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Der Melbecker Firma Zajons, bestehend aus zwei Unternehmensteilen, droht die Insolvenz. Ein Käufer wird gesucht. Foto: be
Der Melbecker Firma Zajons, bestehend aus zwei Unternehmensteilen, droht die Insolvenz. Ein Käufer wird gesucht. Foto: be

Zajons kämpft ums Überleben

pet Melbeck. Mit dunklen Wolken, die ein Großbrand in einer 66×70 Meter großen Lagerhalle verursachte, kam die Melbecker Firma Zajons, bestehend aus der ,,Zajons Logistik Entsorgungsgesellschaft“ und der ,,Zajons Zerkleinerungstechnik“, im Mai 2012 in die Schlagzeilen. Dunkle Wolken stehen auch jetzt über dem Unternehmen ihm droht die Insolvenz.

Ein vorläufiger Insolvenzverwalter ist bereits bestellt und an der Arbeit, ein Wechsel in der Geschäftsführung fand statt. Und: Das Amtsgericht Lüneburg hat ,,Sicherungsmaßnahmen“ angeordnet, ein Instrument, das für Gläubiger ,,nachteilige Veränderung in der Vermögenslage des Schuldners“, so heißt es in der Insolvenzordnung, verhüten soll.

Als vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Hamburger Rechtsanwalt Michael Föhlisch bestellt, für ihn war gestern Kanzleipartner Frank Dreyer zu Verhandlungen in Melbeck. Dort traf er auch mit Ulrich N. Bildl, Rechtsanwalt aus Würzburg, zusammen, der kürzlich als Nachfolger von Jörg Lempke zum Geschäftsführer eingesetzt wurde.

Den Brand vor mehr als zwei Jahren sieht Frank Dreyer ,,als Hauptgrund“ für die prekäre Lage des Unternehmens. Seines Erachtens habe sich ,,die Firma davon nie wieder erholt. Der Brand ist ursächlich für die Situation.“ Strukturelle Probleme sehe er, Dreyer, dagegen nicht.

Eine Sanierung aus eigener Kraft sei angesichts der hohen Verbindlichkeiten unwahrscheinlich, so dass der Retter von außen kommen müsse. Etwa zehn potenzielle Interessenten gebe es für Zajons. ,,Mit drei davon sind wir im Gespräch“, so Dreyer. ,,Technisch und umwelttechnisch ist das Unternehmen gut aufgestellt“, erklärte er. Mit der Verarbeitung ausgedienter Rotorblätter von Windkraftanlagen besitze Zajons ein europaweites Alleinstellungsmerkmal.

1997 hatte der damalige geschäftsführende Gesellschafter Rudolf Zajons eine erste Aufbereitungsanlage in Embsen eröffnet, 2005 erfolgte der Umzug nach Melbeck. Mit der Aufbereitung von Abfallstoffen aus verschiedenen Materialien zu Ersatzbrennstoffen war das Unternehmen erfolgreich. 2010 wurde in Melbeck ein zweites Werk eröffnet, in dem die Aufbereitung von alten Rotorblättern von Windkrafträdern zu Ersatzstoffen für die Zementindustrie erfolgt. 2011 gewann Zajons den Umwelt-Innovationspreis der Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe.

Aber die guten Zeiten gingen zu Ende problematische Jahre haben die Zajons-Gesellschaften hinter sich. So ist es auch im ,,Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2012″, veröffentlicht im Bundesanzeiger, nachzulesen. Von drastischen Umsatzrückgängen, unter anderem durch den Wegfall großer Kunden, ist dort die Rede. Der Jahresfehlbetrag der ,,Zajons Entsorgungsgesellschaft“ liege für 2011 und für 2012 bei jeweils weit über einer Million Euro, auch für das Geschäftsjahr 2013 wurde ein hoher Verlust prognostiziert.

Negativ in die Schlagzeilen geraten war Zajons durch den Großbrand, der am 24. Mai 2012 eine Lagerhalle für Ersatzbrennstoffe vollständig zerstörte. Bis nach Hamburg war die Rauchsäule zu sehen, mehr als 800 Feuerwehrleute waren vier Tage lang im Einsatz. Monatelang rangen das Unternehmen und der Landkreis Lüneburg um den Abriss der Hallenruine letztlich setzte sich der Kreis durch, die Halle wurde Ende 2012 abgetragen.

,,Unser Ziel ist es letztendlich, herauszufinden, wie wir das Unternehmen in ein vernünftiges Fahrwasser bringen, um es so oder so ähnlich, und bei Beibehaltung der Mitarbeiterzahl, fortführen zu können“, erklärt Geschäftsführer Bildl. Insgesamt seien etwa 50 Mitarbeiter in den beiden Unternehmensteilen in Melbeck beschäftigt. Die hätten, so Frank Dreyer, ihre Löhne bis einschließlich September ausgezahlt bekommen. Um das künftige Insolvenzgeld zu sichern, sei man mit der Agentur für Arbeit im Gespräch. Vermutlich am morgigen Freitag solle es eine Betriebsversammlung geben.

,,Die Firma Zajons hat uns nicht immer Freude bereitet“, erklärt Jürgen Stebani, Bürgermeister der Samtgemeinde Ilmenau, mit ironischem Unterton. Bedauerlich wäre es, so Stebani, wenn die Arbeitsplätze des Unternehmens wegfallen würden.

One comment

  1. Für die Gesundheit der Mitarbeiter und der Anwohner wäre es wohl besser, wenn der Betrieb ganz eingestellt werden würde.