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Tonmeister Friedrich Thein an seinem Aufnahme- und Regiepult: Von hier aus sorgte der 61-jährige dafür, dass der Gottesdienst im Radio  übertragen werden konnte. Foto: t&w
Tonmeister Friedrich Thein an seinem Aufnahme- und Regiepult: Von hier aus sorgte der 61-jährige dafür, dass der Gottesdienst im Radio übertragen werden konnte. Foto: t&w

Deutsch Evern sendet in die Welt

kre Deutsch Evern. Sonntagmorgen kurz vor 10 Uhr in Deutsch Evern: Die Verbindung nach Köln ins Funkhaus steht. Die zum Herrn im Himmel sowieso. Wenige Minuten noch  dann wird die Erntedank-Botschaft aus der kleinen Martinuskirche zu Deutsch Evern hinaus in die weite Welt getragen. Richtig gelesen: Die Predigt erreicht dieses Mal nicht ,,nur“, die Ohren und die Herzen der Deutsch Everner Kirchgänger, sondern Gläubige in ganz Deutschland. Und zweitversetzt via Internet sogar in der ganzen Welt: Möglich machts der Deutschlandfunk, der den Erntedankgottesdienst aus der Martinuskirche live überträgt.

Eine aufregende Sache  obwohl die Deutsch Everner durchaus schon Medienerfahrung vorweisen können: 2009 hat das ZDF den Ostergottesdienst aus der reetgedeckten Kirche übertragen, die in ihrem „ersten Leben“ mehr als 300 Jahre als Bauernhaus diente. Jetzt also ist es der Deutschlandfunk, der den Reiz des Zweiständerhauses entdeckt hat und von hier aus live den Radiogottesdienst sendet. ,,Was eignet sich für einen Gottesdienst zu Erntedank besser, als eine Kirche, die früher mal ein Bauernhaus war?“, findet auch Rundfunkpastor Jan von Lingen in seiner Anmoderation. Dass die Martinuskirche just vor genau 25 Jahren  am Erntedanksonntag  geweiht wurde, ist da noch das perfekte Sahnehäubchen dieses etwas ungewöhnlichen Gottesdienstes.

Ungewöhnlich deshalb, weil die Gottesdienst-Besucher diesmal auch sitzen bleiben müssen. Beim ,,Vater-Unser“ ebenso wie beim Glaubensbekenntnis. ,,Das Aufstehen und Hinsetzen würde zu viel Unruhe und Störgeräusche bringen“, erklärt Pastor Dr. Frank Mertin, der aber auch noch einmal deutlich macht: ,,Das ist keine Show, die wir heute abziehen, sondern wir feiern als christliche Gemeinde Erntedank.“ Nur, dass dieses Mal der Gottesdienst noch mehr als sonst einem minutengenauen Ablaufplan unterworfen ist. Bevor das Rotlicht angeht und der Gemeinde in der vollbesetzten Kirche signalisiert wird, dass man jetzt auf Sendung ist, erklärt Rundfunkpastor Jan von Lingen den Deutsch Evernern noch einmal, worauf es ankommt: ,,Wichtig ist, das keine Pausen entstehen  sonst drehen die Zuhörer am Sendersuchlauf …“ Und das wollen die Akteure in Deutsch Evern natürlich vermeiden. Schließlich haben sich alle akribisch auf den Radiogottesdienst vorbereitet  und dabei auch so manche Überraschung erlebt.

,,Bei der Generalprobe am Sonnabend waren wir neun Minuten über der Zeit“, berichtet Dr. Mertin  „da haben aber alle geschaut!“ Plötzlich war ,,streichen und kürzen“ angesagt, ,,aber in einer äußerst konstruktiven und sachlichen Atmosphäre“, betont der Kirchenvorstandsvorsitzende Jan Gronewold.

Einen gewichtigen Teil zur ruhigen und konstruktiven Arbeitsatmosphäre trägt Tonmeister Friedrich Thein bei  der Herr über die Mikrophone, die Ton- und die Aufnahmetechnik. Den Mann bringt augenscheinlich nichts aus der Ruhe. Ein altes Bauernhaus als Kirche? ,,Super“, findet Thein, um die Akkustik macht er sich keine Sorgen, da kennt er sich bestens aus: „Ich besitze selbst ein Zweiständerhaus, das ich zum Tonstudio umgebaut habe.“

Thein hat im Laufe der Jahre schon bei unzähligen Verstaltungen für den guten Ton gesorgt: Er kennt sie alle  von Peter Maffay bis Udo Lindenberg. Besonders gerne erinnert er sich auch an den gemeinsamen Auftritt der Scorpions mit den Berliner Philharmonikern auf der EXPO in Hannover. „Das habe ich live für das ZDF übertragen  eine echte Herausforderung.“

Ob große oder kleine Veranstaltungen  für Thein, Opernfreund und bekennender Jimi-Hendrix-Fan, sind alle gleich wichtig. Und so konzentriert er sich jetzt, wenige Minuten vor Beginn der Live-Sendung, in seinem mobilen Übertragungswagen ganz auf den Gottesdienst aus Deutsch Evern.

Mit den Akteuren in der Kirche kann der Profi zufrieden sein. Mit den Sängerinnen und Sängern des Kammerchors St. Michalis, den Fagott-Spielern Michael Glaß und Elisabeth Hohensee, mit Christiane Werner an der Harfe, Paul Schmidt an der Orgel, mit Pastor Dr. Mertin und all den anderen Mitwirkenden: Um Punkt 11 Uhr endet der Gottesdienst in Deutsch Evern. Wie geplant. Die Akteure haben nicht nur die neun Minuten wettgemacht  sie waren sogar pünkltich auf die Sekunde. So viel Professionalität freut einen versierten Tonmeister…