Mittwoch , 28. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Ilmenau | Luxusliner an der Steckdose
Kreuzfahrtschiffe verbrennen auch im Hafen Schweröl, um ihr Stromnetz aufrecht zu erhalten. Das aber ist schlecht für die Umwelt. Der Melbecker Hans-Erhard Schmidt (l.) hat daher mit seinen Kollegen von Siemens einen Landstromanschluss mitentwickelt. Foto: nh
Kreuzfahrtschiffe verbrennen auch im Hafen Schweröl, um ihr Stromnetz aufrecht zu erhalten. Das aber ist schlecht für die Umwelt. Der Melbecker Hans-Erhard Schmidt (l.) hat daher mit seinen Kollegen von Siemens einen Landstromanschluss mitentwickelt. Foto: nh

Luxusliner an der Steckdose

kre Melbeck. Kreuzfahrtschiffe sind die Königinnen der Meere: Dumm nur, dass die schwarzen Rußschwaden aus den Schornsteinen der Luxusliner so gar nicht zu dem sauberen Image der strahlend weißen Ozeanriesen passen wollen. Schon gar nicht in den schönsten Häfen dieser Welt. Doch weil die schwimmenden Hotels auch an den Anlegekais Strom benötigen, laufen in den meisten Häfen die Schiffsdiesel munter weiter und blasen so enorme Mengen an schädlichen Schwefel-, Stickoxid- und Rußemissionen in die Luft. Ein Umwelt-Problem, das auch Hans-Erhard Schmidt keine Ruhe gelassen hat.

Der Diplom-Ingenieur aus Melbeck hat zusammen mit seinem Kollegen von Siemens eine Anlage maßgeblich mitentwickelt, die geeignet ist, die großen Pötte während ihrer Liegezeiten ein gutes Stück umweltfreundlicher zu machen. Der Konzern hat als Generalunternehmer den ersten europäischen Landstromanschluss für Luxusliner entwickelt und gebaut, der das Verbrennen von Schweröl zur notwendigen Stromerzeugung wä

Das ist gut fürs Image der weißen Flotte, es ist vor allem aber auch gut für die Umwelt. Die Reduzierung von Schadstoff­emissionen, die aus der Schifffahrt stammen, ist nämlich schon lange ein Thema. ,,Die Europäische Kommission hat schon vor mehr als zehn Jahren den Hafenbehörden aufgegeben, dafür Sorge zu tragen, dass Schiffe während der Liegezeit im Hafen landseitige Stromquellen nutzen“, berichtet der Diplom-Ingenieur und ergänzt: ,,Bis 2050, so die Vorgabe der Europäischen Kommission, sollen die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen um 60 Prozent verringert werden!“

Die von Hans-Erhard Schmidt mitkonzipierte und von Siemens realisierte Landstromanlage wird ihren Teil dazu beitragen: Sie entsteht derzeit für rund 8,5 Millionen Euro am Kreuzfahrtterminal in Hamburg-Altona, ,,Im Frühjahr 2015 wird sie in Betrieb gehen“, hofft Schmidt.
Was die Anlage ganz besonders macht: ,,Sie ist europaweit die erste mit einer automatischen Frequenz-Anpassung von 50 auf 60 Hertz für Kreuzfahrtschiffe, erläutert der Melbecker, ,,somit können Schiffe mit unterschiedlicher Bordnetz-Auslegung ohne weitere Anpassungen im Hafen mit Strom versorgt werden“.

Die heutigen Kreuzfahrtschiffe sind schwimmende Hotelbetriebe, benötigen für die Aufrechterhaltung ihres Betriebes im Durchschnitt acht bis zehn Megawatt ,,das entspricht in etwa dem Verbrauch einer Kleinstadt“, rechnet Schmidt vor. Für die Umwelt lohnt es sich also allemal, die Luxusliner in den Häfen ans Stromkabel anzudocken. Nicht zuletzt aufgrund einer Studie aus Dänemark: Demnach belasten die gigantischen Abgaswolken aus verbranntem Schweröl in Häfen und vor den Küsten Menschen und Umwelt in erheblichem Maße. Die giftigen Schwaden werden für die Erkrankung und den Krebstod von jährlich bis zu 50000 Menschen verantwortlich gemacht, weiß Nabu-Experte Dietmar Oeliger.

,,Die Landstromversorgung ist also eine globale Herausforderung“ ,sagt der Melbecker, der sich mit diesem Thema seit 15 Jahren beschäftigt. Die ersten, die diese Technik gefordert und eingeführt haben, ,,waren die Hafenstädte an der Westküste der USA“, berichtet Schmidt. Die Skandinavier zogen nach, jetzt folgen auch andere europäische Hafenstädte.

Doch im Gegensatz zu den bereits existierenden Landstrom­anlagen ist die deutsche Technik viel weiter und für die Schiffsbesatzungen besser zu handhaben, denn: Die Stecker müssen nicht mühsam in die Schiffe gezogen werden, sondern werden mit einem speziell für den Tidenhub ausgelegten fahrbaren Roboterarm wie auf einem Tablett durch eine Außenluke ins Schiff gereicht.

Schmidt: ,,Unser System ist selbstfahrend und kann bei Bedarf vollautomatisch vom Schiff aus bedient werden“. Auch ein ,,Kabelgewirr auf den Kaianlagen gibt es nicht, da das Zuführungssystem bei Nichtbetrieb in einer hochwassergeschützten Garage geparkt wird. Doch das beste: In die Hamburger Anlage kann später auch Öko-Strom eingespeist werden. Der macht die Dampfer dann wirklich ein bisschen umweltfreundlicher.