verkündet. „Typ 9, Kopf 9,5, Hals 9,5, Schulter 9 … insgesamt 148 Punkte.“ Scott trottet aus der Bahn, Anke Blanck jubelt. Ihre „zuckersüße Motte“ ist nicht nur ein Schatz im Umgang, sondern auch eine echte Tinker-Schönheit.

Als 1. Prämienstute trabt Scott zurück zu den anderen Stuten und Sterhengst Murphy the Piper, nächsten Sommer wird sie von ihm ihr erstes Fohlen bekommen. Auch das wird dann eines Tages vor den Richtern stehen. Und dabei hoffentlich genauso gut abschneiden wie die Mutter.